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NZ: Kennen Sie den deutschen Spruch: „Du gehst mir auf den Wecker“?
Anne: Auf französisch sagt man eher „il me tape sur le système“, also „jemand hämmert mir ins System.“ Vielleicht, weil sich mancher Franzose selbst für ein Gerät hält, für eine Maschine und womöglich für einen Wecker.
NZ: Auf Deutsch bedeutet der Spruch, jemanden zu nerven. Wie kamen Sie auf die Idee,
mit Weckern eine Kunst-Performance zu machen?
Anne: Wir haben mal zufällig mitbekommen, wie mehrere Wecker gleichzeitig klingelten. Das hat uns erstaunt. Statt panisch den Ausschaltknopf drücken zu wollen, fanden wir Gefallen daran und wollten das noch länger hören.
Aurélie: Naja, ich bin schon ein bisschen traumatisiert. Und zwar seit meiner Kindheit. Meine Mutter hat mich regelmäßig mit einem Glockenton aus dem Schlaf gerissen. Verglichen damit sind Wecker nette Geräte.
NZ: Was ist der künstlerische Aspekt?
Anne: Wir interessieren uns für die Bedeutung des Verbs „aufwechen“, was man im übertragenen Sinne ja auch als anfeuern oder anregen verstehen kann. Darüber hinaus geht es um die Bezugspunkte der „Zeit“ – meistens schwingt ja mehr mit: Ein Weckruf zur Arbeit etwa. Und dann sind da natürlich die speziellen Geräusche. Ein paar unserer Wecker klingeln, als wären sie Insekten.
NZ: Beschreiben Sie doch bitteschön
mal die Geräusche Ihres Lieblingsalarms.
Anne: Ich bevorzuge monotone
Klingeltöne. Irgendwann verschwinden die dann in der Geräuschkulisse.
Aurélie: Eigentlich mag ich alle unsere Geräte. Aber wenn Sie es genau wissen wollen, ist mein Lieblingsmodell ein „Cosmotime“: klein, braun, und mit seinen roten Augen zwinkert er mir zu. Fasse ich ihn dann sanft an, beginnt er mit seiner süßen und knarrenden Stimme zu flüstern.
NZ: Was ist schlimmer: Jemand, der im Bett neben einem schnarcht. Oder ein läutender Wecker?
Anne: Jemand, der neben einem schnarcht, ist viel schlimmer als jedes Wecker-Duett.
Aurélie: Mir ist das egal. Ich höre eh nichts, ich schlafe mit Ohrenstöpseln.
NZ: Es heißt, Sie treten an den „unglaubwürdigsten Orten“ auf. Wo lassen Sie ihre Wecker denn so läuten?
In Kirchen nach der Predigt? Wenn Politiker reden? Oder im Stundenhotel?
Anne: Wir meinen Orte, wo man nicht automatisch experimentelle Musik erwartet. Wir wollen, dass die Wecker als klassische Musikinstrumente anerkannt werden.
Aurélie: Wir sind bildende Künstlerinnen und der Ortsbezug ist wichtig für uns. Der Ort beeinflusst die Sinne. In einer Kirche zum Beispiel nimmt unsere Performance schon mal surreale und apokalyptische Züge an.
NZ: Der Wecker ist vom Aussterben bedroht. Wie darf man sich den Klingelton Ihres Handys vorstellen?
Anne: Als mechanischer Frosch. Das passt für alle Situationen.
Aurélie: Bei mir klingelt ein Lied von Philippe Katerine: La reine d’Angleterre, also „Die Königin von England“.
NZ: Eine sehr persönliche Frage noch: Was ist Ihre süßeste Erinnerung ans Gewecktwerden?
Anne: Einmal bin ich mit einer Freundin nachts auf einem Campingplatz angekommen, so dass wir das Zelt im Dunkeln aufbauen mussten. Früh morgens hat uns das Geräusch des Meers geweckt. Und wir stellten überrascht fest: Zwei Meter weiter war Wasser.
Aurélie: Und ich habe einmal erlebt, wie ein Weihnachtsmann morgens versucht hat, heimlich eine Gitarre im Keller zu verstecken. Er war aber so laut, dass ich aufgewacht bin.
„Les Trotteueses“, 18. Januar,
20 Uhr, Galerie Bernsteinzimmer, Großweidenmühlstr. 21, Nürnberg. Am Anschluss ist die siebenköpfige Fürther Jazz-Formation „Golden Colibris“ zu hören. Eintritt: 6 Euro.
Mo. 13.05.13
Mi. 08.05.13
So. 21.04.13
Do. 18.04.13