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Ein Meisterwerk zu Gast in Bamberg

Die Ottheinrich-Bibel - 17.05.2010

Blatt aus der Ottheinrich-Bibel, dem ersten illustrierten Neuen Testament in deutscher Sprache.

Blatt aus der Ottheinrich-Bibel, dem ersten illustrierten Neuen Testament in deutscher Sprache. © Katalog


Geschrieben, nicht gedruckt, wurde sie zu einer Zeit, als es auf kaiserliches Geheiß hin verboten war, die Bibel in die Volkssprache zu übersetzen. Offensichtlich scherte sich der damalige Bayernherzog Ludwig VII. nicht darum. Denn dieser letzte Vertreter einer ausgestorbenen Ingolstädter Wittelsbacherlinie gab um 1430 das Buch in Auftrag. Das fanden Historiker allerdings erst vor wenigen Jahren heraus. Aus Schriftvergleichen ermittelten sie die Werkstatt, aus der mehrere Bücher stammten.

Interessant ist, dass die wunderbaren, lichtstarken und lebendigen Malereien erst nachträglich entstanden und zwar in Regensburger Werkstätten nach Anweisungen, die vom Schreiber oder von fremder Hand noch am Rand zu sehen sind. Ludwig VII, auch der Bärtige genannt, muss ein weltkluger Mann gewesen sein. Lange Jahre hatte er am französischen Hof gelebt. Er starb 1447 als Gefangener des Herzogs Heinrich von Landshut.

Als Erbstück gelangte die Bibel in den Besitz des schillernden Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz, der seinerseits dem Lauinger Meister Mathis Gerung in den Jahren 1530 bis 1532 die noch ausstehenden Illustrationen vollenden ließ. So schließt sich der Bogen von der Regensburger Hochgotik zur Renaissance.

Als grandioses Werk wurde die Bibel schon damals empfunden. Kurfürst Maximilian von Bayern entführte sie 1632 von Heidelberg nach München. Der Schwedenkönig Gustav Adolf raubte sie dann bei der schwedischen Besetzung Münchens. So gelangte das Buch nach Gotha, wo man den Folianten im 19. Jahrhundert in acht Bände auseinandernahm. Nach einer Odyssee hat das Land Bayern im Jahr 2007 die letzten fünf Bände kurz vor der Versteigerung beim Londoner Auktionshaus Sothebys aufgekauft.

Von Montag an bis zum 26. Juni werden einzelne Seiten im Kaisersaal der Bamberger Residenz zu sehen sein. Die Ausstellung ist museumsdidaktisch hervorragend gestaltet. Unsere Abbildung, auf der Jesus über dem Wasser wandelt, ist dem bereits 2008 entstandenen Erklärungsband »Die Ottheinrich-Bibel – Das erste illustrierte Neue Testament in deutscher Sprache« (Primus-Verlag, 215 Seiten, 39,90 Euro) entnommen. Die Beiträge, unter anderen von Brigitte Gullath und Udo Thorn lesen sich wie Kriminalstücke. Übrigens, das Frühneuhochdeutsch, in dem die Bibel abgefasst ist, lässt sich mit ein bisschen Geduld einigermaßen lesen.

Bis 26. Juni. Neue Residenz am Domplatz, Mo. –Fr., 9–17 Uhr, Sa. 9–12 Uhr. Eintritt frei. Katalog 29,90 Euro. Die Bibel ist im Internet vollständig zu sehen: www.digitale-sammlungen.de 

Raimund Kirch

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