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Tanz-Theater der Generationen in Fürth

Ein buntes Kaleidoskop der Erinnerungen - 20.05.2012 17:01 Uhr

Wenn mehrere Generationen an einem Tanz-Theater-Projekt arbeiten, wird die Vergangenheit plötzlich wieder lebendig.

Wenn mehrere Generationen an einem Tanz-Theater-Projekt arbeiten, wird die Vergangenheit plötzlich wieder lebendig. © Thomas Langer


„Wenn ich mir was wünschen dürfte...“ heißt der daraus entstandene kreative Bilderbogen, der bei jedem Zuschauer individuelle Erinnerungen und Emotionen hervorruft. Die Idee zu dieser Begegnung der Generationen stammt von Jutta Czurda, der künstlerischen Leiterin des „Brückenbaus“, die zusammen mit dem Theaterpädagogen Johannes Beissel das Projekt intensiv begleitet hat.

Die Regisseurin und Choreografin Jean Renshaw hat all diese Lebenserinnerungen zu einer vielfältigen Collage verwoben. Die wunderbaren Memoire-Miniaturen wurden von Mitwirkenden aus dem Projekt Brückenbau ausdrucksstark in Tanz, Gesang und Spiel umgesetzt. Beachtlich das kreative Potenzial der ambitionierten Laiendarsteller. Die Protagonisten nähern sich mit ihrem Tanz fremden Lebensgeschichten an, verkörpern die vielen Facetten dieser Erinnerungen und lassen die Bilder lebendig werden.

Die Requisiten bestehen aus dem Mobiliar der 1940er Jahre: Ehebett, Nachtkästchen, Kleiderschrank, Badewanne mit Füßen, Sessel mit geblümter Stehlampe. Dazu passend die typischen braunen Hemdblusenkleider aus dieser Zeit. Lebenshöhepunkte und bedeutsame Ereignisse wie das erste Verliebtsein, Hochzeit, Reise nach Italien oder auch der Abschied vom Partner werden thematisiert. Besonders witzig der „Eintänzer“, der charmant lächelnd zu der schnulzigen „Himmelblauen Serenade“ die lange Reihe der erwartungsvollen Damen abtanzt. Auf der Bühne passiert so vieles gleichzeitig, auch noch begleitet und projiziert von der Live-Kamera – da musste man schon multitaskingfähig sein, damit einem nichts entging.

Bekannte Volks-, Kirchen- und Schlaflieder sowie Schlager aus den 50er-Jahren, dazu klassische Gedichte von Rilke, Mörike und Goethe, bilden die Grundlage des Geschehens. Sie wecken ganz eigene Empfindungen bei den Zuschauern, stimmen mal heiter, mal wehmütig oder traurig

wie etwa Eichendorffs „Mondnacht“ – einfühlsam gesungen von dem gerade verstorbenen, einzigartigen Liedinterpreten Dietrich Fischer-Dieskau. Und immer wieder ist das Ticken einer Uhr zu hören, die an das unerbittliche Verrinnen der Zeit erinnert.

Welch ungeheuren Reichtum an Erinnerungen und Erfahrungen das Alter bietet, wurde bei diesem Theaterprojekt deutlich. Was wünscht sich die Generation „80+“? Vielleicht einfach, dass ihre Erinnerungen an das Erlebte nicht verlorengehen. Den Menschen, die hier einen Teil ihrer ganz persönlichen Lebensgeschichte geschenkt haben, wurde mit diesem bunten Kaleidoskop etwas ganz Wunderbares zurückgeschenkt. 

Michaela Höber

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