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Das fränkische und das oberpfälzische Thannhausen wollen beide dessen Geburtsort sein, und womöglich ist der Deutschordensritter sogar in der Nürnberger Jakobskirche beigesetzt worden.
Richard Wagners mythenschwere, große existenzielle Fragen formulierenden und nicht selten sehr langen Opern haben schon immer eine reiche Blüte an Parodien ausgetrieben. Da konnte es schon passieren, dass die Adaption in einer Stadt erst mal mehr Erfolg hatte als das Original: So war es seinerzeit in Wien, wo viele Operngänger zuerst mit Johann Nepomuk Nestroys 1857 im Carltheater uraufgeführten „Tannhäuser“-Posse Bekanntschaft machten, bevor Wagners romantische Oper über den Sängerkrieg auf der Wartburg in die Hofoper kam. Mit der Konsequenz, dass zum Beispiel in der vom sächsischen Meister sehr ernst gemeinten Hirtenszene gelacht wurde, weil man schon den Nestroyschen Witz dazu im Kopf hatte.
Die „übermütige Kurzfassung eines Wagnerenthusiasten“ nennt sich nun der Nürnberger Entwurf, bei dem das Ensemble Kontraste den fränkischen Kabarettisten Matthias Egersdörfer als Wiedergänger des Minnesängers in die Arena des Sängerwettstreits schickt. Die Regie und das Libretto stammen von Egersdörfers künstlerischer Partnerin Claudia Schulz, die zuletzt bei „Carmen – die Würde des Menschen ist ein Scheißdreck“ mit ihm auf der Bühne stand.
Wer da auch bei Wagner einen ordentlichen Zirkus erwartet, liegt wohl nicht ganz falsch. Egersdörfer kündigte gestern, als das Projekt vorgestellt wurde, trotzdem entschlossen an, dass ihm beim Tannhäuser an der Wagnerschen Ernsthaftigkeit gelegen sei und er mit Nestroy eigentlich nicht so viel anfangen könne.
Inwiefern er sich sängerisch einbringen wird, blieb ebenso offen wie die heikle Frauenfrage: Bekanntlich ist das Wagnersche Original ja zwischen dem erotischen Zauber der Venus und der ihn aufrichtig liebenden Elisabeth aus dem Kreis der Wartburg-Gesellschaft hin und hergerissen. Gerade die Venus müsse man von einigen Irrtümern befreien, betonte Egersdörfer, ohne weiter ins Detail zu gehen. Musikalisch baut der neue Nürnberger Tannhäuser auf die Vorlage von Carl Binder auf, der zu Nestroys Posse Wagners Musik kräftig aufmischte und sie in „Schnaderhüpfel“-Spottgesängen münden ließ.
Diesem Wiener Witz soll nun der fränkische folgen. Der Musikarrangeur Manfred Knaak sieht seine Binder-Bearbeitung jedoch auch in einem weiter gespannten Klang-Fadenkreuz aus Biermösl Blosn, Frank Zappa, Miles Davis und Tom Waits. Das Ensemble Kontraste ist mit vier Musikern beteiligt, wie Ensemble-Mitglied Stefan Danhof erläuterte: Er selbst wird als Tastenspieler Harmonium und Hammondorgel bedienen; Dania Lemp spielt abwechselnd Geige und Bratsche, André Herteux soll der Herr über E-Gitarre und klassische Gitarre sein; Eckhard Kierski ist mit Trompete und Flügelhorn dabei.
Ob das Quartett auch mitsingt, etwa beim berühmten Pilgerchor, wurde gestern noch nicht verraten. Genauso wenig, ob Egersdörfer mehr einen Tannhäuser oder einen „Tann-Heuler“ geben wird. Angesichts dieser Unwägbarkeiten sprach Andreas Radlmaier als Leiter des den Wagner-Zirkus veranstaltenden Projektbüros des Kulturreferats wohl zurecht von „Vertrauen auf Verdacht“. Denn der Vorverkauf laufe bereits sehr gut.

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