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Zum Tod des Malers Antoni Tapies

Die Spuren des Suchenden - 07.02. 17:53 Uhr

Ich habe noch immer nicht jenes Werk geschaffen, das mir vorschwebt", bekannte Antoni Tapies kurz vor seinem Tod. Der spanische Künstler, einer der berühmtesten globalen Vertreter der abstrakten, der informellen Kunst, war bis zuletzt auf der Suche.

Malerei auf Tuch-Fühlung: Antoni Tapies vor einem seiner Werke in Barcelona. Auch im Neuen Museum Nürnberg befinden sich zahlreiche Arbeiten des Katalonen, darunter mehr als 200 Druckgrafiken. Sie gehören zu einer Privatsammlung.
Malerei auf Tuch-Fühlung: Antoni Tapies vor einem seiner Werke in Barcelona. Auch im Neuen Museum Nürnberg befinden sich zahlreiche Arbeiten des Katalonen, darunter mehr als 200 Druckgrafiken. Sie gehören zu einer Privatsammlung.
Foto: dpa
Malerei auf Tuch-Fühlung: Antoni Tapies vor einem seiner Werke in Barcelona. Auch im Neuen Museum Nürnberg befinden sich zahlreiche Arbeiten des Katalonen, darunter mehr als 200 Druckgrafiken. Sie gehören zu einer Privatsammlung.
Malerei auf Tuch-Fühlung: Antoni Tapies vor einem seiner Werke in Barcelona. Auch im Neuen Museum Nürnberg befinden sich zahlreiche Arbeiten des Katalonen, darunter mehr als 200 Druckgrafiken. Sie gehören zu einer Privatsammlung.
Foto: dpa

Nach der Wahrheit. Dem Sinn des Lebens. Und revolutionären Werken. Nun starb der in Barcelona vor 88 Jahren geborene Tapies in seiner katalanischen Heimatstadt.



Seine Bilder hängen in den großen Museen der Welt. In Barcelona zeigt die Tapies-Museums-Stiftung sein Lebenswerk.

Materialschlacht im Bunker-Atelier

Der Autodidakt und verkrachte Jurastudent traf im Laufe seines kreativen Lebens mit Pablo Picasso und Juan Miro zusammen, jenen Vorreitern der modernen spanischen Kunst, die er bewunderte und die ihn beeinflussten.

Nur mit seinem berühmten Landsmann Salvador Dali, der sein Atelier nur anderthalb Autostunden von Barcelona entfernt hatte, verstand er sich nicht: Dali male doch „wie ein Schüler“, meinte er einmal.

Sein Atelier in seinem Werkstatt-Haus in Barcelona glich einem Bunker. Ohne Fenster, mit Kunstlicht, vollgestopft mit Leinwänden und Materialien, die er in seine Bilder hineinmischte. Erde, Sand, Draht, Pappe, Holz, Eisen, Strümpfe, Schuhe – Fundstücke von der Straße, die für ihn den Alltag, das banale Leben symbolisierten.

In vielen Werken des vom Buddhismus inspirierten Tapies tauchen zudem geheimnisvolle Symbole auf: Zahlen, Buchstaben, Wörter, Kreuze, Linien, Kreise. „Tapies lädt zum Spielen und zum Denken ein“, sagt ein Freund, der katalanische Schriftsteller Pere Gimferrer.

Während der spanischen Franco-Diktatur (1939–1975), in der Tapies’ katalanische Kultur und Sprache brutal unterdrückt wurden, protestierte der Künstler mit seinen Bildern gegen das Unrechtsregime. Seine verbotene Kultur verteidigte er mit Symbolen und Wörtern, etwa im Werk „Der katalanische Geist“.

Er nahm an konspirativen Versammlungen der verfolgten Opposition teil. 1970 wurde er verhaftet, kurz darauf wieder freigelassen. Auch später, in der spanischen Demokratie, erhob er immer wieder seine Stimme gegen Intoleranz, für Freiheit und Menschenrechte.

Im Alter wurden seine Bilder kahler und reifer. Er wolle sich „auf das Wesen, auf das Wichtigste“ konzentrieren“, erklärte er diese bildnerische Nacktheit. Im Mittelpunkt solle nur noch das stehen, was er „Wahrheit“ nannte. „Ich weiß, dass es keine letzte Gewissheit gibt.“ Aber indem er versuche, seine eigene Interpretation des wahren Lebens zu finden, versuche er wenigstens, „etwas Nützliches für die Gesellschaft zu tun“.

Bis kurz vor seinem Tod arbeitete der 88-Jährige noch in seiner Werkstatt – bis zum letzten Atemzug. Ihm zitterten bereits die Hände. Er hörte schlecht, sah auch nicht mehr gut. Bewegte sich mit einem Krückstock und am Arm seiner Frau Teresa. Trotzdem werkelte er am liebsten auf dem Fußboden. „Da fühle ich mich freier“, bekannte er.

Die Kunst, für die er lebte, war für den nachdenklichen Tapies stets eine Art Therapie, um glücklich und zufrieden zu sein. Er formulierte es einmal so: „Die Kunst hat heilende Eigenschaften für den Körper und für die Seele.“ 



Ralph Schulze

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