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NZ: Herr Grüske, der Ausgang des Volksbegehrens bleibt wenige Stunden vor dem Ende der Eintragungsfrist spannend.
Karl-Dieter Grüske: Offensichtlich ist es völlig egal, wie das Volksbegehren ausgeht. Ministerpräsident Horst Seehofer hat ja deutlich gemacht, dass die Studienbeiträge in jedem Fall abgeschafft werden.
NZ: Werden sich die Studienbedingungen tatsächlich so drastisch verschlechtern, wie behauptet wird?
Grüske: Diese Frage kann ich nicht beantworten, weil ich nicht weiß, wie viel davon kompensiert wird. Wenn der Freistaat 100 Millionen Euro übernimmt – wie signalisiert wird –, fehlen bayernweit immer noch mindestens 80 Millionen Euro. Die Universität Erlangen-Nürnberg hat dann zehn, zwölf Millionen Euro weniger. Das muss doch Auswirkungen haben. Es werden allein über 1000 Tutorien wegfallen, Sprachkurse, die Bibliotheksöffnungszeiten werden verringert.
NZ: Aber Studenten haben mehr Geld im Portemonnaie.
Grüske: Es wird dann aber dazu kommen, dass die Studierende für Sprachkurse, Skripten, Chemikalien wieder extra bezahlen müssen. Außerdem müssen wir den Verwaltungskostenbeitrag wieder einführen. Die Studierenden werden vom Wegfall der Studienbeiträge nicht profitieren.
NZ: Eine Diskussion über Studienbedingungen hat es in den vergangenen Wochen nicht gegeben. Soziale Aspekte standen im Mittelpunkt.
Grüske: Diejenigen, die das Volksbegehren anstrengen, gehen davon aus, dass der Staat es schon ersetzt. Ich halte es für einen Wunschtraum, dass der Staat den Hochschulen jedes Jahr bis zu 200 Millionen Euro zusätzlich gibt. Jeder, der sich für das Volksbegehren eingetragen hat, trägt dazu bei, dass sich die Studienbedingungen verschlechtern werden.
NZ: Was werden Sie unternehmen, um die fehlenden Mittel auf anderem Wege zu erhalten?
Grüske: Wir werden alles in Bewegung setzen, die Kompensation zu erreichen. Die Universität Bayern, die Interessensvertretung der bayerischen Universitäten, fordert eine volle und dauerhafte Kompensation. Diese muss dynamisiert sein: Bei steigenden Studierendenzahlen muss es mehr Geld geben. Außerdem ist ein Inflationsausgleich wichtig. Und es darf nicht zu einer Kapazitätserhöhung führen: Es darf nicht sein, dass wir mehr Studierende aufnehmen müssen, wenn wir zusätzliches Personal einstellen.
NZ: Warum sind Sie so pessimistisch?
Grüske: Ich bin Grundoptimist, hier aber sehr skeptisch. Der Staat achtet auch auf andere wichtige Dinge: die Schuldenbremse, den Ausbau der Kinderkrippen, die Energiewende. Möglicherweise wird im Wahlkampf versprochen, die Studienbeiträge voll zu kompensieren. Die Erfahrung zeigt, dass dann später an anderer Stelle wieder eingespart wird. Dann werden die Studierenden vielleicht wieder auf die Straße gehen – diesmal dann auch zu Recht.

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