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Normalerweise geht man von drei, ja im besten Fall sogar vier Jahren Vorlauf aus, die eine substanzielle und qualitativ hochwertige Inszenierung von Wagners nicht nur monumentalem, sondern vor allem geistesgeschichtlich und philosophisch hochkomplexem Weltendrama brauchen. Jetzt sind es gerade mal noch zwei Jahre, bis die Endproben im Jahr 2013 beginnen, ein Kandidat für einen unterschriftsreifen Vertrag ist zumindest der Öffentlichkeit nicht bekannt, und wer die beengte Bayreuther Probenbühnensituation kennt, weiß, dass sich unter diesen Umständen aufwändige oder gar technisch innovative Regieentwürfe nicht mehr realisieren lassen.
Als der Dramatiker Tankred Dorst nach der Absage Lars von Triers bei Hügel-Patriarch Wolfgang Wagner – dem Vater der beiden Halbschwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier – einsprang und als Opernregiedebütant den „Ring“ auf die Bühne des Festspielhauses wuchtete, war das Ergebnis ziemlich konventionell und geistig wie inszenatorisch nur unzureichend durchdrungen. Einen zweiten „Ring“-Flop in Folge kann sich Bayreuth nicht leisten, zumal nicht wenige große Opernbühnen der Welt ebenfalls mit aufwändigen „Ring“–Projekten das Wagner-Jubiläumsjahr begleiten.
Ungeachtet der akuten Zeit- und womöglich Geldnot, wäre für Wagners Tetralogie sowieso eine künstlerische Handschrift jenseits der üblichen Regiestars wünschenswert. Die Idee, einen Filmregisseur zu engagieren, bewegt sich letztlich immer noch im Fahrwasser von Wolfgang Wagners damaligem Coup, Patrice Chéreau für den „Ring“ zu engagieren. Doch das war 1976...
Noch ein Wort zu Wim Wenders: Der sagte dem Vernehmen nach, er wolle nicht eineinhalb Jahre Lebenszeit für eine Operninszenierung opfern, sein Filmprojekt zum „Ring“ war ihm offensichtlich wichtiger – natürlich sollte es, wie zurzeit „Pina“, wieder in 3D sein.
Doch Oper ist schon 3D, Herr Wenders, und Wagners „Ring“ hat noch viel mehr Dimensionen. Deshalb haben die Wagner-Schwestern richtig entschieden, das Festspielhaus von Wenders nicht zu einer Art besserem Filmstudio herabwürdigen zu lassen – und dieses Projekt auch noch zu finanzieren. Der Zauber einer Operninszenierung speist sich aus anderen Quellen – ob diese der Opern-Debütant Wenders erschlossen hätte, darf, nach all seinen Äußerungen zu dieser Materie, ernsthaft bezweifelt werden.
