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Hören, wie der Osten tutet und bläst

Das Bardentreffen-Programm nimmt Gestalt an - 20.06.2013

Da hat man noch Töne: Die bärenstarke Gypsy-Blaskapelle Mahala Rai Banda aus Rumänien wird beim Bardentreffen spielen.

Da hat man noch Töne: Die bärenstarke Gypsy-Blaskapelle Mahala Rai Banda aus Rumänien wird beim Bardentreffen spielen. © PR/Projektbüro Stadt Nürnberg


Neuland für Neugierige, Abenteuer für die Ohren. „Wir waren verblüfft, wie viel Länder an diesem Längengrad liegen“, räumte Kulturreferentin Julia Lehner gestern ein. Baltikum, Weißrussland und die Ukraine berühren die beim Bardentreffen angestrebte „Route 24“ ebenso wie Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Griechenland. Aber der Reihe nach: Bereits einen Abend, bevor die eintrittsfreie „Fahrt“ durch fremde Musiklandschaften am 26. Juli beginnt, wird ein anderes Spektakel am Hauptmarkt das große Freiluft-Festival einläuten. Anlässlich des aktuellen Richard-Wagner-Jahres kündigte die Kulturreferentin eine Querverbindung zum Bardentreffen an: Gemeinsam mit dem Staatstheater ist ein Auftritt verschiedener Nürnberger Chöre geplant, die auf der großen Bühne vor dem Rathaus den dritten Teil von Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ intonieren.

Vielschichtiges Programm

Mitsingen ist auch im Publikum erlaubt. Rund 200.000 Besucher wurden bei den Festivals der vergangenen Jahre gezählt, und selbst wenn nicht alle die Stimme erheben, ermöglicht die Veranstaltung doch einen gewaltigen Chor. Wie hören sich dann die Stimmlagen mit Ostklang an? Mit den Balkandisco-Versionen eines Shantel hätten die eingeladenen Bands wenig gemein, versicherte Programmmacher Karl-Heinz Fischer gestern. Tatsächlich ist das Programm vielschichtig – und so tanzbar wie lebensfroh. Das beginnt beim Tango Orkestri Unto aus Helsinki, einer Gruppe, die mit finnischer Nationalmusik die nordischen Grenzen überschreitet, und geht mit dem Wahl-Fürther Plattenladenbetreiber und Musiker Martti Trillitzsch weiter. Mit seinem Projekt „The Church of the Blue Nun feat. Mäkkelä“ verbindet er Franken und Finnland.

 




Dass sich etwas südlicher die Esten 1991 von der Sowjetunion regelrecht frei musizierten und mit ihrer „Singenden Revolution“ Geschichte schrieben, macht nicht minder neugierig auf Künstler wie die Geschwister Johansonid. Sie spielen Folk. Und diesen wiederum dürfte dann der Kosakenstil des Ethno Trio Troitsa prächtig kontrastieren. Von der Musik einmal abgesehen, sollen lange Bärte ein Kennzeichen dieser weißrussischen Kapelle sein. Polen ist mit der Warsaw Village Band beim Bardentreffen vertreten und aus der Ukraine nimmt das Gesangsensemble Dakha Brakha den weiten Weg auf sich, deren Performance Programm–Macher Fischer „fast mit einer Theateraufführung“ vergleicht. Klanglich gehe es zwischen traditioneller Volks- und Weltmusik hin und her.

Filmkunst und Soundgröße verbinden die Bulgaren Kottarashky & The Rain Dogs: Im Bandtitel zitieren sie Tom Waits, zu Wort kommen bei ihnen auch schon mal Tiere: So sollen in der Spielstätte Kulturgarten Filmloops von Schafen zu sehen sein, während auf Bauernhöfen aufgenommene Klang-Loops die Musik ergänzen.

Was man sich unter der „neuen Stimme Ungarns“ vorstellen darf, wird die Weltmusikerin Agnez Herzcku vorführen. Griechenland ist unter anderem durch Greekadella vertreten, die es 2012 an die Spitze der World-Music-Charts schafften. Rumänien? Rau und reizvoll: Mit Oriental-Pop der Gypsy-Blaskapelle Mahala Rai Banda und Liebesliedern von Oana Catalina Chitu. Ja, auch namenstechnisch ist das Bardentreffen ein Aufbruch ins Abenteuerland.
  

Christian Mückl (Nürnberger Zeitung)

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