|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Am lautesten in dieser leisen Ausstellung ist noch das Ausrufezeichen, das den Titel benennt: „Zeichnung!“. Aber einerseits haben die vier Künstler in der Nürnberger Galerie Bernsteinzimmer ja was vorzubringen. Und andererseits fängt mit dem Ausrufezeichen ja bereits eine Zeichnung an: als langer Strich mit Punkt.
Mit Strichen bringt zum Beispiel Eva-Maria Wawatschek auf Teebeutelchen kleine Szenen auf den Punkt: Vom Galgenmännchen bis zur Peep-Show-Tänzerin und von der Entenfamilie bis zum Klu-Klux-Clan. Kitzliges steckt im Detail. „Masern, Mumps und Röteln“ etwa heißt ein gerahmtes Blatt, das auf den ersten Blick eine Figur zu zeigen scheint, die sich den roten Pullover auszieht: Tatsächlich ist es stark gerötete Haut.
In „Genitalpause“ wiederum führt Wawatschek einen Mann vor Augen, dem in der Körpermitte ein Fliegenpilz wächst. Und ihre Arbeit „Drahtseilakt“ steht als Kunstobjekt aus Strommasten-Fotos, Drähten und ausgeschnittenen schrägen Vögeln auf dem Türrahmen. „Mich interessieren Massen, Wucherungen und Ansammlungen“, gesteht die Zeichnerin, die zudem bildhauerisch tätig ist. Dass solche Ansammlungen alsbald aus echten Menschen bestehen, die in ihre feinen Kunstwerke starren, ist der Mittzwanzigerin nur zu wünschen.
Eun Hui Lee wurde zwar 1975 in Seoul geborenen, aber in Nürnberg hinterlässt sie kreative Spuren – sowie schwarzes Frauenhaar. Die wohl am malerischsten zeichnende Künstlerin der Gruppenschau ist frei genug, zum Beispiel die Form ihrer Füße zu porträtieren, ein Dusch-Sieb dazu – um dieses dann mit Echthaar zu garnieren.
Überhaupt landen schon mal Relikte aus der Realität im Bild – die tote Fliege auf ihrer Farbzeichnung einer Tomatensuppe ist ebenfalls echt. Lee zeigt mit spielerischer Lust perspektivische Querverbindungen. Sie reichen vom mächtigen Hinterteil einer Ruhenden auf dem gestreiften Teppich bis zum Kugelkopfmensch, der als Caspar-David-Zitat die Sonne anhimmelt.
Als unerschrockener Tausendsassa bereichert Martin Fürbringer (Jg. 1971) die Kulturszene mit seinen Aktionen als „Weltanschauungsbeauftragter“, beim Projekt „Betrunken Wählen“ oder in der Boygroup „Fast zu Fürth“. Was er derweil zeichnerisch betreibt, reicht von der Kuscheltierskizze bis zur philosophischen Bedienungsanleitung einer „Ideallandschaft“. Laut Selbstbezichtigung ist es „narrativ, kitschig, kindisch und akademisch“. Ein fein gearbeites Glasgravurbild namens „Zweilauf“, das ein Pärchen bei den Vorbereitungen zu einem Einlauf zeigt, hat er ebenfalls prächtig hinbekommen.
Am expressivsten geht der Bildhauer Kai Klahre in seinen Bleistiftzeichnungen zur Sache, es sind Menschenporträts, denen eine nervenstrangdurchpulste Wucht innewohnt. Die massiven Holzrahmen herum sind da schon gut. Filigraner ist die Ton-Miniatur eines Menschleins, das reptilienartig aus dem Mauerspalt der Galerie linst. Auferstanden aus dem Blatt Papier: ausgezeichnet aufgezeichnet.
Eröffnung diesen Sonntag, 17 Uhr. Galerie Bernsteinzimmer, Großweidenmühlstr. 11, Nürnberg; bis 18. März, Sa./So. 15–19 Uhr.
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mi. 18.04.12
Di. 17.04.12
Do. 12.04.12
Do. 29.03.12
Mo. 26.03.12