|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
NZ: Haben Sie schon den neuen Til-Schweiger-Hit „Kokowääh“ gesehen?
Dominik Graf: Ne (lacht).
NZ. Wollen Sie ihn noch anschauen?
Graf: Nein. Früher hätte ich ihn vielleicht angeschaut, aber da gab es einfach weniger Filme. Und einen Film, der über vier Millionen Besucher zieht, hätte man sich selbstverständlich angeschaut, um zu sehen: Wie schafft der das? Aber heutzutage, mit diesem Tsunami an Filmen, der in die Kinos rollt, ist das kaum noch möglich. Manchmal bleibe ich hilflos vor dem Kinoprogramm stehen – und gehe dann überhaupt nicht. Man hat, weil andere Filme ins Spätprogramm geschoben werden, auch nicht mehr so ein Zutrauen zu den Filmen, die vier Millionen Zuschauer machen. Sie sind auch meistens ziemlicher Käse. Und der Käse setzt sich durch. Wenn so viel angeboten wird, kann nur das relativ Einfache Erfolg haben.
NZ: Sehen Sie eine gewisse Ironie darin, dass Sie, ursprünglich als Kino-Regisseur angetreten, zwar vor genau einer Woche den renommierten Fernseh-Grimme-Preis bekommen haben, am Abend der Deutschen Filmpreisvergabe (siehe Text links) in einem Kino in Nürnberg sitzen?
Graf: Die ganze deutsche Filmakademie-Welt, die die Preise vergibt, ist ja so ein Raumschiff, das über dem Rest der Branche schwebt. Manchmal kommen da Leute die Leiter ’runter, und manchmal steigt man die Leiter hoch, wenn man, so alle fünf, sechs Jahre, wieder einen Kinofilm gemacht hat und wird wieder nominiert; aber bei dem Output, den ich habe und auch haben will, braucht ein Kinofilm bei mir einfach zu viel Zeit für eine Finanzierung – wenn es überhaupt eine gibt. Da mache ich dann halt doch lieber drei Polizeithriller für’s Fernsehen, wenn ich mit den Autoren arbeiten kann, die ich mag.
NZ: Sie scheinen sich gut im Fernsehformat eingerichtet zu haben, ohne darüber zu jammern, dass Sie ja eigentlich Kinofilme machen wollen. Was schätzen Sie an der Arbeit für das Fernsehen?
Graf: Ein Vorteil ist die schnelle Übereinkunft mit den Geldgebern. Es ist möglich – wie früher übrigens auch beim Kinofilm –, an einem einzigen Abend zu entscheiden, ob ein Film gemacht wird oder nicht. Das ist bei meiner ungeduldigen Art des Arbeitens eigentlich notwendig – und das inspiriert mich auch. Das Langsame, das Abwägen, das Noch-35000-Mal-Umschreiben – das zieht sich alles wie ein Endlos-Pfannkuchen dahin. Ich bin auch kein Regisseur, der unbedingt dieses oder jenes Thema verfilmen möchte. Ich möchte arbeiten, ich möchte Filme machen, am liebsten Genre-Filme – und dafür suche ich mir den Maulwurfsgang, der mich dorthin bringt. Es reden einem beim Fernsehen auch viel weniger Leute ’rein, weil viel weniger bei der Entscheidung dabei sind. Das ist eine wesentlich kürzere und klarere Sache und erspart eine Menge Reibungsverlust beim kreativen Arbeiten. Kino zu machen, Kino zu denken macht heute keinen großen Spaß mehr.
NZ: Stimmt der Eindruck, dass gerade die Zuschauer in Deutschland nur die Story der Filme, nicht aber seine Machart interessiert?
Graf: Ich sehe es eher so: In den 80er und 90er Jahren ist das Massenpublikum bei dem, was ihm gefällt, wieder zur Normalität zurückgekehrt. Dahin wo es auch in den 40ern und 50ern war. Und man kann ja auch gängige Filme machen – und zwar gut machen oder blöd machen. Mir persönlich geht es weniger um die Themen als vielmehr um eine vollkommene Art, in der Figurenzeichnung, um Radikalität auch in der Gewalt, in der Erotik, auch im erzählerischen Wurf. All das hat auch das US-Kino in den 60er/70er Jahren und vorher schon die Nouvelle Vague ausgezeichnet. Und diese Art, den Ball bei jedem Film so hoch zu werfen, ist irgendwann abhanden gekommen.
NZ: Wo sehen Sie sich selbst im deutschen Kino?
Graf: Zwischen allen Stühlen. Am Anfang habe ich mal mit Bernd Eichinger gearbeitet. Da konnte ich noch gar nichts, hatte aber den Eindruck erweckt, ich könnte was. Das wurde dann auch ziemlich chaotisch (lacht)
NZ: Schielen Sie manchmal neidvoll auf den Oscar Ihrer Frau Caroline Link?
Graf: Also, das hat mich wirklich nie interessiert. Ich könnte so einen Film gar nicht drehen. Wenn ich mir die Liste der Ausland-Oscars so anschaue – das ist absolut nicht meine Denkwelt, nicht meine Erzählwelt. Aber ich finde es toll, schon weil ich sehe, welche Türen sich dadurch öffnen. Meine Generation hatte eher das Bewusstsein, der Oscar sei doch was Verstaubtes, Lächerliches, mit den Figuren, die da meistens oben standen.
