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Robert Mitchum im Filmhaus

Wenn die Flügel brechen - 09.02. 17:36 Uhr

So habe ich mir Raymond Chandlers Romandetektiv Philip Marlowe beim Lesen immer vorgestellt: Durch die Schlitze seiner Jalousien schaut er unendlich müde auf die korrupte und mörderische Teufelsstadt Los Angeles. Und genauso hat ihn Robert Mitchum 1975 in Dick Richards’ Chandler-Verfilmung "Fahr zur Hölle, Liebling" gespielt. Das heißt: Mitchum spielte ja nicht. Er war auf der Leinwand. Und er wirkte – wodurch auch immer.

Berühmt für seine hängenden Augenlider: Robert Mitchum.
Berühmt für seine hängenden Augenlider: Robert Mitchum.
Foto: Filmhaus
Berühmt für seine hängenden Augenlider: Robert Mitchum.
Berühmt für seine hängenden Augenlider: Robert Mitchum.
Foto: Filmhaus

Robert Mitchum war einer der Körper Hollywoods in seiner großen Zeit. Zwischen 1942 und 1995 hat er in weit mehr als 100 Filmen mitgewirkt – und hat das eigentlich nie als Arbeit begriffen, denn als Landstreicher und am Fließband hatte er in seiner Jugend erfahren, was richtige Arbeit bedeutet. Die große Zeit der Filmstudios aber waren die 40er und 50er Jahre. Damals funkelten einige Stars über dem Hollywood-Boulevard, die immer sie selbst zu sein schienen und das Publikum dennoch faszinierten. John Wayne, Humphrey Bogart und eben Robert Mitchum gehören dazu.

Zynisch, gescheitert – doch es gibt noch Träume

Mitchum verkörperte meist die Typen mit den gebrochenen Flügeln. Er schien dem Handbuch des Existentialismus entstiegen zu sein: gescheitert, um trotzdem weiterzumachen. In dem Schwarzen Krimi „Goldenes Gift“ von Jacques Tourneur (1947) führt diese Haltung geradewegs in die Katastrophe. In Charles Laughtons „Die Nacht des Jägers“ (1955) und J. Lee Thompsons „Ein Köder für die Bestie“ (1962) ist Mitchums Charakter ins absolut Böse umgeschlagen, und die Gemütsruhe in seinem Gesicht wirkt wie der krasseste Zynismus in einer ohnehin zynischen Welt.



Aber man darf mit Mitchum manchmal auch davon träumen, dass es doch noch gut gehen könnte. In Otto Premingers Western „Fluss ohne Wiederkehr“ (1954) vor allem. Der Wirkungsdarsteller trifft auf die Method-Actrice Marilyn Monroe – eine spannende Begegnung. Und schließlich der melancholische Abgang zweier erratischer Leinwand-Monumente in „El Dorado“ von Howard Hawks (1966). John Wayne und Robert Mitchum säuberten die bedrohte Western-Stadt gerade noch einmal von Gaunern. Alt geworden und angeschlagen wanken sie auf Krücken in die Abblende.

Robert Mitchum hat von 1919 bis 1997 gelebt. Das Filmhaus zeigt eine Reihe mit acht seiner schönsten Filme, mit acht der schönsten Filme Hollywoods. Sie beginnt heute um 19.15 Uhr mit „Die Nacht des Jägers“.
  



Herbert Heinzelmann

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