13°C

Montag, 21.04. - 11:58 Uhr

|

Wolf Sakowski in der Galerie «Bernsteinzimmer»

Kühne Abstraktionen und klarer Schnaps - 05.03.2010

Wer seinen Bildern humorfrei begegnet, ist selber schuld: Wolf Sakowski stellt in der Galerie Bernsteinzimmer aus.

Wer seinen Bildern humorfrei begegnet, ist selber schuld: Wolf Sakowski stellt in der Galerie Bernsteinzimmer aus. © Sippel


Insbesondere Kasimir Malewitsch, dem Vorreiter der abstrakten Kunst und der Konstruktivisten, hat Sakowski einige Bilder gewidmet. So kommentiert er etwa Malewitschs berühmtes «Rotes Quadrat». «Malewitsch hat dem Bild eigentlich den Titel ,Malerischer Realismus einer Bäuerin in zwei Dimensionen’ gegeben», erklärt Sakowski: «Da kann ich nur Ironie vermuten.»

Also führt Sakowski Malewitschs Titel bildlich vor Augen: Er hat das Bild einer Spielfigur-Bäuerin neben eine Kopie des «Roten Quadrats» gehängt. «Bei mir ist alles Zitat», sagt der 59-Jährige verschmitzt. «In meiner Arbeit vermische ich sämtliche Epochen neuerer Kunstgeschichte.»

Und er geht sogar noch einen Schritt weiter: Er stellt Malewitschs kunstgeschichtliche Bedeutung infrage, indem er in Friedrich Fröbel, dem Vater des Kindergartens, den Erfinder des Konstruktivismus erkennt!

Fröbel hat laut Sakowski Baukästen für Kinder entwickelt, in die er Papierstreifen legte. Die Kinder konnten die Papierstreifen spielerisch aneinander legen. Das Ergebnis waren Formen, die den Bildern der Konstruktivisten ähneln. Sakowskis Bild «Erfindung des Konstruktivismus» verweist auf diesen schöpferischen Akt: Es zeigt einen Jungen, der mit bunten Papierstreifen spielt.

Andere Objekte im Bernsteinzimmer bedienen sich weniger der Kunstgeschichte als den räumlichen Begebenheiten der Altbau-Galerie. In einem Loch in der Wand stehen zwei umgedrehte Schnapsgläser mit aufgemalten Blindenpunkten. «Klar sehen» heißt das Objekt. Einen weißen Wandschrank hat der Künstler mit einem giftgrünen Kreuz versehen und ihn auf diese Weise als Anti-Erste-Hilfe-Kasten in seine Ausstellung integriert. Ein Hauch von Ironie durchzieht Sakowskis gesamtes Werk. «Auch wenn der Ansatz ernsthaft ist, meine Arbeiten sind nicht ganz humorfrei», schmunzelt der Künstler. Einem zentralen Ansatz der abstrakten Malerei bleibt er aber trotz aller Ironie treu: «Es ist dem Betrachter überlassen, welche Bedeutung ein Bild für ihn hat.» Eike Schamburek

Sakowskis «Volles Programm» wird am Samstag, 6. März, um 17 Uhr eröffnet (Großweidenmühlstr. 11). 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Captcha

Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.