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E-Bikes: Spaßfaktor mit Stotterstart

Eine Testfahrt mit den Elektro-Fahrrädern der neuen Generation - 24.09.2012 14:33 Uhr

Mit Schwung ins Grüne: Der permanente „Rückenwind“ ist gewöhnungsbedürftig, mit den sportlichen Modellen der Elektroräder wird das Fahren aber schon bald zu einem echten Erlebnis – Spaßfaktor garantiert.

Mit Schwung ins Grüne: Der permanente „Rückenwind“ ist gewöhnungsbedürftig, mit den sportlichen Modellen der Elektroräder wird das Fahren aber schon bald zu einem echten Erlebnis – Spaßfaktor garantiert. © Stefan Hippel


Ab zu Matthias Zech nach Herpersdorf. Er betreibt die einzige Nürnberger Niederlassung von e-motion Technologies, die sich auf Elektroräder spezialisiert haben. Mir schwant Böses, als ich den Laden betrete, ich denke an brummende, klobige Räder. „Noch vor fünf Jahren waren e-Bikes tatsächlich eher Rehafahrzeuge, heute entwickeln sie sich zu Lifestyle-Produkten“, erklärt der 25-Jährige und zeigt mir ein Modell der kommenden Saison.

Ehekrisen im Radgeschäft

Schwarz, edel und trendig sieht das Designerteil aus. Das kommt auch bei der Jugend gut an. „Die Zielgruppe ist aber 50+. Häufig sollen Leistungsunterschiede ausgeglichen werden, wenn der Partner bei längeren Touren nicht mehr mitkommt“, sagt Zech. „Oft streiten sich die Paare hier, weil die Ehefrau meint, sie brauche so ein Ding nicht“, weiß der Experte. Nach einer Probefahrt seien die meisten aber überzeugt. Vielleicht klappt es auch bei mir.

Für den Einstieg versuche ich es mit einem Pedelec, einer besonderen Art der Elektroräder, die bei 25 Kilometer pro Stunde abregelt und den Fahrer nur unterstützt, solange er in die Pedale tritt. Schnell ist ein passendes Modell gefunden. Sieht zwar eher nach einem Herrenrad aus, ist laut Zech aber „unisex“. Egal, Hauptsache sportlich. Die erste Hürde ist die Rampe über die Treppen zum Radweg. Mit Mühe schiebe ich das Mountainbike nach oben. „Wegen des Motors, des Akkus und des stabilen Rahmens sind e-Bikes schwerer als normale Räder. Bis zu 25 Kilogramm sind da ganz normal“, erklärt Zech.

Das Gewicht ist für einige Kunden ein Problem. „Manchmal platzt der Kauf, weil sie das Gerät nicht aus dem Fahrradkeller holen können“, erzählt David Weichel (29), Mitarbeiter bei e-motion Technologies.

Ich bin bereit, Zech drückt den Startknopf. Wie ein Tacho sieht der kleine Computer aus, der mir Akkustand, Geschwindigkeit und Fahrmodus anzeigt. Los geht es in Stufe drei, mit einer Unterstützung von 110 Prozent meiner Eigenleistung im „Sportmodus“. Den kannte ich bisher nur von schnellen Autos – das Elektrorad wird mir immer sympathischer.

Schwungvoll trete ich beim Anfahren in die Pedale und starte mit einem überraschten „Huch!“. Das Fahrrad gibt ordentlich Schub von hinten, genau wie ein Motorroller. „Das liegt am Heckmotor“, ruft Zech mir zu, während ich klingelnd und fluchend über den Radweg donnere und Slalom um Kleinkinder fahre. Wahlweise gibt es auch einen Mittel- oder Frontmotor, der den Fahrer eher zieht.

Anfangs ist mein Fahrstil stotternd, genau wie die erste Autofahrt mit Automatik: Gas geben, bremsen, Gas geben. Doch schon bald macht es wirklich Spaß. 20 Kilometer pro Stunde sind schnell erreicht. Je nach Einstellung des Fahrmodus unterstützt das Rad mich mit dem Dreifachen meiner Eigenleistung. Steigungen sind kein Problem mehr, ich kann entspannt im Sattel sitzenbleiben.

Mit dem Pedelec liege ich voll im Trend. „Von 250 e-Bikes, die wir letztes Jahr verkauft haben, waren 249 Pedelecs“, betont Zech. Die schnelleren Speed-Pedelecs, die bis 45 Kilometer pro Stunde unterstützen, werden seltener nachgefragt. „Viele Kunden wollen nur entspannt im Anzug in die Arbeit radeln, da reicht ein Pedelec völlig aus“, erzählt Weichel.

Nach einer halben Stunde bin ich zurück, 2700 Euro muss ich hinlegen, um den Fahrspaß auf dem trendigen Rad dauerhaft zu erleben. „Ein gutes Gerät bekommt man schon ab 1800 Euro“, sagt Zech. Weitaus günstiger ist das Akkuladen: Zehn bis 15 Cent kostet eine Ladung höchstens. „Die Reichweite liegt bei bis zu 170 Kilometern, dann muss der Akku geladen werden“, so Weichel. Das kann schon mal acht Stunden dauern, funktioniert aber an jeder Haushaltssteckdose.

Die Unfallgefahr von Pedelecs wird häufig diskutiert und eine Helmpflicht gefordert. Aber 25 Kilometer pro Stunde erreichen sportliche Fahrer doch auch ohne Motor. „Klar, aber Autofahrer rechnen nicht damit, dass die Omi mit Vollgas angerauscht kommt“, erklärt Zech. Einige Kundenwünsche lehnen die Verkäufer lieber ab. „Wenn jemand mit Gehstock zu uns kommt und ein e-Bike möchte, weil er seit 30 Jahren nicht mehr normal Rad fahren kann, ist er bei uns an der falschen Adresse – Gleichgewichtsprobleme löst auch ein Elektrorad nicht“, betont Weichel.

Das e-Bike ist die einfachste Form der e-Mobilität, solange die Technik von Elektroautos noch nicht ausgereift ist. Spaß macht es auf jeden Fall, und zu meiner Überraschung surrt der Motor nur leise. In ein paar Jahren werden die Preise purzeln und die Technik wird fast geräuschlos sein, glaubt Zech. Solange steige ich mit schlechtem Gewissen in mein brummendes Auto. Immerhin mit grüner Umweltplakette und Eco-Zeichen.

 

e-Bikes im Überblick:

Elektrorad oder e-Bike ist der Oberbegriff für Fahrräder, die von einem Elektromotor angetrieben werden. Wirkt dieser nur tretunterstützend, wird das Rad als Pedelec (Pedal Electric Cycle) bezeichnet. Der Unterstützungsgrad kann in verschiedene Stufen eingestellt werden und reicht bis zur dreifachen Unterstützung der Eigenleistung. Sind 25 Kilometer pro Stunde erreicht, regelt der Motor automatisch ab. Diese Art der e-Bikes gilt als Fahrrad, es besteht keine Helm-, Versicherungs- oder Führerscheinpflicht.

Hiervon unterscheiden sich die Speed-Pedelecs, deren Motorunterstützung sich erst bei 45 Kilometer pro Stunde abschaltet. Für die S-Klasse benötigt der Fahrer einen Mofaführerschein und ein Versicherungskennzeichen. Sie gelten nicht als Fahrräder und dürfen deshalb nur mit Helm und auf der Straße benutzt werden.

Die dritte Kategorie sind e-Bikes im engeren Sinne. Sie gelten als Kleinkraftrad, da der Motor per Drehgriff beschleunigt wird, ohne dass der Fahrer in die Pedale tritt. Ist die Geschwindigkeit von 20 Kilometer pro Stunde erreicht, muss er allerdings pedalieren, um die Geschwindigkeit weiter zu erhöhen. Es gelten dieselben Vorschriften wie für die S-Klasse.

e-Bikes gibt es beim Fachhändler ab 1800 Euro. Betrieben werden sie über einen Akku, der an einer Steckdose geladen wird. Unterwegs gibt es hierfür in Nürnberg spezielle Ladesäulen der N-Ergie. 

Stella Smentek

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