|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Depressive Schönheit pur
Der halbstündige Auftritt beinhaltete Stücke wie «Revival«, «Kingdoms Of Rain« oder «Unbalanced Pieces«. Das Ergebnis war depressive Schönheit pur, was auch die Depeche-Mode-Fans durchaus goutierten.
Um Punkt 21 Uhr enterte dann das britische Elektronik-Trio plus Verstärkung die Bühne. Im Fokus des Konzerts: das aktuelle Album «Sounds Of The Universe«. Ein eher sperriges Werk zwischen 80er-Beats, hypnotischen Balladen und Kraftwerk-Anleihen. Vor allem auf Dave Gahan war man gespannt, dessen Gesundheitszustand in der jüngeren Vergangenheit diverse Auftritte platzen ließ. Doch der Sänger entpuppte sich trotz Schauergeschichten über Suizidversuch, Hirntod, Magen-Darm-Infektion und Blasentumor als agiler Endvierziger. Die Show war perfekt dargebotenes High-Tech-Entertainment. Doch wenn Gahan mit seinem antiquierten Mikroständer herumwirbelte, versprühte dies schon einen gewissen Retro-Charme.
Gahan ist der Körper von Depeche Mode, ein eitler Schmerzensmann, im oberen Teil bisweilen nackt und bloß. Songwriter Martin Gore ist der Kopf und verwischt seit jeher mit Schminke und schwarz lackierten Fingernägeln sexuelle Barrieren und Geschlechterrollen. Früher verschanzte er sich hinter seinem Synthesizer und produzierte ekstatisches Soundgefrickel. Mittlerweile hat er wohl ein paar Gitarrenstunden genommen. So richtig gut beherrscht Gore das Instrument immer noch nicht. Doch das fällt nicht stärker ins Gewicht.
Nach vielleicht zehn Stücken gönnt sich der stimmlich hörbar lädierte Gahan eine schöpferische Pause: Der Beginn der Soloshow seines Sidekicks. Zu peitschenden Klavierklängen singt Gore u.a. das Stück «Jezebel«. Eine Figur aus dem Alten Testament, heute noch das Synonym für eine böse und gleichzeitig verführerische Frau. Und weil es so schön ist, interpretiert Gore noch eine weitere Tränenballade. Die Fans in der ausverkauften Arena übernehmen hier gern den Part des Chors.
Gahan und Gore sind zwei exaltierte Charaktere, die sich in der Vergangenheit immer wieder einmal an die Gurgel gingen. Dabei vergisst man leicht, dass Depeche Mode noch ein weiteres Gründungsmitglied hat. Andrew Fletcher ist ebenso seit 1980 dabei, doch in den Vordergrund gedrängt hat sich der scheue Brillenträger auch am Dienstagabend nicht. Als Gahan wieder das Mikro übernimmt, herrscht kurz ein Leerlauf bezüglich der Euphorie.
Neuere Stücke nicht massentauglich
Ein paar der neueren Stücke erweisen sich als nicht unbedingt massentauglich. Der Geräuschpegel im Publikum sinkt. Doch dies entpuppt sich nur als kurzes Intermezzo. Als er «Waiting for the Night« oder «Policy of Truth« anstimmt, schraubt Gahan seinen Bariton in hymnische Höhen. Dann noch «Stripped« und das euphorische «Personal Jesus". Das Konzert von Depeche Mode gefiel als klangtechnisch perfekte Bespaßung des Publikums der Generation 40 plus.
