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"Die Krankenversicherung muss offener werden"

Vizepräsident der Bundesärztekammer will mehr Entscheidungsfreiheit für die Patienten - 21.05.2012 19:58 Uhr

NÜRNBERG  - Wenn Ärzte bei der Visite untereinander nur noch Russisch sprechen und die Krankenschwester ebensowenig versteht wie der Patient, dann findet Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer und Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, das "nicht in Ordnung". Und dann zeigt er auch seine volle Unterstützung für die Forderungen des Marburger Bundes, der sich vor Beginn des Ärztetages in Nürnberg für Sprachprüfungen für ausländische Ärzte ausgesprochen hat.

Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer, hat sich im NZ-Gespräch für mehr Flexibilität in der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgesprochen.
Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer, hat sich im NZ-Gespräch für mehr Flexibilität in der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgesprochen.
Foto: Harald Sippel
Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer, hat sich im NZ-Gespräch für mehr Flexibilität in der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgesprochen.
Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer, hat sich im NZ-Gespräch für mehr Flexibilität in der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgesprochen.
Foto: Harald Sippel

„Die Kommunikation mit dem Patienten ist bei der ärztlichen Versorgung doch schon die halbe Miete“, sagte Kaplan beim Redaktionsgespräch der NZ. Wobei er ebenso wie die Vertreter der Ärztegewerkschaft grundsätzlich froh ist, wenn sich der Nachwuchsmangel in Krankenhäusern durch ausländische Ärzte zumindest ein Stück weit decken lässt. Allerdings müssten diese in der Lage sein, mit dem Patienten zu kommunizieren und auch Arztbriefe in gutem Deutsch zu schreiben.

Dass die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt einmal geäußert habe, es sei doch gar nicht so schlimm, dass so viele junge Ärzte Deutschland verlassen, denn man habe doch viel Nachwuchs aus dem Ausland, darüber ärgert sich Kaplan noch heute: „Wir müssen alles tun, damit die bei uns ausgebildeten und vom Steuerzahler mit bis zu 200000 Euro pro Studienplatz finanzierten Mediziner im Land bleiben – und nicht in die Schweiz, nach Großbritannien oder in die USA gehen“, sagte er. Die „Ost-West-Wanderung“ von Ärzten sei auch für die Herkunftsländer der ausländischen Kollegen schlecht. „Denn dann fehlen diese qualifizierten jungen Menschen in ihrer Heimat.“


Wie aber lassen sich die in Deutschland ausgebildeten Ärzte auch hier halten? „Der Nachwuchsmangel betrifft niedergelassene Ärzte ebenso wie die Krankenhausärzte“, stellt Kaplan klar. Eine Umfrage unter Medizinstudenten habe ergeben, dass es nicht in erster Linie an der schlechteren Bezahlung in Deutschland liege, dass so viele Mediziner der Bundesrepublik den Rücken kehren.

Den jungen Kollegen sei vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig. „Und darauf müssen wir eingehen“. An deutschen Krankenhäusern bemängelten die jungen Kollegen vor allem die „zu steilen Hierarchien“– was im Ausland anders sei. Außerdem mache ihnen die zunehmende Bürokratie zu schaffen – im Krankenhaus ebenso wie in der Praxis. „Sie wollen mehr Zeit für die Patienten haben.“

Weiter sei ihnen die Teamarbeit wichtiger als das Ansehen und die Entscheidungsfreiheit, die sie als Einzelkämpfer stärker genießen könnten. „Dazu bieten sich Ärztenetzwerke an.“ Auf dem Land schließen sich dabei mehrere Hausärzte in einer Gemeinschaftspraxis zusammen und können sich untereinander vertreten.

Dass Krankenhausärzte Mediziner bleiben wollen und nicht Betriebwirte werden möchten – dafür hat Kaplan vollstes Verständnis. Er hält wenig von der zunehmende Tendenz, dass immer mehr Chefarztverträge variable Einkommensbestandteile enthalten.

Zum Beispiel erhalten Ärzte dann eine Provision, wenn sie eine bestimmte Zahl lukrativer Operationen durchgeführt haben – was in einer Zielvereinbarung festgehalten wird. „Nicht jede Zielvereinbarung ist schlecht,“ sagt Kaplan. „Aber wir bieten jedem Chefarzt an, die Verträge vorher anzuschauen.“ Zielvereinbarungen sind eine Folge davon, dass Behandlungen seit 2003 pauschal abgerechnet werden – und bestimmte Eingriffe lukrativer sind als andere.

Damit sich eine alternde Gesellschaft ein gutes Gesundheitssystem noch leisten kann, müsse einiges bei der Krankenversicherung passieren, sagte Kaplan, der „am bewähren dualen System von gesetzlicher und privater Krankenversicherung festhalten“ will. Allerdings plädiert er für mehr Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung und gegen den Einheitsbeitrag.

Es müsse eine Grundversorgung geben, „aber die Patienten sollten mehr selbst entscheiden können, welche Leistungen sie versichern wollen und wo sie zur Selbstbeteiligung bereit sind.“ Die Private Krankenversicherung müsse erhalten bleiben, sollte sich aber auch für alle Angestellten öffnen – unabhängig von bestimmten Einkommensgrenzen. 

Stephanie Rupp


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