|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Mit ihrer einstimmigen Entscheidung haben die Frankfurter Banker zweifellos ein Zeichen gesetzt. Fragt sich nur, welches. In Politik und Medien überwiegt die Zustimmung, weil sich Sarrazin mit seinen kruden Thesen zur genetischen Disposition muslimischer Zuwanderer selbst ins Abseits manövriert habe. Ganz anders sehen es die meisten Bürger: Endlich, so heißt es, habe jemand Klartext gesprochen – und dafür werde er nun abgestraft. Die Multikulti-Lobby habe ihre Vorherrschaft über den öffentlichen Diskurs siegreich durchgesetzt und blase zur Hexenjagd auf alle, die Probleme beim Namen nennen.
Aber stimmt das auch? Die Zeiten, in denen das Thema Integration mit blumigen Sonntagsreden zugekleistert wurden, sind schon seit längerem passé. Nicht zuletzt aufgrund des Engagements deutsch-türkischer Autorinnen wie Necla Kelek oder Seyran Ates, die in ihren Büchern immer wieder auf Fehlentwicklungen hingewiesen haben. Auch die Politik ist aufgewacht und lädt seit vier Jahren regelmäßig zum Integrationsgipfel ins Kanzleramt; in vielen Bundesländern gibt es zudem eigene Ministerien. Der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer veröffentlichte Studien, die ein besonderes Augenmerk auf die Gewaltbereitschaft junger Muslime lenkten; der aufrüttelnde Bericht der unlängst verstorbenen Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig über arabisch-muslimische Parallelgesellschaften steht seit Wochen auf Nummer eins der Bestseller-Listen. Von Verdrängung, gar einem Tabu kann also keine Rede sein.
Was also ist das Skandalon an Sarrazins Buch? Zum einen sein ökonomischer Ansatz, der eine bestimmte Gruppe von Menschen ungeniert auf ihren volkswirtschaftlichen Nutzwert abklopft. Das ist nicht besonders sympathisch und schon gar nicht christlich, würde aber noch hingehen – wenn er seine Betrachtungen nicht mit biologistischen Exkursen garniert hätte, die muslimische Migranten prinzipiell als geistig minderbemittelt darstellen.
Wer nun meint, da müsse man nicht gleich beleidigt sein, sollte sich an den Aufschrei der Empörung erinnern, als der italienische Tourismusminister einst die Deutschen bezichtigte, an den Adria-Stränden Rülpswettbewerbe zu veranstalten. Die hat es gegeben – aber darf man alle Bundesbürger für das Fehlverhalten Einzelner in Haftung nehmen?
Um auf Probleme hinzuweisen, muss man auch mal zuspitzen – das sagt sich leicht, wenn es andere trifft. Und wenn man damit 250000 Bücher verkauft. Ein Schlussstrich der Debatte ist ohnehin nicht in Sicht; aber sie sollte mit Argumenten geführt werden, nicht mit Ressentiments.
