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Unbarmherziger Samariter

Omar Jussufs dritter Fall - 02.04.2010

Der palästinensische Geschichtslehrer Omar Jussuf löst seinen inzwischen dritten Fall in Nablus, das sich als heißes Pflaster herausstellt. Diesmal geraten die Leser in die Schusslinie zwischen den fundamental-islamischen Hamas-Leuten und der Fatah-Partei, die über lange Jahre hinweg das Westjordanland und Gaza dominiert, ach was: unterjocht hat. Mittlerweile ist der Machtbereich der bis in alle Glieder korrupten Fatah nur noch auf die Westbank beschränkt. Doch die vom Iran unterstützte Hamas wird auch dort stärker und stärker.

Arafats Millionen

Omar Jussuf, der eigentlich nur Hochzeitsgast ist, wird wieder einmal und wider Willen Zeuge eines Verbrechens, das zutiefst mit der Geschichte des Landes, seinen alten Sünden und den skrupellosen Ausbeutern des eigenen Volkes zu tun hat. Dabei lernen wir den bis auf wenige hundert Mitglieder zusammengeschrumpften Stamm der Samaritaner kennen, aus dem einst auch der barmherzige Samariter des Neuen Testaments stammte. Zur Gedächtnisstütze: Der samaritische Kaufmann rettet einen unter die Räuber geratenen Mann, nachdem ein jüdischer Priester und ein Levit achtlos an diesem vorübergegangen waren.

Die Samaritaner folgen einer eigenständigen Tradition, sie haben ihre Riten und Feiern, die Rees gekonnt mit einarbeitet, wobei wir lernen, dass sie nicht immer nur barmherzig sind – im Gegenteil.

Alles beginnt mit dem Mord an einem Mitarbeiter des im Jahr 2004 verstorbenen Palästinenserführers Jassir Arafat; dessen Name jedoch nie explizit fällt, stets ist nur vom »Alten» die Rede. Bekanntlich hat Arafat Hilfsgelder aus der ganzen Welt für sich und seine Familie abgezweigt. Um dieses Geld ringen drei Parteien, die sich nichts schenken und vor keinem Mord zurückschrecken.

Und dazwischen ermittelt der alternde, stets schwitzende Omar Jussuf in einer Mischung von Columbo und Monk. Wir lernen, wie der Kaffee serviert wird und wie man Höflichkeitsfloskeln im Nahen Osten austauscht. Wir lernen aber auch, wie sehr diese Weltgegend in innere Konflikte verstrickt ist und wie gering die Chancen auf einen Frieden in einem Land sind, das schönfärberisch den Beinamen »das Heilige» trägt.

Vier weitere Fälle soll der Geschichtslehrer Omar Jussuf noch lösen, so plant es Matt Beynon Rees. Wer die sieben Bücher dereinst gelesen hat, darf sich mit gutem Gewissen als Nahostkenner einstufen. Raimund Kirch

Matt Beynon Rees: Der Tote von Nablus. Aus dem Englischen von Klaus Modick. Verlag C. H. Beck, 335 Seiten, 18,95 Euro.  

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