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Das ZDF wird zur Kabarett-Hochburg

Gestern züchtig, heute spritzig - 10.02. 18:10 Uhr

Die Älteren und Anständigen unter uns werden sich noch an die Zeit erinnern, als die Abkürzung "ZDF" mit "Züchtiges Deutsches Fernsehen" übersetzt wurde – völlig zu Recht und im Einklang mit den moralischen Grundfesten der bundesdeutschen Wertegemeinschaft.


Dieses Sittenbild hat sich drastisch verändert: Dem Sender gelang es, seine biederen Mainzer Fesseln abzuschütteln. Er ist auf dem besten Wege, sich als erste Adresse der spritzigen, kultivierten Unterhaltung zu etablieren – und damit die intelligenzgesättigte Gegenbastion zum geistlosen Comedy-Blödsinn der Privatsender zu bilden.

Mit Monika Grubers neuer Reihe „Leute, Leute“ rammen die regsamen Mainzelmännchen nun den vierten Grundpfeiler ihrer Kabarett-Hochburg ein. Auffällig dabei: Drei davon steuert Bayern bei – „Neues aus der Anstalt“, „Pelzig hält sich“ und künftig der Beitrag der kernigen blonden Satirikerin. Sie stammt übrigens – ungeachtet ihrer eher zurückhaltenden Oberweite – aus Tittenkofen.

Warum dieser zotenträchtige Seitenhieb? Nun, er passt recht gut zur Sprachebene und zu den Freiheiten, die sich die Humoristen heute in der ehemaligen zweiten deutschen Zuchtanstalt herausnehmen. Vor allem natürlich in der rotzfrechen „Heute-Show“, Oliver Welkes satirischem Geniestreich, der den ZDF-Gewaltigen sicherlich auch gestern Abend wieder die Schamesröte ins Gesicht trieb. Aber sie lassen den Westfalen gewähren.

So viel Mut lohnt sich. Die Einschaltquoten sind sehr beachtlich und lassen andere kulturelle Anstrengungen des ZDF – etwa die farblose „Blaue Couch“ –, weit hinter sich. Was aber viel wichtiger ist: Die Mainzer haben in Sachen Unterhaltungs-Kompetenz die schwerfällige ARD abgehängt. Dort kommt inzwischen noch nicht einmal mehr ein ausgekochter Profi wie Thomas Gottschalk auf einen grünen Zweig. Muss wohl auch am Sender liegen. 



Hans-Peter Klatt

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