|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Der Kapitän der ausgerechnet vor Feuerland liegenden „Gorch Fock“ wurde gefeuert, bevor noch das Untersuchungsteam an Bord gehen konnte. Gleichzeitig wurde die ins Gerede gekommene Bark in Heimatgewässer beordert, um vielleicht nie mehr auszulaufen.
War es wirklich nur ein Pressebericht über ein angeblich rauschendes Bordfest wenige Tage nach dem Todessturz einer Offiziersanwärterin, der den Minister zu seinem Strategiewechsel trieb? Der schneidige Baron weiß, dass für ihn jetzt nichts so gefährlich ist, wie der Eindruck abwartender Untätigkeit. Schließlich war ihm auch aus der würgenden Umklammerung der Kundus-Affäre der Befreiungsschlag erst gelungen, als er seinen Generalinspekteur in die Wüste schickte.
Diesmal will der Minister aber nicht bei Personalentscheidungen stehen bleiben. Er ordnete eine alle Teilstreitkräfte umfassende Generalinventur an, um „Schikanen und schrägen Ritualen“ auf die Spur zu kommen. Die „Unternehmenskultur“ der Bundeswehr steht auf dem Prüfstand – und dies nicht zufällig zu einem Zeitpunkt grundlegender Veränderung. Künftig geht es nicht mehr um den Schutz des wehrpflichtigen „Bürgers in Uniform“, sondern um das Innenleben einer Berufsarmee, die sich einer Kontrolle viel leichter entziehen kann. Freiwillige halten schon aus Karrieregründen eher den Mund.
Tatsächlich betreffen sowohl die Vorgänge auf der „Gorch Fock“ als auch der Todesschuss in Afghanistan die militärische Profi-Liga. Vorgeschmack auf das Innenleben einer Berufsarmee, in der das Band zwischen Truppe und Zivilgesellschaft zu zerreißen droht? Oder Zeichen einer neuen Härte, die dazugehört, wenn aus einer Friedensarmee eine Armee im Einsatz werden soll?
Guttenberg tut gut daran, diese Entwicklung genau zu verfolgen. Dabei sollte allerdings nicht jede Härte, mit der Soldaten auf extreme Situationen vorbereitet werden, mit Schikane gleichgesetzt werden. Auch muss die „Gorch Fock“ nicht gleich ins Marinemuseum wandern, weil ihre aktuelle Führung versagt hat oder einige Frauen sich an Bord drangsaliert fühlten. Vor allem aber: Verglichen mit dem öffentlichen Kakerlakenfressen im Fernsehen wirken die meisten Bundeswehr-Rituale geradezu appetitlich.
