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"Heutzutage sind wir doch alle Spione"

Der Schauspieler Gary Oldman im NZ-Interview - 29.01. 18:20 Uhr

Nürnberg  - Der Brite Gary Oldman, Jahrgang 1958, ist einer der renommiertesten Charakterdarsteller seiner Generation. Als wahnsinniger Dracula bei Francis Ford Coppola, pathologischer Bösewicht bei Luc Besson oder Harry Potters Patenonkel Sirius Black hat er ein Millionenpublikum begeistert. Nun wurde Oldman für seine Darstellung des Spions George Smiley in Tomas Alfredsons John-Le-Carré-Adaption "Dame, König, As, Spion" für den "Oscar" nominiert.

Nach Ansicht des Autors John Le Carré die beste Verfilmung seiner Romane: David Dencik (li.) und Gary Oldman in dem Agententhriller „Dame, Koenig, As, Spion“ von Tomas Alfredson. Der Film kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos.
Nach Ansicht des Autors John Le Carré die beste Verfilmung seiner Romane: David Dencik (li.) und Gary Oldman in dem Agententhriller „Dame, Koenig, As, Spion“ von Tomas Alfredson. Der Film kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos.
Foto: Studiocanal/dapd
Nach Ansicht des Autors John Le Carré die beste Verfilmung seiner Romane: David Dencik (li.) und Gary Oldman in dem Agententhriller „Dame, Koenig, As, Spion“ von Tomas Alfredson. Der Film kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos.
Nach Ansicht des Autors John Le Carré die beste Verfilmung seiner Romane: David Dencik (li.) und Gary Oldman in dem Agententhriller „Dame, Koenig, As, Spion“ von Tomas Alfredson. Der Film kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos.
Foto: Studiocanal/dapd

NZ: Mister Oldman, stimmt es, dass Sie kurz vor den Dreharbeiten von „Dame, König, As, Spion“ kneifen wollten, weil Sie dachten, John Le Carrés Meisterspion Smiley nicht spielen zu können?

Gary Oldman: Nun, die Dreharbeiten in Budapest hatten bereits begonnen und ich hatte einen Moment der Panik. Alec Guinness hatte den Smiley 1979 in der TV-Serie gespielt, war den Berg hinaufgestiegen und hatte ihn erklommen. Ich dachte, dass ich auf halbem Weg nach oben erfrieren würde.

NZ: Wie haben Sie Ihre Angst bezwungen?

Oldman: Es gab keinen Weg zurück, also habe ich mich selbst ausgetrickst. Smiley ist ein literarischer Klassiker. Wenn du Hamlet oder König Lear spielst, wirst du mit all jenen verglichen, die ihn vor dir gespielt haben. Also sagte ich mir: Sieh es doch einfach als eine Art Interpretation an. Nachdem ich den ersten Tag überstanden hatte, dachte ich mir: Okay, ich weiß, wie ich das spielen muss. Vielleicht kam das Lampenfieber daher, dass ich seit 15 Jahren keine Hauptrolle mehr gespielt hatte.



NZ: Waren Sie von John Le Carrés literarischen Vorlage auch so beeindruckt wie von Alec Guinness?

Oldman: Smiley war der Held von sechs oder sieben John-Le-Carré-Büchern, einige davon kannte ich. Eine so gut geschriebene Vorlage treibt einen voran. Doch obwohl wir sie gekürzt haben, hat John Le Carré gesagt, er glaube, es sei die beste Buchadaption, die es gibt.

NZ: Smiley ist das Gegenstück zu James Bond. Welchen dieser beiden britischen Agenten mochten Sie in Ihrer Jugend lieber?

Oldman: Als Teenager habe ich sehr gerne James Bond geguckt. Das war ein Ereignis, man sagte: „Waoh, der neue James Bond kommt raus!“ Heute gibt es jede Woche ein Filmereignis und dann ist es auch noch in 3D. Ich höre mich jetzt wie ein zynischer alter Sack an… Aber ab einem gewissen Alter merkt man, dass James Bond mit dem richtigen Leben nichts zu tun hat. Genau wie wenn man entdeckt, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, dass Mama und Papa die Geschenke kaufen. Dann sitzt man im James Bond und sagt sich: Das ist unmöglich, dass der aus dem Auto herauskommt – jedenfalls nicht lebend! (lacht)

NZ: A propos „früher war alles besser“: Finden Sie, dass der Kalte Krieg die besseren Spionage-Geschichten geschrieben hat?

Oldman: Damals, ja. Heutzutage ist das Spiel ein anderes: Wir sind wir doch alle Spione, oder? Wir fotografieren Menschen und nehmen sie auf und hacken uns in ihre Computer ein. Es ist ja klar, dass der Cyberspace die Welt der Spionage verändert hat. Die Paranoia verbreitet sich heutzutage einfach schneller. Und es erreicht im Handumdrehen (schnippt mit den Fingern) sehr viele Orte. Damals waren Spione Männer mittleren Alters, die Tweed trugen, Tee tranken und Zigaretten rauchten und über das Schicksal bestimmten. Damals waren sie die Paranoiden.

NZ: John Le Carré hat ja auch einen ganz kurzen Auftritt, wo er mit den britischen Spionen die sowjetische Nationalhymne singt und offensichtlich Spaß hat…

Oldman: Auf jeden Fall. Er war aber schlecht im Playback-Singen! (lacht) Und dabei sollte er doch den Text eigentlich kennen! Außerdem mochte er auch den Vorschlag des Regisseurs, einen Weihnachtsmann als Lenin verkleidet zu haben. Denn viele britische Spione konnten ja Russisch. Auch emotional funktioniert die Szene in ihrem weiteren Verlauf. Deshalb gefällt Le Carré diese Adaption so sehr, weil wir, auch wenn wir Szenen wie die Weihnachtsfeier dazu erfunden haben, dem Geiste des Buches treu geblieben sind.

NZ: Sie spielen nicht so viele romantische Komödien...

Oldman: Man hängt immer von den Autoren, der Filmindustrie und den Casting-Direktoren ab. Aber immerhin haben mich ja Regisseure wie Christopher Nolan in „Batman“ oder Tomas Alfredson als Guten besetzt. Aber ich bin kein typischer romantischer Held.

NZ: Andererseits würde man bei einer Schauspielerin wie Meryl Streep auch nicht denken, dass sie die „Eiserne Lady“ spielen kann…

Oldman: Oh, Meryl Streep war toll als Thatcher! Ich finde es nur schade, dass bei einer Frau, die so viel erreicht hat, der Film so ausführlich ihre Demenzerkrankung behandelt.

NZ: Bewundern Sie Margret Thatcher?

Oldman: Ja. Ich war zwar nicht immer mit ihrer Politik einverstanden, aber dass sie in so einer männerdominierten Arena an die Spitze gelangt ist, finde ich phänomenal. Ich habe sie einmal getroffen, sie war sehr charismatisch. (Macht Thatchers Stimme und Akzent nach.) Und in diesem Sinne verlasse ich Sie nun… (Winkt majestätisch und geht ab.)
  



Fragen: Kira Taszman

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