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Grell durchschneiden die Blitzlichter die Nacht. Fotografen drängeln, auf der Jagd nach dem besten Bild. Fans reißen die Autogrammbücher in die Höhe. Die Stars auf dem Roten Teppich posieren. Doch der Jubel ist nicht immer so echt, wie er scheint: Für den Deutschen Opernball in Frankfurt hat die „Agentur für Atemberaubende Akzente“ aus Reichelsheim in der Wetterau mehrere Jahre lang Statisten am Roten Teppich platziert, die die VIPs mit großem Getöse empfangen sollten.
Die angeblichen Fans „waren Schauspieler oder auch Tänzer“, sagt jetzt Agentur-Chefin Petra Sanchez. „Das heißt, sie haben die Gäste begrüßt – mit Autogrammbüchern, haben Fotos gemacht und so weiter – und haben dann dafür eine Gage bekommen.“ Denn seit langem leidet der Opernball an Promi-Schwund.
Internationale Stars sind auch in diesem Jahr wieder die Ausnahme. Lediglich der britische Schlagersänger Tony Christie („Is this the way to Amarillo“) und die italienische Schauspielerin Naike Rivelli – Tochter von Ornella Muti – werden erwartet. „Die großen Weltstars kosten viel Geld“, meint Manfred Pasenau. Er veranstaltet das wegen seines Durchschnittsalters auch gerne als „Opa-Ball“ verspottete Event seit 15 Jahren.
Zu den absoluten Top-Promis 2012 zählen die Regisseure Joseph Vilsmaier und Dieter Wedel, Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick, Schauspielerin Diana Körner, Musical-Darsteller Uwe Kröger und Modedesigner Otto Kern. Engagiert ist zudem Marianne Rosenberg.
Nicht nur die Stars, auch die Demonstranten machen sich inzwischen rar. Randale bescherte dem Opernball noch vor wenigen Jahren dicke Schlagzeilen – und damit letztlich auch die Jubel-Komparsen. Denn: „Es war ganz einfach die Idee von Herrn Pasenau, irgendwann einmal zu sagen, es wäre doch schön, wenn wir die Demonstranten übertönen würden“, erinnert sich Sanchez.
Wie lange? „Mehrere Jahre en suite.“ Wie viele Statisten? „Ich sage jetzt einmal 200 Personen oder so – aus der Erinnerung heraus.“ Pasenau sieht das ganz anders. Von gekauften Claqueuren will seine Agentur nichts gewusst haben. „Wir zahlen niemanden dafür, dass er klatscht“, heißt es aus seinem Büro.
Dabei ist die Idee, bezahlte Fans an den Roten Teppich zu stellen, weder alt noch originell. Die Agentur „rent-a-fan“ aus dem fränkischen Schwabach hat sich gar auf die Vermittlung solcher Statisten spezialisiert. 8000 bis 10000 Fans sind nach Angaben ihres Eventmanagers Klaus Bernhard inzwischen in der Kartei. Auch ein Unternehmen aus Osthessen gehört zu den Kunden. Welches genau, darüber schweigt Bernhard. Denn Diskretion ist gleichermaßen Ehrensache wie Geschäftsgrundlage.
„Mieten Sie sich Ihre Fans, Ihre Gäste, Ihr Publikum, um mit absoluter Sicherheit den gewünschten Effekt zu erzielen“, wirbt das Unternehmen offenherzig. Denn gemietete Fans seien „nichts anderes als Marketing – letztlich einfach nur Werbung“, meint Bernhard.
„Auch der Opernball funktioniert wie eine Marke. Und bei vielen Marken ist die Inszenierung das A und O“, erklärt der Marketing-Professor Jörn Redler, der an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg lehrt. „Aber es ist gefährlich, sobald die Inszenierung nicht zum Konzept passt und die Authentizität der Marke untergräbt“, warnt der Experte.
Authentisch gibt sich der Frankfurter Ball jedenfalls: Eintrittskarten sind nur über eine persönliche Einladung erhältlich. „Nur Smoking. heiter, beschwingt leicht und dennoch elegant“, will er sein. „Aus dem In- und Ausland strömen die Gäste nun, um dieses besondere Flair zu erleben“, wirbt der Veranstalter auf der Internetseite.
