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Philipp Rösler ist jung, er ist erst ein gutes Jahr in Berlin. Aber er weiß, wie das Geschäft funktioniert. Stets wirkt er souverän. Er braucht kein Konzeptpapier, wenn er redet. Und er ist Arzt – der erste im Amt des Bundesgesundheitsministers in der Geschichte der Republik. Das ist von Vorteil, wenn einem in einer der größten Kliniken Europas eine der größten Notaufnahmen präsentiert wird.
Rösler lässt sich erklären, wie in Nürnberg das fünfstufige System der „Positivselektion“ funktioniert. Also die Auswahl, welcher Patient aufgrund der Schwere seiner Erkrankung sofort versorgt werden muss und für wen es reicht, wenn der Arzt erst in zehn Minuten vorbeischaut. Vor allem aber nimmt der Minister voller Verständnis zur Kenntnis, wenn die Chefärzte immer wieder darauf hinweisen, dass die Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft der Notfallabteilung einen immensen Personalbedarf nach sich zieht, der durch die Fallpauschalen nicht einmal ansatzweise finanziell ausgeglichen wird. Als Krankenhaus der Maximalversorgung müsse das Nürnberger Klinikum diesen Service dennoch bereitstellen. „Wer, wenn nicht wir?“, fragt Hermann Bail, der Chefarzt der Unfallchirurgie. In anderen Worten und im ganz kleinen Kreis hatte das zuvor auch schon Klinik-Vorstand Alfred Estelmann vorgebracht.
Der Rundgang mit Pressevertretern und FDP-Prominenz soll Rösler die Sachlage nochmals verdeutlichen. Also geht der Minister ein paar Schritte, hört zu, fragt nach, geht weiter, hört wieder zu. Immer freundlich. Immer interessiert. Nur als Bail ihn auf seine 2002 veröffentlichte Dissertation in der Thoraxchirurgie anspricht, zuckt der FDP-Politiker kurz zusammen. So als ob er fürchtet, gleich erneut geprüft zu werden.
Agnes Meier hat den hohen Besuch organisiert. Sie ist Kreisvorsitzende der Fürther FDP – und Seelsorgerin in der Notaufnahme des Südklinikums. Sorgen macht sie sich also nicht nur um die rund 520 lebensgefährlich Verletzten, die jährlich ins Südklinikum eingeliefert werden. Sorgen macht ihr auch die Politik. Und ihre FDP. „Die Berliner Politiker haben ein bisschen den Anschluss verloren an die Leute“, räumt sie freimütig ein, während Estelmann mit Rösler die mangelnde Kostendeckung in der Notfallversorgung durchnimmt.
Die eigene Partei schließt Meier ausdrücklich nicht aus. Da gebe es ja durchaus „geniale Gedanken und gute Ideen“, aber dann scheitere es eben doch wieder an der Umsetzung. Die Abrechnung im Krankenhaus ist da nur ein Beispiel. Die Zweigleisigkeit von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung findet sie als Liberale selbstverständlich gut. Aber beim Credo „Das regelt der Markt“ sei wohl übersehen worden, dass viele Kranke gar nicht in die PKV wechseln können, selbst wenn sie wollten.
Und den Minister, wie findet sie den? „Rösler zeigt sich zu wenig“, sagt Meier. Gerade wegen des Dauerstreits um die Hausärztebezahlung hätte er öfter in Bayern sein müssen.
Jetzt ist Rösler da. Und er hat noch viel vor – obwohl es kein besseres Gesundheitssystem gebe als das deutsche. Das macht er in der Klinikkantine vor Mitarbeitern und Patienten deutlich. Nachdem der Minister die Einführung „wettbewerblicher Strukturen“ für erreicht und die Finanzierung des Systems für gesichert hält, nimmt er sich nun eine Reform des „absurden Abrechnungssystems“, die Versorgung des ländlichen Raumes und den Fachkräftemangel in der Pflege vor. Sogar zu einem Mindestlohn ist der FDP-Politiker hier bereit.
Viel mehr Neues ist nicht zu hören. Der Spitzen-Liberale, der für seinen Aschermittwochs-Spott auf Merkel und Westerwelle einst viel Kritik einstecken musste, erlaubt sich nur noch den Hinweis, dass es im jüngst ausgerufenen „Pflegejahr 2011“ nicht darum gehe, die FDP zu pflegen. „Obwohl die intensive Pflege nötig hat.“
