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Neue Songs von Leonard Cohen

Politische Töne sind auf diesem Album passé - 26.01. 18:27 Uhr

Heute erscheint das neue Album von Leonard Cohen – und überrascht. Es gibt gute Ideen und schlechte. Ob es von Vorteil ist, wenn ein 77-jähriger Sänger seine neue CD "Old Ideas" nennt, sei deshalb erst mal dahingestellt.

Die Liebe und ihre Vergänglichkeit im Blick: Leonard Cohen, 77, veröffentlicht heute mit seinem neuen Album "Old Ideas" ein atmosphärisch starkes Alterswerk.
Die Liebe und ihre Vergänglichkeit im Blick: Leonard Cohen, 77, veröffentlicht heute mit seinem neuen Album "Old Ideas" ein atmosphärisch starkes Alterswerk.
Foto: Yann Orhan
Die Liebe und ihre Vergänglichkeit im Blick: Leonard Cohen, 77, veröffentlicht heute mit seinem neuen Album "Old Ideas" ein atmosphärisch starkes Alterswerk.
Die Liebe und ihre Vergänglichkeit im Blick: Leonard Cohen, 77, veröffentlicht heute mit seinem neuen Album "Old Ideas" ein atmosphärisch starkes Alterswerk.
Foto: Yann Orhan

Gut, einem in Würde ergrauten Leonard Cohen ist wohl Narrenfreiheit zuzugestehen. Wenngleich: Bei seinen vergangenen Studio-Alben ging der Schuss leider nach hinten los. So folgte zwar nach seinem spirituellen Alm-Abstieg vom kalifornischen Mount Baldy, nach Jahren im Zen-Kloster, eine beachtliche künstlerische Wiedergeburt.

Diese ging freilich mit der Notwendigkeit einher, wieder Geld zu verdienen: Denn da hatte tatsächlich so ein lausiger Mitarbeiter Cohens Altersvorsorge bis aufs Äußerste verprasst, während der Künstler derweil sein Innerstes leider auch nicht erblickt hatte.

Dass sich der kanadische Frauenschwarm von diesem Schockerlebnis in die Obhut jüngerer Damen flüchtete – die ihm offenbar bis heute zu Füßen liegen – sah man ihm nach.



Blöd nur, dass es sich dabei um die Musikerinnen Sharon Robinson und Anjani Thomas handelte. Die beiden schafften es unter dem großzügigen Einsatz von Synthesizern und ähnlicher Kosmetik, die beseelte Lyrik auf „Ten Songs“ (2001) und „Dear Heather“ (2004) dermaßen erkalten zu lassen, dass einem die Ohren froren. Als Rettungsring fungierten erst zwei Welttourneen, die Cohen mit Musikern aus Fleisch und Blut bestritt – gottlob. Wenn der Sänger mit tiefer Stimme nun zum Auftakt des neuen Albums vom unkostümierten Nachhausekommen singt, klingt das wie Erlösung.

Wie überhaupt Rettung nahte: Anjani und Robinson mischten diesmal nur noch von der Ersatzbank aus mit; dafür überrascht „Old Ideas“ als magisches Alterswerk, das Atmosphäre und Authentizität verströmt. Ja, und neben der Vielzahl „echter“ Instrumente erhielt gar Cohens Akustikgitarre wieder mal eine Chance bei den zehn Stücken: So kammermusikalisch-konzentriert kam der Meister schon lange nicht mehr zu Wort.

„Zeig mir die Stelle, wo die Welt zum Mann wird, die Stelle, wo das Leiden beginnt“, heißt es in „Show me the Place“: Cohens Lyrik bleibt prägnant. Kein anderer könne das Wort „nackt“ so sinnlich singen, wie dieser Kanadier, lautet eine Behauptung. Dass sein Bariton heute einem brüchiger Brummton gewichen ist, nimmt diesem Reiz nichts.

Politische Töne, wie zum Beispiel auf seinem Album „The Futuer“ (1992) sind passé, allein die Liebe ist dem Sänger noch Anstoß zu Texten von großer, dunkler Wucht und Weitsicht: Dass es vom Himmelbett der Geliebten bis zum Hades nicht mehr weit sein könnte, bleibt nicht außen vor.

Der Sänger, gealtert, im Garten sitzend, dahinter sein Schatten, davor der einer Frau: Bereits das Covermotiv zu „Old Ideas“ greift die feine Spur der Vergänglichkeit auf, die wiederholt anklingt. Es gibt keine Unschuld mehr zu verlieren, doch Sehnsucht lauert geduldig wie ein Tier: „Wenn der Schmutz des Fleischers im Blut des Lammes gereinigt wurde, sprich noch mal zu mir“.

Manchmal sind es beinahe biblische Bilder, die Cohen findet. Für die Verlockungen der Liebe, die absurd ist, doch Verstecke verheißt. Bis zum unvermeidlichen Blick ins eigene Gesicht: „Ich bin alt und Spiegel lügen nicht.“ 



Christian Mückl

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