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Denn der Mann, der sich in der Öffentlichkeit gerne als harter Kerl präsentiert, wird damit wahrscheinlich mehr für die Akzeptanz dieser Krankheit tun, als manche gut gemeinte Werbekampagne von Krankenkassen und Bundesregierung. Mit seinem Schritt weckt er Interesse am Schicksal von Menschen mit fortschreitendem Gedächtnisverlust gerade bei den Bevölkerungskreisen, die das Schicksal des Vorzeige-Intellektuellen und ebenfalls Erkrankten Walter Jens nie erreicht hätte.
Das Buch seines Sohnes Tilman Jens hatte eine sehr kontroverse Debatte ausgelöst. Bei Assauer ist das anders. Mit ihm ist Alzheimer endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Schließlich prognostizieren Experten, dass sich Alzheimer zur Volkskrankheit ausweiten wird. Das liegt an der zunehmenden Hochaltrigkeit der Bevölkerung. Aber auch daran, dass die 1901 zum ersten Mal diagnostizierte Krankheit heute früher aufgespürt wird. So werden immer mehr jüngere Menschen damit konfrontiert. Auch Assauer ist erst 67.
Doch gerade die Generation, die zunehmend mit dem Gedächtnisverlust zu kämpfen hat, verfügt über individuelles Erfahrungswissen, das es zu sichern gilt. Assauer hat dies mit seiner Biografie getan. Dass durch seinen Fall auch die Politik an den zunehmenden Betreuungsbedarf von Alzheimer-Kranken ganz aktuell erinnert wird, ist angesichts der anstehenden Reform der Pflegeversicherung, die für vergangenes Jahr angekündigt wurde und nun 2012 in Kraft treten soll, sehr gut. Immerhin ist einer der Eckpunkte die bessere Versorgung von Demenzkranken und die Entlastung pflegender Angehöriger.
Ob dafür eine private Zusatzversicherung, wie von der FDP favorisiert, der richtige Weg ist oder eine Finanzierung durch Steuern, wie von der CSU gefordert, ist noch immer offen. Für die Kranken und ihre Familien ist es vor allem wichtig, dass Leistungen nicht nur auf dem Papier stehen, wie bei der Familienpflegezeit, für die es keinen Rechtsanspruch gibt. Es müssen belastbare Strukturen geschaffen werden. Sonst kann man die Reform ganz schnell vergessen.
