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Die lange Nacht von Brüssel verschafft dem maroden Land und den um ihre gemeinsame Währung besorgten Euro-Partnern bestenfalls eine Atempause – bis zum nächsten Mal. Dass auch die Zustimmungen der nationalen Parlamente zum Rettungspaket noch ausstehen, ebenso wie die Höhe der Beteiligung des Internationalen Währungsfonds, stärkt das Vertrauen in dieses Spiel auf Zeit nicht. Jetzt muss sich bei den Politikern der Eurozone die Erkenntnis durchsetzen, dass der Marathonlauf gegen die Pleite der Griechen mit immer neuen Rettungsaktionen nicht zu gewinnen sein wird. Auch dann nicht, wenn man den Griechen als Gegenleistung für neue Kredite immer engere Sparfesseln anlegt.
Schon jetzt steht die erst vier Jahrzehnte junge Athener Demokratie in ihrer härtesten politischen und sozialen Zerreißprobe. Immer mehr Menschen sehen sich mit Recht wirtschaftlich an den Rand gedrängt – ihnen fehlt die Luft zum Atmen.
Umso mehr braucht das Euro-Land jetzt die Unterstützung und Solidarität der Partner. Ein einfaches „raus aus dem Euro und zurück zur Drachme“ kann nicht die Lösung sein. Zumal die Folgen dieses europäischen Präzedenzfalles unüberschaubar wären – nicht nur für die Griechen, sondern für alle Euro-Länder. Vielleicht ist ein Blick auf das Insolvenzrecht für Unternehmen hilfreich. Der Gang zum Insolvenzgericht bedeutet längst nicht mehr das Aus für ein Unternehmen. Vielmehr haben Firmen mit einem guten Insolvenzverwalter an ihrer Spitze die Chance, wieder in die Spur zu kommen. Das hat etwa die Entwicklung beim Modelabel Escada oder der Traditionsmarke Rosenthal-Porzellan gezeigt.
Doch dazu braucht es Investoren, die Vertrauen und Geld mitbringen. Geld, mit dem nicht Schulden getilgt, sondern Investitionen gestemmt werden. Im Fall Griechenland sind es die Euro-Partner, die Wachstumsimpulse nach dem Motto „Marshall-Plan statt Tilgungsplan“ setzen können und setzen müssen. Nur so hat Griechenland eine Chance. Und Europa auch.
