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Schumann nachlässig, Prokofieff entschlossen

Münchner Philharmoniker im Meisterkonzert - 20.02. 19:43 Uhr

Statt Radu Lupu kam Mikhail Mordvinov: Der aus Moskau stammende Pianist (Jahrgang 1977) übernahm beim Auftritt der Münchner Philharmoniker im Meisterkonzert am Sonntag in der Meistersingerhalle den Solopart für den erkrankten Rumänen. Manchmal können solche kurzfristig notwendig gewordenen Umbesetzungen auch künstlerischen Ertrag bringen, doch bei Schumanns a-Moll-Konzert, dem bekanntesten und beliebtesten Klavierkonzert der Romantik, war das leider nicht der Fall.


Pianist mit flinken Fingern

Während die Münchner Philharmoniker unter der zupackenden Leitung des aus Griechenland stammenden Teodor Currentzis die ersten Akkorde des Kopfsatzes mit energischer Wucht intonierten, wählte Mordvinov eher den sanften Weg: Mit flinken Fingern und geschmeidig-beweglicher Virtuosität gestaltete er seinen Part, fand dabei aber weder zu der nötigen Ausdruckstiefe noch zu einem aussagekräftigen Dialog mit den solistisch agierenden Instrumenten der Münchner.

Gerade die schnellen Läufe klangen bei Mordvinov oft verhuscht, die Balance verschob sich dadurch zugunsten des Orchesters, das seine Passagen eher kantig und grell musizierte. Die Philharmoniker vergröberten, der Solist verkleinerte Schumanns Entwurf, das Ergebnis war unbefriedigend. Selbst bei technischen Selbstverständlichkeiten, wie dem Übergang vom Andantino grazioso zum Allegro Vivace, gab es Abstimmungsprobleme. An der Oberfläche blieb Mordvinov auch bei Schumanns „Arabesque“, der Zugabe.

Ihre Qualitäten stellten die Münchner Philharmoniker bei Prokofieffs 7.Sinfonie unter Beweis: Das Werk, das die Schlichtheit von aus der russischen Folklore entlehnten Motiven mit der instrumentalen Macht eines großen Orchesterapparats konfrontiert, entwickelte unter Currentzis enorme Sogkraft. So wurde Prokofieffs sinfonisches Vermächtnis zu einem klingenden Symbol für die brutal voranschreitende Gesellschaftsmaschinerie der Stalin-Zeit. Industrialisierung, Zwangskollektivierung, Terror: Da wirken der Walzer des Allegretto wie eine akustische Kostümierung, die Melancholie des Andante wie schwermütige Verzweiflung. Und die volkstümlichen oder fernöstlichen Motive der Ecksätze geraten unter die Räder eines erbarmungslos voranstürmenden, aber dabei sehr präzise und plastisch agierenden Orchesters.

Weniger zwingend gelang am Beginn des Abends John Adams’ „The Chairman Dances“ – ein aus der Oper „Nixon in China“ entlehnter, grotesker „Foxtrot for Orchestra“. Hier merkte man Currentzis auch noch am stärksten an, dass er durch ein akutes Rückenleiden in seiner Beweglichkeit beeinträchtigt war. 



Thomas Heinold

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