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Nürnberg sucht den idealen Konzertsaal-Standort

Neue Vorschläge bei den Grundstücken für eine Opern-Ausweichspielstätte - 06.02.2013 10:46 Uhr

Nürnberg  - Rund wie der Postbau beim Hauptbahnhof oder eckig wie die Meistersingerhalle? Im Westen der Stadt oder am Ostring, bei der Tafelhalle, beim Hauptmarkt oder doch sogar am Plärrer? Vorschläge für den Standort eines neuen Konzertsaals gibt es zurzeit reichlich. Mit höchst unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.

Auch wenn nach außen hin alles ruhig wirkt, wird derzeit hinter den Kulissen eifrig am einem Nutzungs- und an einem Trägerkonzept für jenen Saal gefeilt, der erst drei Jahre lang Ausweichquartier für die Opernsparte des Staatstheaters und danach ein Konzertsaal werden soll. Unabhängig davon wird innerhalb der Stadt an einem runden Tisch auf Verwaltungsebene nach einem geeigneten Standort gesucht; einige neue Grundstücke sind ins Spiel gekommen, andere scheinen kaum mehr eine Chance zu haben. Die NZ gibt einen Überblick.

Der Post-Rundbau


Der Post-Rundbau an der Ecke Bahnhofstraße/Allersberger Straße.
Der Post-Rundbau an der Ecke Bahnhofstraße/Allersberger Straße.
Foto: Harald Sippel, Michael Matejka
Der Post-Rundbau an der Ecke Bahnhofstraße/Allersberger Straße.
Der Post-Rundbau an der Ecke Bahnhofstraße/Allersberger Straße.
Foto: Harald Sippel, Michael Matejka

Seit mehreren Jahren wird das markante Gebäude an der Ecke Bahnhofstraße/Allersberger Straße von der Post nicht mehr genutzt. Erst seit kurzem liegt für das 8700 Quadratmeter große Grundstück der Entwidmungs-Bescheid des Eisenbahn-Bundesamtes vor, das die Planungshoheit über das Gelände besaß. Vorteil dieses Standorts wäre die zentrale Lage mit urbanem Flair. Als schwierige, aber reizvolle Aufgabe dürfte sich die Einbeziehung der denkmalgeschützten Fassade und des Treppenhauses in einen architektonischen Entwurf erweisen.

Bilderstrecke zum Thema
Der alte Postbau am Nürnberger Bahnhof steht seit 18 Jahren leer. Nun darf der Immobilien-Verwerter Aurelis Real Estate das 8.000 Quadratmeter große Grundstück erstmals Interessenten präsentieren. Ein Rundgang durch das historische Gebäude.



Die Meistersingerhalle


Die Meistersingerhalle
Die Meistersingerhalle
Die Meistersingerhalle
Die Meistersingerhalle

Gerade weil die vor 50 Jahren eröffnete Halle immer wieder wegen ihrer schlechten Akustik in der Kritik steht und weil bei ihr ebenso wie im Opernhaus umfassender Sanierungsbedarf besteht, könnte ein Erweiterungsbau in mittlerer Größe (rund 1400 Sitze) das gesamte Objekt entscheidend ergänzen und aufwerten. Immerhin handelt es sich dabei um den größten Konzertsaal in Nordbayern. Der Standort ist deshalb beim Publikum bestens eingeführt. Andererseits müsste für die neue Halle zumindest ein Teil der Parkplatzfläche geopfert werden. Deshalb könnte erst der aufwändige Bau einer Tiefgarage unterhalb der neuen Halle nötig werden.


Das Museum Industriekultur

Hinter dem Gebäude befindet sich in Richtung Pegnitz und Dr.-Gustav-Heinemann-Straße eine Freifläche, bei der sich die Stadt ein Vorrecht für kulturelle Nutzung eintragen hat lassen. Ein Teil des Grundstücks ist auch für Wohnbebauung vorgesehen, deshalb wäre eine Änderung des Flächennutzungsplans notwendig. Wegen der benachbarten Tafelhalle wäre auch dieser Konzertsaal-Standort beim potenziellen Publikum bereits bekannt. Es müssten auch nicht ein bereits vorhandener Baubestand integriert werden, allerdings ist auch auf diesem Gelände die Parkplatzsituation als schwierig zu beurteilen.

Das Quelle-Gelände

Der größte leerstehende Gebäudekomplex Süddeutschlands im Stadtteil Muggenhof böte reichlich Platz, allerdings ist der Sanierungsbedarf der Bausubstanz enorm, das Gelände steht unter Zwangsverwaltung, und nur bei einem Erwerb per Zwangsversteigerung vom derzeitigen Eigentümer Credit Suisse dürfte den rund 150 Zwischennutzern, deren Mietverträge bis Ende 2017 laufen, gekündigt werden. Die Universität Erlangen-Nürnberg zeigt auch Interesse an dem Gelände, als Standort für einen Wissenschafts-Campus. Trotzdem gilt das Quelle-Gelände als der favorisierte Konzertsaal-Standort von OB Ulrich Maly. Ob ein Konzertsaal dazu dienen könnte, den strukturschwachen, an Fürth angrenzenden Stadtteil aufzuwerten, ist ebenso fraglich wie die Akzeptanz dieses Standorts bei den (Konzert-)Veranstaltern.

Die Parkfläche gegenüber der Nürnberger Versicherung

An der Kreuzung Ostend- und Cheruskerstraße befindet sich gegenüber dem Gebäude der Nürnberger Versicherung eine Freifläche, die im Moment für Parkplätze genutzt wird. Hierzu soll es das Angebot der Nürnberger Versicherung geben, sich an der Errichtung eines Konzertsaals finanziell zu beteiligen oder diesen Bau sogar federführend zu errichten – eventuell in Form eines Public-private-partnership-Modells, also einer Mischfinanzierung aus öffentlicher Hand und Privatwirtschaft. Hans-Peter Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Nürnberger Versicherungsgruppe, ist schon seit Jahren als engagierter Kulturmäzen, vor allem im Bereich Oper und klassische Musik, bekannt. Besonders die Internationalen Gluck-Festspiele sind mit seinem Namen verbunden.

Der Augustinerhof

So attraktiv die Idee eines Konzertsaals im Herzen der Altstadt auch auf den ersten Blick erscheinen mag, so schwierig sind die Rahmenbedingungen. Die Grundstücksfläche ist mit rund 5500 Quadratmetern ziemlich klein, der Bebauungsplan ermöglicht kein übermäßiges Bauen in die Höhe, weshalb der Konzertsaal zu einem Teil unterirdisch angelegt werden müsste. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Pegnitz und in sumpfigen Gelände wäre das ein aufwändiges und teures Verfahren. Gleichwohl steht Immobilienentwickler Gerd Schmelzer, dessen Alpha-Gruppe die Eigentümerin des Grundstücks ist, der Konzertsaal-Diskussion „völlig offen“ gegenüber und betont, dass der Konzertsaal eine historische Chance für die Stadt sei.

Das Volksbad

Der Dauerbrenner unter Nürnbergs Problem-Immobilien war bereits für verschiedenste Nutzungen im Gespräch, zuletzt abwechselnd als Standort für ein arabisches bzw. fränkisches Museum. Denkmalschutz, hoher Sanierungsaufwand und schwierige akustische Verhältnisse dürften die schwerwiegendsten Hindernisse für eine zügige und auch kostengünstige Umgestaltung zu einem Konzertsaal sein.

Diese Vorschläge sollen bis Ende Februar soweit gesichtet und überprüft sein, dass die städtische Arbeitsgruppe ein vorläufiges Ergebnis vorlegen kann, welches dann in die vom bayerischen Kunstministerium finanzierte Machbarkeitsstudie einfließen soll. Auch die politische Standort-Diskussion wird spätestens dann Fahrt aufnehmen.
  

Thomas Heinold


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