Falsch war das nicht. Wer bislang nur die Kulturreferentin kannte, den Bildenden Künstler Moll aber kaum, für den kam die Verleihung der städtischen Kulturförderpreise wahrscheinlich einem Schlüsselerlebnis gleich. Gleiches ließ sich aber auch umgekehrt sagen. Während Lehner betont akademisch die Kultur zu referieren versuchte, indem sie vom „kulturellen Erlernen ästhetischer Kompetenz“ in der Schule sprach, gab Moll sich lieber frank und frei.
Was seine musikalische Früherziehung betraf, führte er etwa ein Lied namens „Den Bubblsong“ an. Als Praktikumsstelle vor dem Kunststudium nannte er den „Tod von Forchheim“. Freilich sah es dann aber doch so aus, als habe Moll die ästhetische Kompetenz-Kurve noch gekriegt: Sonst hätte sich der selbsternannte „Weltanschauungsbeauftragte“ mit seinem wunderbar trockenem Humor ja wohl kaum den Förderpreis im Wert von 2500 Euro verdient!
Was das unterhaltsame Gelingen des Abends betraf, fiel Moll, dieser barocke Berg von einem Künstler, jedenfalls schwer ins Gewicht.
Als flotte musikalische Klammer des Programms wiederum hatten in der Tafelhalle die Indie-Rocker „The Great Bertholinis“ fungiert. Wobei die Bezeichnung „Bertho-Lärmis“ der Lautstärke der Förderpreisträger wohl ebenfalls gerecht geworden wäre. Dieser achtköpfigen Truppe, die spielfreudig mit dem Balkan-Pop flirtet und laut Selbstauskunft so gerne als wilde Horde ungarischer Musikanten durchginge. Nur: Kämen sie tatsächlich aus der Puszta, wären auch die 2500 Euro Stipendium aus Nürnberg dahin.
Außerdem hätten die „Bertholinis“ dann nicht mit dem versierten Weltmusik-Duo „JuNo“ auftreten dürfen, was ebenfalls schade gewesen wäre. Mit 5000 Euro durften „Ju“ Jurij Kravets und „No“ Norbert Nagel dann nach Hause gehen bzw. weiter durch die Welt, denn sie erhielten einen Förderpreis. Thomas Viewegh vom Bayerischen Rundfunk, der den Abend souverän moderierte, konnte Norbert Nagel neben den Tönen sogar noch ein paar Bekenntnisse entlocken. Zum Beispiel, warum dieser zum Musikstudium damals ausgerechnet in Nürnberg blieb? Die Antwort des gebürtigen Oberpfälzers: „Hier haben sie Sie zu mir gesagt.“
Dass Sebastian Manz für seine Klarinettenkünste ein enormes Echo erhält, hat nicht nur sein Sieg bei der „Echo“-Preisverleihung als „Nachwuchskünstler“ gezeigt. Auch ein Nürnberg-Stipendium wird den 25-Jährigen nun bestärken, der gemeinsam mit seinem Vater am Flügel Kostproben seines Könnens gab.
Mit ungewohnten Tönen erfüllte wiederum Florian Tuercke die Tafelhalle; der Klangkünstler übertrug die Verkehrsgeräusche der Äußeren Sulzbacher Straße in die Halle – nicht ohne manchen Autofahrer, der sich vor einer Radarfalle wähnte, zum Bremsen zu animieren. Man kann sagen: Das „Stipendium“ hat er sich dafür verdient.
So wie Frieder Weiss den Förderpreis, das ist unbenommen: Als Ingenieur in den Künsten bezeichnet er sich. Etwas weniger Abstraktion wäre jedoch mehr gewesen, was seine Beweisführung mittels Wandprojektion betraf. Andererseits hat sogar schon Popstar Kylie Minogue seine Kunst, Bewegung und Klang zu paaren, genutzt: also gab es zwischen Maly, Moll & Co. auch ein Minogue-Video.
