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NZ: Sonja, Sie haben vor kurzem einen wichtigen europäischen Newcomer-Preis erhalten, der Bands grenzüberschreitenden Erfolg voraussagt. Wie ordnen Sie diese Auszeichnung ein?
Sonja Glass: Wir fühlen uns extrem geehrt. Ich habe immer geglaubt, das wäre ein Preis für Bands, die schon länger dabei sind. Wir stehen aber ja erst ganz am Anfang und dachten, wir hätten die Voraussetzungen dafür noch gar nicht erfüllt. Aber mittlerweile ist wirklich Interesse aus sehr vielen Ländern da.
NZ: Nachdem Sie die Herzen der deutschen Musikfans im Sturm erobert haben folgt nun also Europa?
Glass: Richtig, unser Album erscheint jetzt nach und nach auch in Ländern wie Frankreich, England, Polen oder den Niederlanden. Das ist einfach der Wahnsinn!
NZ: Weil es sich unwirklich anfühlt?
Glass: Absolut, das ist alles sehr surreal. Es geht auch so unglaublich schnell, dass man kaum noch mitkommt.
NZ: Wenn Ihnen jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass Sie ein sehr erfolgreiches Debütalbum haben und ein Zusatzkonzert nach dem anderen geben werden, was hätten Sie geantwortet?
Glass: Ich hätte es einfach nicht geglaubt. Ich dachte immer, dass unsere Musik in Deutschland überhaupt nicht funktionieren würde, weil es englischsprachige Bands hier nun mal sehr schwer haben. Deswegen sind wir vom Erfolg auch extrem überrascht und wurden vom Ausmaß überrollt.
NZ: Wann haben Sie gemerkt, dass die Erfolgswelle richtig ins Rollen gekommen ist?
Glass: Es gab keinen bestimmten Punkt, sondern es war eher ein stetiges, sehr schnelles Wachsen. Jetzt spielen wir sogar auf der Berlinale und man denkt immer: Besser geht’s doch gar nicht mehr. Aber dann kommt doch noch was obendrauf und so dürfen wir nun im Sommer sehr schöne Festivals spielen.
NZ: Wie funktioniert denn Boy auf einem Festival?
Glass: Eine gute Frage, da bin ich selbst auch schon sehr gespannt. Wir sind ja ruhiger als die durchschnittliche Rockfestival-Band. Die Erfahrung wird es zeigen.
NZ: Bleiben bei dieser schnellen Entwicklung auch Dinge auf der Strecke?
Glass: Ja, ich bedauere, dass wir im Moment nicht genug Zeit zum Schreiben neuer Songs haben, obwohl wir total Lust dazu hätten. Das ist schade und das vermisse ich, genauso wie freie Zeit für einen selbst.
NZ: Was war Ihr bisher schönstes Erfolgserlebnis?
Glass: Unsere allererste Tour im Herbst, als wir merkten, dass 600 Leute bei einem Konzert unser Lied „Drive Darling“ mitsangen. Das war unglaublich schön, vor allem weil da so viele Mädchen so schön gesungen haben, dass es einen wirklich sehr berührt hat.
NZ: Mussten Sie auch schon die Kehrseite des Erfolgs kennenlernen?
Glass: Manchmal liest man Sachen, die man so eigentlich gar nicht gesagt hat.
NZ: Bevor Sie auf Grönland Records, dem Label von Herbert Grönemeyer, gelandet sind, wurden Sie von einigen Plattenfirmen abgelehnt. Empfinden diesen gegenüber heute Genugtuung?
Glass: Nein. Wir sind ja nur bei Grönland gelandet, weil die Suche nach einem Label so lange gedauert hat. Wenn uns jemand früher genommen hätte, hätten wir das ja verpasst. Ich bin froh, dass wir nicht woanders untergekommen sind. Ich finde das völlig legitim, wenn eine Plattenfirma sagt, eine Band passt nicht zu ihr.
NZ: Sie waren früher als Akustik-Duo unterwegs, jetzt begleitet Sie live eine ganze Band. Was hat sich dadurch verändert?
Glass: Wir klingen viel lauter und nicht mehr so abgespeckt. Wir versuchen live aber beides zu machen, daher spielen wir auch ein paar Stücke nur zu zweit. Wir sind froh, dass wir diese beiden Seiten zeigen und somit vielseitiger auftreten können.
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12