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Kissinger besuchte die SpVgg Greuther Fürth

Ehemaliger US-Außenminister löst sein Versprechen bei Hack ein - 89-Jähriger ist auf Heimatbesuch - 29.06.2012 17:33 Uhr

Der 89-jährige Henry Kissinger besuchte seinen Lieblingsverein.

Der 89-jährige Henry Kissinger besuchte seinen Lieblingsverein. © Sportfoto Zink


Der inzwischen 89-Jährige weilt dieser Tage in der Stadt, in der er 1923 als Heinz Alfred Kissinger geboren wurde. Es ist eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, Kissinger ist längst US-Bürger, ein Fürther aber ist er im Herzen immer geblieben.

Breitschultrige Männer in streng geschnittenen Anzügen, Knopf im Ohr, dunkle Sonnenbrillen, grimmiger Blick: Offenkundig Bodyguards, die Kissinger im Gepäck hat – als langjähriges Mitglied der US-Regierung unter den Präsidenten John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson und Richard Nixon genießt Kissinger gewisse Privilegien.

Wirklich wichtig ist ihm das nicht, das wird schnell klar. Kissinger ist auf Heimatbesuch. Seine Frau und sein Sohn aus erster Ehe haben ihn begleitet und seine beiden Enkelkinder. Vor allem ihnen will er zeigen, wo und in welcher Umgebung er geboren wurde, wo der Vater als Lehrer für Geschichte und Geographie des damaligen Mädchenlyzeums gelehrt hat, und was er als kleiner Bub beim Spielen in den engen Gässchen der Altstadt erlebte. Vor allem aber will Kissinger mit seiner Familie Erinnerungen teilen und etwas von dem weitergeben, was ihn geprägt hat.

Das ist zweifellos auch die Spielvereinigung, dieser Verein, der seine letzte Deutsche Meisterschaft gerade feierte, als Kissinger sechs Jahre alt war. Diese Zeit mit all ihrer ursprünglichen Begeisterung für die damals noch junge Fußballbewegung hat ihn nie mehr losgelassen, seitdem er noch in kurzen Hosen die Heimspiele der Fürther im alten Ronhof besuchte.

Großer Bahnhof an der Seitenlinie: Der 89-jährige Henry Kissinger blieb aber ganz gelassen.

Großer Bahnhof an der Seitenlinie: Der 89-jährige Henry Kissinger blieb aber ganz gelassen.


„Da hinten, da rechts auf der Tribüne bin ich immer gestanden“, erinnert sich Kissinger, als er zusammen mit Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung und Vereinspräsident Helmut Hack auf einer Bank am Spielfeldrand sitzend über vergangene Tage sinniert. „Jetzt aber ist das Stadion viel eleganter und schöner, damals gab es ja nur Stehplätze.“

Es klingt alles wie ein Plausch unter alten Freunden. Wie Klassenkameraden sitzen Jung und Hack da, während Kissinger den alt gewordenen Lehrer gibt, der aber immer noch beredt und hintersinnig zahlreiche Anekdoten zum Besten gibt. Das Verhältnis zum Erzrivalen aus Nürnberg war noch nie wirklich gut, auch das hat Kissinger als glühender Anhänger der Spielvereinigung verinnerlicht, weshalb sein „größter Wunsch“ für die erste Saison der Fürther in der Bundesliga nur konsequent ist: „Ich hoffe, dass sie Nürnberg schlagen. Dem Club wünsche ich auch alles Gute, aber in diesen beiden Spielen nicht.“

So ganz privat geht so ein Zusammentreffen bei einem Mann seines Ranges natürlich nie ab. Ein kleiner Kreis von Journalisten sollte es zunächst nur sein, nach einer offiziellen Pressemitteilung der Stadt Fürth war diese Intimität hinfällig. Dutzende Kameras, mehrere Fernsehteams und zig Mikrofone hatte Kissinger vor der Nase, und doch blieb der in Ehren ergraute ehemalige „Star“ der US-Außenpolitik gelassen, höflich und charmant. „Das ist keine Show, er ist ein Weltbürger, aber es menschelt halt so unglaublich“, befand Vereinspräsident Helmut Hack: „Er steht zu dieser Stadt und diesem Verein, und deshalb ist er unser bester Botschafter in der Welt.“

„Die Verbundenheit hat mich nie losgelassen“

Mit seinem Besuch löste Kissinger bei Hack ein Versprechen ein. „Wenn Fürth in der Bundesliga spielt, komme ich zu Besuch“, hatte der Friedensnobelpreisträger entgegnet, als ihm der SpVgg-Macher seinerseits versprochen hatte, „irgendwann den Aufstieg zu schaffen“. Das war 1996, kurz vor dem Zusammenschluss des damals klammen Traditionsvereins mit dem TSV Vestenbergsgreuth.

Seitdem haben sich die Wege von Hack und Kissinger immer wieder gekreuzt. Es ist ein Mosaikstein der Liebe des geborenen Fürthers zu „seinem“ Verein. „Diese Verbundenheit hat mich auch nach 75 Jahren in Amerika nicht losgelassen“, erzählt Kissinger: „Woher das kommt? Keine Ahnung. Das sollen Philosophen klären.“ 

Florian Pöhlmann

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