|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Die Zweit-Auflage dieser Problem-Produktion kann sich nun zumindest im besten Sinne hören lassen. Denn Bayreuths großer Wagner-Star Christian Thielemann hat die musikalische Leitung übernommen und kehrt bei der Premiere am Samstag flugs die Verhältnisse um: Lenkte 2011 das szenische Gewusel vieler Statisten auf stets offen bleibender und auch in den Pausen bespielter Bühne von der meist gedämpft und zurückhaltend klingenden Musik ab, so dirigiert Thielemann nicht nur, sondern führt regelrecht Klangregie: Er hat in den Proben wohl so energisch in szenische Abläufe eingegriffen, dass er und Baumgarten angeblich kein Wort mehr miteinander reden.
Thielemann formuliert mit der Musik jene Konflikte, die auf der Bühne meistens unscharf bleiben. Bereits das Vorspiel umreißt und entwickelt das doppelte Außenseitertum Tannhäusers zwischen Venusberg und Wartburggesellschaft. Feinste instrumentale und motivische Staffelungen lassen spüren, wie tief diese Widersprüche reichen.
Im Sängerwettstreit formuliert Thielemann die melodischen Linien der Kontrahenten so plastisch wie Charakterbilder; religiöse Innigkeit schenkt er den Gebeten der an ihrer Liebe zu Tannhäuser verzweifelnden Elisabeth; herrliche, aus ihrer inneren Kraft leuchtenden Steigerungen erfahren die hervorragenden Pilgerchöre.
Von Baumgartens Grundidee, Sex und religiös-gesangliche Erbauung als zwei Formen von Triebabfuhr in einem autonom funktionierenden Gesellschaftskreislauf zu integrieren, ist nicht viel übriggeblieben.
Die mächtigen bunten Bottiche der Biogasanlage des holländischen Künstlers Joep van Lieshout haben so gut wie keine Funktion mehr, weil sie von den Statisten nicht mehr bedient werden. Die Sänger agieren ohne Bezug zu diesen Platz fressenden Gerätschaften auf relativ engem Raum in der Bühnenmitte.
Doch ob nun der Streit zwischen Tannhäuser und Venus, die Auseinandersetzung der Minnesänger oder das eifersüchtige Begehren Wolframs für Elisabeth, die er dann in die Biogasanlage einschließt, um danach mit Venus das „Lied an den Abendstern“ zu singen: Baumgarten verzichtet weitgehend auf die ursprünglich als wichtig formulierte Absicht, dass die Sänger Standardgesten vermeiden sollen.
Nein, jetzt bewegt sich alles ziemlich konventionell. Und lebt durch die Musik. Hervorragend agierte Camilla Nylund als innig glühende Elisabeth, Michelle Breedt gab eine stimmstark eigenwillige Venus, überzeugend Günther Groissböck als Landgraf Hermann sowie Michael Nagy als Wolfram. Torsten Kerl, der in der Titelpartie die Nachfolge von Lars Cleveman antrat, blieb stimmlich oft zu eng und nasal. Der ideale „Tannhäuser“ ist das noch nicht. Die Reaktion des Publikums war brutal: Jubel für die Sänger, frenetischer Beifall für Thielemann, aber eine Buh-Druckwelle gegen Baumgarten. Dessen Inszenierung ist nur noch ein Schatten ihrer selbst.

|