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Fembohaus: Zur Anfangszeit der Kunstakademie

Blüte aus barocken Tagen - 15.05.2012 18:12 Uhr

Das großformatige Kunstwerk links ist ein Deckengemmälde von Johann Justin Preißler aus dem Jahr 1732. "Die Apotheose des Aeneas" hing in einem Haus in der Nürnberger Johannisstraße und wurde aufwändig restauriert.

Das großformatige Kunstwerk links ist ein Deckengemmälde von Johann Justin Preißler aus dem Jahr 1732. "Die Apotheose des Aeneas" hing in einem Haus in der Nürnberger Johannisstraße und wurde aufwändig restauriert. © Roland Fengler


Eigentlich spannende Fragestellungen zu einer stürmischen Zeit bilden die Grundlage der Ausstellung. Warum wurde ausgerechnet Nürnberg Ort der ersten deutschen Kunstakademie?

Und wie gelang es ihr, bis heute bestehen zu bleiben? Barocke Bilder und Skulpturen aus den Hesperidengärten geleiten im Stadtmuseum Fembohaus durch den kleinen Innenhof ins Herz der Schau: ins turbulente 17. Jahrhundert. Nürnberg war – Gemälde zeigen es – nach dem 30-jährigen Krieg stark zerstört.

Doch am 25. September 1649 fand ein Ereignis von großer Strahlkraft im Rathaussaal statt: Die einstigen Kriegsparteien waren in die Stadt gekommen, um hier ein zehnstündiges „Friedensmahl“ zu zelebrieren.

Joachim von Sandrart (1606–1688) gelang es, das Spektakel in einem opulenten Gemälde wiederzugeben, das nun im zweiten Stock des Fembohauses hängt. Die eigentliche Ausstellung über die „Die Frühzeit der Nürnberger Kunstakademie“ befindet sich im Erdgeschosses.

Wenn Sandrart für die Entwicklung der Hochschule das eine war, war der nachwirkende Ruhm der Kaiserstadt das andere. Es gab hier einen „Arbeitsmarkt“ für Künstler – auch von außerhalb. Der Auftrag, die Mächtigen beim Repräsentieren zu porträtieren, bescherte im 17. Jahrhundert manchem Maler einen guten Job. Dass Nürnberg reich war an „gebildeten“ Ständen, begünstigte das Klima zusätzlich. Die Künste gediehen da auf fruchtbarem Boden.

Unstreitbar hat Kuratorin Ursula Kubach-Reutter erlesene Schätze für die Präsentation ausgewählt – aber eben so zahlreich, dass sich die Schau selbst die Schau raubt. Es fehlt der Ausstellung an Klarheit und Luft.

Hinzu kommt, dass man ohne Lektüre des – gelungenen – Katalogs im konservatorisch bedingten Dämmerlicht leider auf ziemlich verlorenem Posten vor all den Akademie-Pionieren steht. Da mögen die Wände noch so in barockem Zinnoberrot gestrichen sein: Die Erläuterungen reichen für die Fülle an Werken nicht aus: Zu viele Porträtierte verdrehen einem den Kopf. Oft bleibt es beim Erahnen der Ahnen.

Eindeutig schält die Schau dagegen den bereits erwähnten Joachim von Sandrart heraus – der sich in das „Friedensmahl“-Gemälde ungebeten und selbstbewusst hinein malte. Er jedenfalls war eine Schlüsselfigur.

Mit der „Teutschen Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey- Künste“ (1675 u. 1697) schuf der Kosmopolit die erste deutsche Kunst-Lehr-Fibel. Von der Idee der italienischen Akademien beflügelt, rief er im Jahr 1662 dann auch in Nürnberg eine Akademie ins Leben – der zunächst aus einem kultivierten Gesprächskreis bestand. Sein Neffe Jakob von Sandrart stand ihm in diesem Zirkel bereichernd zur Seite. Mit dem parallel entstandenen, literarisch geprägten Pegnesischen Blumenorden pfelgte man guten Austausch.

Porträtkunst von Joh. D. Preißler

Porträtkunst von Joh. D. Preißler


Zur Lehranstalt wurde die Kunstakademie 1674. Was prompt einen Streit zwischen den handwerklichen Malern und den mit ihnen nun konkurrierenden „freyen Künsten“ nach sich zog. So kam in der einst freizügigen Stadt eine „Malerordnung“ zustande, die hiesige Maler zwar bevorzugte, „Virtuousen“ von außerhalb aber wenigstens ein Hintertürchen offen ließ.

Bilderreich werden in der Ausstellung neben den Werken der Sandrarts die der Künstlerfamilie Preißler gezeigt – ein Deckengemälde von Johann J. Preißler zählt dazu. Eine Vitrine zeigt das „Goldene Buch“ der Akademie; „Probestücke“ und „Meisterstücke“ sind außerdem zu vergleichen.

Mit der königlich-bayerischen Degradierung zur „Provinzialkunstschule“ nehmen die vielen Blicke in die Akademie-Frühzeit 1805 ein Ende. Weniger wären mehr gewesen.

Bis 2. Sept., Burgstr. 15, Nbg.; Di.–Fr. 10–17 Uhr, Sa./So. bis 18 Uhr. Der Katalog kostet 24,80 Euro.
  

Christian Mückl

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