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Ein komplett neues: Denn ein "weiter so" wird es auch mit dem künftigen Chef, dem Milliardär und Investor Nicolas Berggruen, nicht geben. Der Deutsch-Amerikaner hat die Warenhauskette schließlich nicht gekauft, um Gutes zu tun. Er will damit möglichst viel Geld verdienen.
Dass er trotz seines sympathischen Auftretens ein harter Hund ist, hat er in den Verhandlungen mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Strategisch geschickt hat er im Duett mit Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg in den vergangenen Wochen daran gearbeitet, die Verantwortung für ein mögliches Scheitern der Verhandlungen einzig der Gegenseite zuzuschieben. Allein das schon schwächte die Verhandlungsposition des Vermieterkonsortiums erheblich.
Und auch die Drohkulisse, die Görg gestern noch mit der Einberufung einer Gläubigerversammlung für den Fall eines Scheiterns der Gespräche aufgebaut hat, sorgte für Druck auf die Vermieter und deren Kreditgeber. Die Strategie ist aufgegangen, Berggruen konnte sich mit seinen Konditionen anscheinend weitgehend durchsetzen.
Und das ist gut so. Denn die Millionen, die der Investor nun bei den Mieten spart plus das Sparpaket, das er mit den Beschäftigten ausgehandelt hat, verschaffen Berggruen den nötigen Spielraum, um Karstadt in eine stabile Zukunft zu führen. Sie geben ihm die Chance, die Warenhauskette so zu modernisieren und zu positionieren, dass sie dauerhaft Gewinne abwirft. Gewinn, der nicht - wie unter Arcandor - durch einen aufgeblähten Konzern-Apparat wieder aufgezehrt wird.
Doch ganz ohne weitere Einschnitte wird auch das Berggruen-Konzept nicht auskommen. Nicht alle Filialen werden es schaffen, die Rendite-Vorgaben zu erfüllen, die der Investor mit Sicherheit hat. Eine langfristige Bestandsgarantie für Filialen gibt es genauso wenig wie eine langfristige Stellengarantie für die Angestellten. Trotz dieser Unwägbarkeiten: So wie es sich momentan darstellt, ist Berggruen das Beste, was Beschäftigten und auch Gläubigern passieren konnte. Denn es gab praktisch nur eine Alternative: Die Zerschlagung mit der Konsequenz, dass ein Großteil der Warenhäuser die Pforten wohl für immer hätte schließen müssen.
Da leerstehende Warenhäuser auch keine Miete bringen, sahen sich schließlich auch die letzten Zweifler gezwungen, dem Berggruen-Plan zuzustimmen. An dem smarten 49-Jährigen liegt es nun, zu beweisen, dass es ein krasses Missmanagement war, das Karstadt fast in den Ruin geführt hätte. Und die Beschäftigten? Sie können das erste Mal seit Monaten wirklich durchatmen. Gestern war für sie ein guter Tag. Die Basis für ein besseres Morgen ist gelegt.
