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Das Menschenrechtsfilmfestival Nürnberg

Es heißt wieder: Augen auf! - 16.09.2011 18:14 Uhr

Im Sog von Bildern aus der ganzen Welt. Hier eine Szene aus dem britischen Wettbewerbsbeitrag „Pink Saris“, über ein Frau, die in Indien Gewalt gegen Frauen bekämpft.

Im Sog von Bildern aus der ganzen Welt. Hier eine Szene aus dem britischen Wettbewerbsbeitrag „Pink Saris“, über ein Frau, die in Indien Gewalt gegen Frauen bekämpft. © Veranstalter


Neu ist vieles beim diesjährigen 7. Durchlauf des Festivals (28. September bis 5. Oktober), das sich schon viel Renommée weltweit erworben hat. Dem tragen die Verantwortlichen mit einem neuen Namen Rechnung: „Nuremberg International Human Rights Film Festival“ hört sich zwar in der Kurzform „NIHRFF“ an, als würde Obelix mit (Wildschweinbraten-)vollem Mund zur Attacke auf die Römer rufen, auch vermisst man den traditionellen, positiv besetzten Begriff „Perspektive“ – ein Festival wie dieses kommt aber auf Dauer um die Weltsprache Englisch nicht herum – schließlich trudeln seine Filme und Gäste aus allen Ecken und Enden ein; 63 lange und kurze Spielfilme und Dokumentationen aus 39 Ländern sind es diesmal.

Attraktiv für ein jüngeres Publikum

Es sieht aber nicht nur alles anders, aus sondern, sagt Kuhn, „wir hoffen, auch frischer“ – und damit attraktiver für ein jüngeres Publikum. Zwar laufe das „Open Eyes“-Schulprojekt (über das wir gesondert berichten wollen) fantastisch; aber es gehe darum, auch einer nicht pädagogisch angeleiteten Generation Lust auf engagiertes Kino zu machen. Die üblichen Assoziationen zum Thema Menschenrechte liegen nun mal nicht primär im Unterhaltungssektor, und Popcorn gibt es auch keins (außer im Cinecittà, das erneut dabei ist).

Für Spannung soll nicht zuletzt Provokation im besten Sinn sorgen: Dafür steht das neue Logo, das bereits in der Stadt präsent ist, ebenso wie ein vielschichtiges, unbequemes, aufwühlendes Programm. Wer den Elan der 40-jährigen Kuhn kennt, weiß, dass das keine leeren Versprechen sind.

Nicht zuletzt ihr Verdienst dürfte auch sein, dass einer der berühmtesten Kameramänner Hollywoods als Schirmherr zugegen sein wird. Michael Ballhaus hat mit Regie-Stars wie Martin Scorsese und Wolfgang Petersen gedreht und ist erst vor ein paar Jahren wieder in seine deutsche Heimat zurückgekehrt, wo er sich um den filmischen Nachwuchs kümmert – und für mehr Klimaschutz kämpft; „für uns“, so die Festivalleiterin, „besonders wichtig“. Wie man den gänzlich allürenfreien 76-Jährigen kennt, schätzt er das Nürnberger Festival nicht weniger als manche Auszeichnung in seiner US-Karriere.

Zur Eröffnung wird der Film „Wunderkinder“ von Marcus O. Rosenmüller gezeigt. In der Geschichte über drei junge Musikgenies in der NS-Zeit, zwei davon jüdischer Herkunft, hat neben Catherine Flemming auch Konstantin Wecker eine Rolle übernommen – ein vermutlich emotionaler Auftakt am Mittwochabend um 19 Uhr in der Tafelhalle.

Ins Rennen um den Hauptpreis des Festivals gehen zwölf Anwärter, darunter – sehr sehenswert – eine ungewöhnliche, toll gefilmte Auseinandersetzung mit der argentinischen Militärjunta: „The Prize“. Oder, mit 264 Minuten der längste Festivalbeitrag, „Vapor Trail“, ein dokumentarischer Filmessay aus den USA über den Zusammenhang zwischen Politik und Ökologie.

Kuhn, die mit ihren Filmkenntnissen vor ein paar Jahren sogar Ballhaus beeindruckte, kündigt aber in allen Sektionen „internationales Spitzenkino“ an. Auch aus Ägypten, brandaktuell also, kommen Filme; darunter „Microphone“, der die Revolution gewissermaßen vorwegnimmt, und „The Agenda and I“, ein kurzer Film (47 Min.), der den Zuschauer ein Stück mitnimmt auf Ägyptens langen Weg zur Demokratie.

An Schlaf ist nicht zu denken

Überzeugend zerstreute Andrea Kuhn bei der Vorstellung des Programms die Angst, dass die Auswahl beim Zuschauer Depressionsschübe auslösen könnte: vielmehr, so versichert sie, „ist mancher Film dabei, aus dem Sie beglückt darüber herauskommen, dass Sie ihn sehen konnten – wenn nicht, sind Sie eingeschlafen“. Und das, weiß man aus vergangenen Festivaljahren, tritt praktisch nie ein.

Das Programmheft liegt bereits aus; der Katalog mit ausführlichen Informationen zu den Filmen ist ab Montag (19. September) im Festivalbüro im Künstlerhaus (Königstr. 93) zu erwerben. Kartenvorverkauf im dortigen Filmhaus unter Telefonnummer (0911)2318371; sonst an der Abendkasse. Infos auch im Internet unter: www.nihrff.de
  

Tamara Dotterweich

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