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Am Donnerstag oder Freitag vergangener Woche wurde die DVD in der Redaktion entdeckt, bestätigt ein leitender Redakteur der Nürnberger Nachrichten.
Die Adresse auf dem unauffälligen weißen Briefumschlag sei aufgedruckt worden, als wenn die Sendung von einer Firma stamme. Und: Der Brief muss persönlich abgegeben bzw. in einen Hausbriefkasten geworfen worden sein. Auf dem Umschlag fanden sich weder Briefmarken noch Poststempel.
Dass Beate Z. die DVD selbst nach Nürnberg brachte, gilt als ausgeschlossen. Sie stellte sich mindestens zwei Tage, bevor der Brief das Verlagshaus erreichte. Denkbar ist, dass die Sendung per Kurier nach Franken kam oder über die Post. Ob die Person, die den Briefumschlag letztlich ans Ziel brachte, von dessen Inhalt wusste, ist offen.
Möglicherweise wurden auch die sieben bislang bekannten DVD-Briefe von Dritten auf den Weg gebracht. Nach unbestätigten Informationen sollen sechs DVDs erst Tage nach der Nürnberger Sendung angekommen sein.
Der rund 15-minütige Film, den die DVD enthält, gibt weitere Hinweise. Drei- oder viermal tauchen in dem Streifen Ausschnitte der Tageszeitung mit Berichten zu der Mordserie auf. Dass der bzw. die Mörder nach den Taten noch in Nürnberg übernachteten, um an die (in Thüringen kaum erhältliche) Tageszeitung zu kommen, ist nicht anzunehmen.
Als wahrscheinlicher gilt, dass die Zeitungsseiten von hiesigen Kontaktleuten der Neonazi-Szene nach Zwickau geschickt wurden. Zumal die nordbayerische Szene seit jeher gute Beziehungen zu Neonazis in Thüringen unterhält.
Schließlich: Zumindest bei einem der drei Nürnberger Morde müssen der bzw. die Täter gute Ortskenntnisse gehabt haben. Während der Blumenhändler Enver Simsek und der Dönerstand-Betreiber Ismail Yasar an stark frequentierten Straßen residierten, musste man die Schneiderei des im Juni 2011 ermordeten Abdurrahim Özüdogru schon kennen: Sie lag relativ versteckt in der Südstadt. Wurden die Opfer also von hiesigen Neonazis ausgesucht?
Darauf könnte auch eine Beobachtung von Zeugen unmittelbar vor dem Mord an Döner-Verkäufer Yasar im Juni 2005 hinweisen: Ganz in der Nähe des Tatortes beobachteten sie zwei Männer auf Fahrrädern, die sich mit Hilfe eines Stadtplans orientierten – offenbar also gezielt nach einer Adresse suchten.
Die Generalbundesanwaltschaft will zu all dem keine Stellung nehmen. Bislang seien sieben (vermutlich identische) DVDs bei verschiedenen Adressaten eingegangen, ist alles, was ein Sprecher am Freitag auf Anfrage bestätigt. Wann, wo und auf welchem Wege diese Scheiben eingingen, bleibt ebenso offen wie mögliche weiteren Verbindungen zur Nürnberger Neonazi-Szene oder zu der Frage, ob die DVDs überhaupt von Beate Zschäpe auf den Weg gebracht wurden, wie bislang allenthalben behauptet wird.
Ob die Ermittler über Finger- bzw. DNA-Spuren auf Verpackung bzw. Inhalt der Sendungen weiterkommen, muss sich zeigen. Die Generalbundesanwaltschaft will auch hierzu vorerst keine Stellungnahme abgeben. In Nürnberg wanderten Umschlag und DVD offenbar durch fast ein Dutzend Hände, bevor die brisante Sendung der Polizei zur Verfügung gestellt wurde.
Der DVD-Aufdruck zeigt die Zeichentrick-Figur Paulchen Panther salutierend sowie die Worte „Frühling“ und „DVD 1“. Beobachter glauben, dass ein weiterer Film geplant gewesen sein könnte – und damit weitere Morde. Der in aufwendiger Kleinarbeit produzierte Streifen selbst zeigt u.a. Videobilder der Tatorte und -waffen sowie Nahaufnahmen von mindestens einem Getöteten. Im Text werden die Opfer verhöhnt, und es sind Nazi-Parolen des Nationalsozialistischen Untergrunds zu hören.
Die Behörden hatten von einer Verbindung der NSU nach Franken zumindest offiziell keine Kenntnis. Zwar sollen vor etwa 13 Jahren Spenden für das untergetauchte NSU-Trio gesammelt worden sein: während des Coburger Konzertes eines rechtsextremen Liedermachers um den Jahreswechsel 1998/99. Der erste Mord, der Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe bislang zugeschrieben wird, ereignete sich allerdings erst im September 2000 in Nürnberg.
