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Sühne auf der Bühne?

Aschermittwoch der Künstler - 27.02.2009

Der Aschermittwoch der Künstler wurde als Begegnungsmöglichkeit von Kirche und Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg begründet. Heute findet er in über hundert Städten weltweit statt – so auch im Caritas-Pirckheimer-Haus.

Schuld ist seit jeher eine zentrale theologische Kategorie. In der Spielzeit 2008/09 stellt das Staatstheater Nürnberg diese Frage in den Mittelpunkt und präsentiert unterschiedliche Stücke, welche den Themenbereich Schuld und Sühne, Vergeltung und Vergebung, Verantwortung und Rechtfertigung beleuchten. «Der Spielplan ist alles andere als ein Zufall. Wir sind am ehemaligen Reichsparteitagsgelände zugange. Da drängen sich die Themenkreise Schuld und Sühne zwangsläufig auf», sagt Kathrin Mädler.

Ist das Theater nun eine frivole oder eine moralische Anstalt? Die Dramaturgin ist sich sicher: «Wir müssen amoralisch sein. Das Drama braucht den Fehler. Das Theater braucht die Tat. All die großen Psychopathen von Lady Macbeth bis Arturo Ui sind beim Publikum die beliebtesten Gestalten.» Theater offenbare, was sein kann, nicht was sein darf. Es müsse sich einmischen und provozieren, eine Lösung aufzeigen könne es nicht.

Anschließend spielten Jochen Kuhl und Pius Maria Cüppers eine Szene aus «Speer» von Esther Vilar. Ein Stück über die Abwesenheit von Ethik und Verantwortung. Der Bamberger Erzbischof zeigte sich davon beeindruckt. «Hier wird die gesamte Argumentationspalette verwendet, um sich aus der Schuld herauszuwinden», erklärte Ludwig Schick. Theater und Kirche nähmen sich nichts weg, sondern würden an einem Strang ziehen. Doch man müsse klar bemängeln, dass die Sühne in der katholische Kirche etwas zu lax gehandhabt werde. Kollektive Schuld bestehe bei Genoziden, wie es sie vor nicht allzu langer Zeit in Afrika oder im Kosovo gab. Hier gebe es keine Versöhnung ohne Sühne. Einen Wunsch äußerte Schick am Ende: «Die Kunst muss Dinge noch klarer fassen. Sie ist ein Seismograph der Gesellschaft.»

Auch Klaus Kusenberg war am Aschermittwoch der Künstler nicht gewillt, den Schmusekurs zwischen Theater und Kirche zu stören. Weder für Sühne noch für Vergebung, sagte der Schauspieldirektor, sei das Theater zuständig. Es gebe jedoch Aufführungen, die man als Sühne empfinde. Während seiner Zeit im Ausland habe er erkannt, dass der Deutsche in Bezug zum Nationalsozialismus immer eine Verantwortung besitze. Und diese sei vollkommen unabhängig vom eigenen Geburtsdatum.

«Wir sind letztendlich in einem Boot. Kunst und Religion sollen sich nicht mehr anfeinden, sondern dafür sorgen, dass die Welt nicht untergeht», lautet Kusenbergs versöhnliches Fazit. suse 



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