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Kommentar: Feigheit vor dem Feind

Wenn Salafisten Verbote erzwingen - 07.05.2012 19:10 Uhr

Nürnberg  - Wie mutig wir doch sein können bei Sekt und kleinen Häppchen: Vor eineinhalb Jahren feierte Kanzlerin Merkel den von Islamisten zum Tode verurteilten Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard im festlich erleuchteten Schloss von Sanssouci als Kämpfer für Demokratie und Meinungsfreiheit.

Seine Zeichnung, die Mohammed mit einem Turban in Form einer Bombe darstellt, wurde mit einem Medienpreis gewürdigt. Und der heutige Bundespräsident Joachim Gauck sagte in seiner Laudatio: „Es ist Feigheit, einer Bedrohung von Feinden der Freiheit zu weichen.“

Wie vergesslich wir doch sein können, wenn die Feinde der Freiheit leibhaftig vor uns stehen. Die gleiche Karikatur wurde am Wochenende in Nordrhein-Westfalen verboten. Der Grund: Salafisten hatten auf das öffentliche Zeigen der explosiven Zeichnung durch die rechte Splitterpartei „Pro NRW“ mit einer Gewaltorgie reagiert. Westergaards satirische Meisterleistung war plötzlich zu einer Gefahr für die öffentliche Ordnung geworden.

Damit lieferte Nordrhein-Westfalens Innenminister Jager den Islamisten freilich noch im Nachhinein eine Entschuldigung für ihr blutiges Treiben: Nach der Logik des Karikaturen-Verbots ist letztlich nicht der salafistische Messerstecher der Schuldige, sondern der Islamkritiker, der ihn ja schließlich „provoziert“ hat.

Inzwischen hat das Verwaltungsgericht Minden das Verbot bis auf weiteres wieder aufgehoben. Es sei nicht zweifelsfrei erwiesen, dass die Karikatur tatsächlich die Ursache für die salafistischen Ausschreitungen war. Ein klares Bekenntnis zur Meinungsfreiheit sieht freilich anders aus.
  

MARTIN SCHABENSTIEL


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