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Trips, Träume & trockener Mund

Hans Söllner im Serenadenhof - 16.07.2012 17:18 Uhr

Nürnberg  - Entwarnung: Hans Söllner trat im Serenadenhof weder so splitternackt auf, wie ihn die Konzertplakate zeigten, noch war er so fett geworden, wie die Bilder annehmen ließen. Und auch seine Haare wehten nach der Kahlrasur fürs Foto längst wieder im Bühnenwind. Was nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass auch ein ewig auf dem Rasta-Rebellen-Ticket reisender Treibauf altern kann.

Neben Sprüchen über die Führerscheinstelle im Landratsamt oder die Vorzüge der Beckenbodengymnastik sang Hans Söllner "Edeltraud, du host so guatn Stoff obaut".
Neben Sprüchen über die Führerscheinstelle im Landratsamt oder die Vorzüge der Beckenbodengymnastik sang Hans Söllner "Edeltraud, du host so guatn Stoff obaut".
Foto: Stefan Hippel
Neben Sprüchen über die Führerscheinstelle im Landratsamt oder die Vorzüge der Beckenbodengymnastik sang Hans Söllner "Edeltraud, du host so guatn Stoff obaut".
Neben Sprüchen über die Führerscheinstelle im Landratsamt oder die Vorzüge der Beckenbodengymnastik sang Hans Söllner "Edeltraud, du host so guatn Stoff obaut".
Foto: Stefan Hippel

Als Söllner die Bühne des Serenadenhofs betrat, verfiel er erst einmal in Plauderstimmung. Das war gerade so, als hätte er versehentlich das komödiantische Jäckchen seines Kollegen Georg Rings-gwandl übergezogen, wobei er stattdessen seine Reggae-Uniform, Trainingsjacke und Schlabberjeans, trug: Dass er sich jetzt immer etwas verspäte, weil er vor dem Auftritt noch pinkeln gehe, was in seinem Alter eben etwas länger dauere, war zu erfahren.

Beckenbodengymnastik betreibe er aus demselben Grund die ganze Zeit, er habe das auf einem dieser Esoterik-Seminare gelernt, wo all die Frauen mittleren Alters hingingen – aber in Anbetracht seiner 55 Jahre seiem ihm jetzt auch schon „40-Jährige“ Recht.


Wenigstens die Lizenz zum Kichern hatte Söllner also die Polizei noch nicht abgenommen und Heiterkeit erschien beim Auftritt durchaus nicht als der schlechteste Weg, mit dem Faltigwerden umzugehen.

Außer, dass er ab und zu in die Schule müsse, um bei den Lehrern seiner Kinder vorzusprechen, oder auf dem Landratsamt wegen seines Führerscheins, erlebe er eh nichts mehr, posaunte der gelernte Koch und Mechaniker dann weiter hinaus. Und den Klartext, den er seinen Kindern immer vorgelebt habe, den sprächen sie heute mit ihm, nach dem Motto: Wir haben jahrelang zu deinen Gerichtsprozessen mitfahren müssen, jetzt fährst du gefällig zu unseren mit.

Überdachte man Söllners Konzert hinterher noch einmal, waren es vor allem die Sprüche, die hängen blieben. Natürlich profitiert der Mann, der kein Blatt vor den Mund zu nehmen schien, wohl aber über die Trockenheit in seiner Kehle und seiner Sehnsucht nach dem nächsten „Zug“ informierte, immer noch vom Habitus des Kiffer-Königs. Musikalisch ging es dagegen vorhersehbar zu, wenn Söllner mit ledriger Heiserkeit zur Akustikgitarre seine bajuwarischen Protestsongs (mit zuweilen überholten Namen wie Stoiber, Blair und Bush) und traurigen Liebeslieder anstimmte, nur von Schlagzeug und Bass umspült.

Dass ihm durchaus hörenswerte Zeilen gelangen, etwa über das Zurückgelassenwerden beim Erlöschen einer Beziehung, ging vor lauter Publikums-Getratsche leider unter. „Der Geist ist frei“ erreichte da schon eher die Adressaten, die vor allem ein Stück so bejubelten, als käme Bob Marley persönlich nochmal auf einen Joint vorbei: „Edeltraud, du host so guaten Stoff obaut.“ 

Christian Mückl


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