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Großer Erzähler: Hugo Hamilton

Die Freundschaft und ihr Preis - 23.02. 08:34 Uhr

Freundschaft kann man nicht planen, manchmal fällt sie einem direkt vor die Füße. So ergeht es Vid, der Hauptfigur in Hugo Hamiltons aktuellem Roman „Der irische Freund“: Er findet in Dublin auf der Straße ein Handy – entdeckt darauf ein Foto von der Freundin des Besitzers, ruft sie an und vereinbart, das Mobiltelefon zurückzugeben.

Seine Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft liest sich spannend wie ein Krimi: der deutsch-irische Schriftsteller Hugo Hamilton.
Seine Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft liest sich spannend wie ein Krimi: der deutsch-irische Schriftsteller Hugo Hamilton.
Foto: Luchterhand/Mike Wolff
Seine Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft liest sich spannend wie ein Krimi: der deutsch-irische Schriftsteller Hugo Hamilton.
Seine Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft liest sich spannend wie ein Krimi: der deutsch-irische Schriftsteller Hugo Hamilton.
Foto: Luchterhand/Mike Wolff

Aus der profanen Übergabe aber wird mehr: Kevin Concannon, der Besitzer, lädt Vid in eine Bar ein. Man trinkt, man quatscht, man amüsiert sich.

Wie ein Familienmitglied

Ein besonderer Abend für Vid – denn der Serbe ist erst vor kurzem aus Belgrad nach Irland gekommen und kennt kaum jemanden. Kevin scheint der ideale Kumpel zu sein: Er ist offen, hilfsbereit, sympathisch. Vid, der Bautischler, und Kevin, der Anwalt, werden Freunde. Ja, Vid wird quasi zum Familienmitglied: Er versteht sich blendend mit Kevins Freundin Helen und ist fasziniert von der Familie Concannon.

Doch es ist ein ungleiches Verhältnis, von Anfang an. Der Gefallen nach dem Mobiltelefon-Fund ist nur einer von vielen, die Vid seinem Freund erweisen wird. Denn Kevin ist eben auch brutal, untreu und rücksichtslos. Sein Verhalten hat enorme Auswirkungen auf das Leben von Vid, der zudem selbst ein dunkles Geheimnis verbirgt. Doch was kann eine Freundschaft aushalten? Darf man wegsehen, darf man verschweigen, darf man lügen – nur um weiter an der Seite seines Kumpels bleiben zu dürfen?



Hugo Hamilton, Sohn einer Deutschen und eines Iren, erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Fremden – ein eleganter Ansatz. Denn schon früher als der Ich-Erzähler ahnt der Leser, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird. Je mehr sich die Beziehung zwischen Vid und Kevin verändert, desto stärker fiebert der Leser dem Ende entgegen. Der Autor hat sein Buch als Roman angelegt. Er baut allerdings eine kaum zu ertragende Spannung auf, wie man es sonst nur von Krimis kennt.

Dazu kommt noch ein beklemmendes Gefühl der Einsamkeit, das Hamilton immer wieder grandios darstellt: Wie Vid als Fremder in seiner neuen Heimat versucht, Fuß zu fassen und regelmäßig ins Stolpern gerät. Wie Vid über die Angewohnheiten und Verhaltensweisen der Iren staunt. Wie Vid versucht, Nähe zur Familie Concannon aufzubauen versucht und immer wieder zurückgestoßen wird.

Die ideale Sofa-Lektüre für kalte Tage!

Hugo Hamilton: Der irische Freund. Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Luchterhand, 288 Seiten, 19,99 Euro.


  



Sabine Ebinger

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