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"Skulptur!" in der Kunstgalerie Fürth

Anspielungen, die aus der Rolle fallen - 23.05.2012 18:20 Uhr

Die Ausnahme: Hier zeigen Norbert Kleinlein und Heike Kleinlein zwei Gemeinschaftsarbeiten. Sonst gehen sie kreativ getrennte Wege.

Die Ausnahme: Hier zeigen Norbert Kleinlein und Heike Kleinlein zwei Gemeinschaftsarbeiten. Sonst gehen sie kreativ getrennte Wege. © H.–J. Winckler


Das Satzzeichen ist wichtig. Der Punkt autonomisiert die beiden Namen. „Skulptur! Heike Kleinlein. Norbert Kleinlein“ heißt die Schau – denn zwei unterschiedliche Positionen sind zu sehen. Dass ihre Schöpfer – zufällig, oder nicht – beide 1945 geboren und sein langem verheiratet sind, mag Spuren beim jeweils anderen hinterlassen haben. Dennoch schöpft in der Ausstellung jeder aus seinem eigenen, markanten Formenvokabular.

Das Material soll sprechen. Manches „spricht“ verhangen – wie Norbert Kleinleins mit transparentem Kunststoff überdeckte vier Stühle, die wie Tänzer mit angezogenen Beinen an der Wand hängen. „Dazwischen das Schweigen“ heißt dieses Werk. Anderes ist statt verhangen eher verhängnisvoll: „Die Geschichte der ...“ heißt die betreffende Arbeit, für die der Schweinfurter Bildhauer, der auch malt, erneut auf das feuerresistente Extremmaterial Vulkolan zurückgegriffen hat, um eine Konsole zu bedecken.

Gut möglich, dass der Werktitel auf den sadomasochistisch durchdrungenen Skandalroman „Die Geschichte der O“ anspielt. In Kleinleins Installation gehen harte Materialien wie eine schwere Eisenplatte oder archaisch anmutende Kupfergefäße ein Wechselspiel mit weicheren Bestandteilen ein. Eine „Raumzeichnung“ zählt dazu, bei der eine Schnur in Halskettenform unter einem Stück geschmeidigen Vulkolan liegt.

Norbert Kleinlein hat fast schon mystisch anmutende Ecken in der Galerie gestaltet. Ein Stockwerk höher legt der Künstler mit seiner Abstraktion einer Art Metzgersgarderobe samt blutfarbenen Vulkolanschürzen und Fleischerhaken einen weiteren eindringlichen Beleg dafür ab, wie er es versteht, mit simplen, doch materialträchtigen „Hinweisen“ eine Geschichte zu erzählen, die unter die Haut geht.

Dass sich Heike Kleinlein von der Bindung an das Kunsthandwerk bei ihrer Arbeit mit Ton nicht erst frei- schwimmen musste, ist auch ihrer ungewöhnlichen Techik geschuldet: Statt wie sonst üblich mit einer Töpferscheibe zu arbeiten, wählt die Autodidaktin den entschleunigten Prozess des Schichtens und Formaufbaus per Hand.

Wie sie Naturasche von Baum- und Rebhölzern in die Glasur einbringt, verleiht es den Objekten individuelle Färbung. Manche ihrer doppelwandigen Hohlkörper erinnern an Schnabelwesen, andere an nickende Kugelkörper. Allesamt sind es Charakterformen, die im guten Sinne aus der Rolle fallen.

Bis 6. Juni; Kunstgalerie Fürth, Königsplatz 1; Mi.–Sa. 13–18 Uhr, So. 11–17 Uhr.
  

Christian Mückl

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