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Der Kampf um die besten Köpfe

Debatte zum Fachkräftemangel in Nürnberg - 25.05. 07:00 Uhr

NÜRNBERG  - Deutschland im Dilemma: Einerseits rufen Firmen nach ausländischen Fachkräften, andererseits gibt es im Inland noch zu viele Arbeitslose. Ein Widerspruch, der nur bedingt einer ist, wie eine prominent besetzte Podiumsdebatte in Nürnberg zeigte.


Ob IT-Branche, Baugewerbe oder eben – wie auf unserem Bild –  das Gesundheitswesen: Deutschland ist auf qualifizierte Zuwanderer angewiesen.
Ob IT-Branche, Baugewerbe oder eben – wie auf unserem Bild – das Gesundheitswesen: Deutschland ist auf qualifizierte Zuwanderer angewiesen.
Foto: dpa
Ob IT-Branche, Baugewerbe oder eben – wie auf unserem Bild –  das Gesundheitswesen: Deutschland ist auf qualifizierte Zuwanderer angewiesen.
Ob IT-Branche, Baugewerbe oder eben – wie auf unserem Bild – das Gesundheitswesen: Deutschland ist auf qualifizierte Zuwanderer angewiesen.
Foto: dpa

Bertram Bossardt ist mit der CSU meistens einer Meinung. Seine Sympathie für die konservative Partei versteckt der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) nicht. Aber in einem Punkt, sagt er, könne er die Christsozialen absolut nicht verstehen – und zwar beim Thema Migration und der Zuwanderung von ausländischen Fachkräften. „Hier habe ich eine andere Auffassung.“ Die CSU dürfe bei dieser Frage nicht immer nur auf Abwehr setzen, sondern müsse sich der Realität stellen.

Und die sehe nun mal so aus, dass in vielen Branchen schon heute händeringend nach gut ausgebildetem Personal gesucht wird. Dieser Zustandsbeschreibung stimmen bei den „Nürnberger Gesprächen“, die die Bundesagentur für Arbeit, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie die Stadt Nürnberg veranstaltet hatten, auch alle Diskutanten uneingeschränkt zu.

Wöhrl warnt vor Belastung der Sozialsysteme

Selbst Dagmar Wöhrl, an die Bossardts Kritik gerichtet war, erkennt die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt durchaus an: „Wir leiden schon lange unter einem Fachkräftemangel“, räumt die Nürnberger CSU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium ein. Falls Deutschland seine Stellung als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort aufrechterhalten will, müsse es sich nun um qualifizierte Zuwanderer bemühen. Und zwar sofort. Denn, wie die Politikerin dramatisch formuliert: „Es ist fünf vor zwölf“.

Da aber auch andere Länder um Fachkräfte und Akademiker werben, seien Politik und Wirtschaft hierzulande besonders gefragt: „Es kommt zum Kampf um die besten Köpfe.“ Aber selbst wenn sich der „beste Kopf“ tatsächlich für Deutschland entscheidet, heißt das für Wöhrl noch lange nicht, dass er ohne weiteres ins Land kommen kann: „Wir brauchen qualifizierte, aber vor allem integrationswillige und integrationsfähige Zuwanderer“. Zugleich aber dürfe man die Stimmung in der Bevölkerung nicht einfach übergehen: „Viele Menschen befürchten eine Einwanderung in unsere Sozialsysteme“, sagt Wöhrl. Diese Bedenken seien nicht völlig von der Hand zu weisen. Denn in der Vergangenheit habe das oft genug stattgefunden.

Genau diese Ressentiments, die Bossardt als „deutsche Krankheit“ bezeichnet, möchte der vbw-Geschäftsführer möglichst zügig beseitigt wissen. Für ein Land wie Deutschland, das hauptsächlich von internationalen Beziehungen und vom Export lebe, sei diese restriktive Einstellung fatal. Natürlich sieht Bossardt vor allem die Interessen der Betriebe – und möchte diese schnell befriedigt sehen.

Heimische Arbeitslose dürfen nicht vergessen werden

Auch Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, hat die Belange der Unternehmen im Blick. Zugleich aber liegen ihm die rund drei Millionen Arbeitslosen am Herzen. Daher sind für ihn zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen im Inland mindestens ebenso nötig wie der Zuzug von Ausländern. „Wir müssen beides tun“, gibt Alt die Richtung vor. Wenn sich alle Anstrengungen jetzt nur auf Migranten richten, wäre das ein falsches Zeichen an die eigenen Arbeitslosen: „Wir müssen uns genauso um die Erwerbslosen kümmern, sie weiterbilden und ihnen eine Chance geben.“ Dass nur eine Art Doppelstrategie die Probleme auf dem Arbeitsmarkt lösen kann, steht an diesem Abend für alle anwesenden Experten und Politiker außer Frage.

Wie schnell die Ansätze greifen müssen, zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Demnach hat die starke Konjunktur den Fachkräftemangel verschärft, etwa bei der Zeitarbeit, der Gesundheitswirtschaft und dem Maschinenbau. Fast ein Drittel der Betriebe sieht für die kommenden zwölf Monate ein Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung – doppelt so viele wie noch zu Jahresbeginn 2010. 



Sharon Chaffin

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