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Mit einem 27000-Liter-Wassertank unter einem Dach

Ehepaar aus Puschendorf nutzt Solarthermie für Warmwasser und Heizung - 05.08. 07:26 Uhr

PUSCHENDORF  - 69 statt 48 Grad — das war die erste Hürde, die es für Armin und Petra V. in Puschendorf zu überwinden galt. Denn 48 Grad muss in dem Baugebiet am Rande Puschendorfs, wo sich das Ehepaar im vergangenen Jahr sein Haus hat bauen lassen, normalerweise die Dachneigung sein.


Sieht aus wie ein Silo, ist aber ein riesiger Wassertank. Das rote Ungetüm wurde per Kran mitten ins Haus verfrachtet und dient dort als Wärmespeicher. Der ist so voll, dass die Familie locker einen Monat ohne Sonne überbrücken könnte.
Sieht aus wie ein Silo, ist aber ein riesiger Wassertank. Das rote Ungetüm wurde per Kran mitten ins Haus verfrachtet und dient dort als Wärmespeicher. Der ist so voll, dass die Familie locker einen Monat ohne Sonne überbrücken könnte.
Foto: Wraneschitz (2), Rupp
Sieht aus wie ein Silo, ist aber ein riesiger Wassertank. Das rote Ungetüm wurde per Kran mitten ins Haus verfrachtet und dient dort als Wärmespeicher. Der ist so voll, dass die Familie locker einen Monat ohne Sonne überbrücken könnte.
Sieht aus wie ein Silo, ist aber ein riesiger Wassertank. Das rote Ungetüm wurde per Kran mitten ins Haus verfrachtet und dient dort als Wärmespeicher. Der ist so voll, dass die Familie locker einen Monat ohne Sonne überbrücken könnte.
Foto: Wraneschitz (2), Rupp

Die Bauherren aber mussten unbedingt 69 Grad erreichen – sonst wäre aus ihrem Traum vom hocheffizienten „Energetikhaus 100“, dem ersten seiner Art in Bayern, nichts geworden. 95 Prozent des Bedarfs an Heizenergie und an Warmwasser produziert das Haus dank ausgefeilter Technologie selbst.

„Nur mit dieser Dachneigung lässt sich eine Solarthermie-Anlage auch im Winter, wenn die Sonne tief steht, gut nutzen“, erklärt Armin V. und zeigt auf das Dach auf der sonnigen Südseite seines Hauses, in das er mit Frau Petra und Sohn Jannick im April eingezogen ist.

Die Sonnenkollektoren leisten nur einen Teil der Arbeit

Auf 72 Quadratmetern Fläche produzieren die Sonnenkollektoren hier den einen Teil der Arbeit. Den anderen leistet ein mit sage und schreibe 27000 Litern Wasser dauerhaft gefüllter runder Stahltank, der fest in das Haus eingebaut ist und vom Erdgeschoss bis zum Dach reicht.


Von diesem sieben Meter hohen Pufferspeicher mit 2,50 Meter Durchmesser ist im modern eingerichteten Inneren des Hauses nur noch im Dachgeschoss der mit Thermofolie bedeckte Deckel zu sehen. Der Rest lässt sich nur noch erahnen und fügt sich erstaunlicherweise wie ein rundes Designelement gut in den modern eingerichteten Wohnbereich ein. 140 Quadratmeter Fläche hat das Haus im Erdgeschoss und im ersten Stock.

Der Bauherr ist inzwischen sehr darin geübt, die technische Funktionsweise zu erklären, da natürlich viele Bekannte und Freunde und auch potenzielle Bauherren wissen wollen, wie das System funktioniert. „Es ist ein relativ neues Konzept, das gesamte Haus mit Solarthermie zu heizen“, erklärt er. „Durch die Röhrchen der Sonnenkollektoren fließt eine Flüssigkeit, die durch die Kraft der Sonne erwärmt wird.“ Über einen Wärmetauscher, der in Schleifen geführt wird, gibt sie die Energie an den Wassertank ab. Die erhitzte Flüssigkeit aus dem Solarthermie-Absorber, die derzeit fast 100 Grad heiß ist, erhitzt das Wasser im Stahltank. Im Gegenzug fließt abgekühltes Wasser zurück in die Röhrchen auf dem Dach. Somit wird das Haus mit Warmwasser für die Fußbodenheizung und das benötigte Brauchwasser versorgt. Der solare Deckungsgrad beträgt rund 95 Prozent.


Der Speicher ist derzeit so voll, dass die Familie momentan locker einen Monat ganz ohne jede Sonne überbrücken könnte – rein technisch gesehen. Nur wenn im Winter die Sonne länger als vier bis fünf Wochen nicht scheint, kann es nötig werden, mit Hilfe eines Holzkamins zuzuheizen.

Ob es so weit kommt, steht derzeit noch in den Sternen. „Wir haben mit Hausbesitzern desselben Typs, die schon einen oder mehrere Winter hinter sich haben, gesprochen“, erzählt Petra V. „Und einer hat uns erzählt, dass er zum Einzug von skeptischen Bekannten eine Riesenladung Holz geschenkt bekommen hat. Die Vorräte stapeln sich jetzt noch in der Garage.“

Skeptische Freunde – die haben die Bauherren auch. „Wir mussten uns schon Bemerkungen anhören wie ,Ihr habt einen Swimmingpool mitten im Haus‘ oder ,Später könnt ihr wenigstens Fische züchten‘.“

Doch ob spaßig gemeint oder nicht – die Familie hat sich längst daran gewöhnt. Schließlich waren auch sie zu Anfang „sehr skeptisch, dass eine solche Technik wirklich zuverlässig funktionieren kann. Besonders ich hatte am Anfang starke Zweifel“, gibt Petra V. offen zu.

Doch Matthias Hüttmann, freiberuflicher Solarberater aus Puschendorf, habe die Familie schnell davon überzeugen können, dass dieses Energiehaus genau das Richtige für ihre Bedürfnisse ist.

„Wir wollten das Spiel mit den Energiekonzernen nicht mehr mitmachen, sondern möglichst unabhängig von ihnen werden“, erklärt Armin V. und räumt damit ein, dass nicht der ökologische Aspekt an allererster Stelle der Motivation stand, sondern eine Kombination aus Ökonomie und Ökologie. „Vor allem aber wollten wir in Zukunft weder auf Öl noch auf Gas setzen.“ Und dieses Ziel lasse sich durch die Idee des Solarspeichers sehr gut erreichen. Rund 30000 Euro Mehrkosten für das alternative Heizsystem hat die Familie dafür investiert, dass sie in Zukunft konzernunabhängig Wasser erhitzen und das gesamte Haus beheizen kann. Beim Strombezug bleibt sie allerdings von den Konzernen abhängig.

Das Konzept für das Haus bietet die Baufirma Fasa AG aus Chemnitz an. Das Haus entwickelt haben sächsische Firmen in Zusammenarbeit mit der TU Bergakademie in Freiberg.

Größere Enttäuschungen während der Bauzeit hat Armin V. nicht erlebt. „Enttäuscht waren wir hingegen vom Staat, der kurzfristig die Förderung für Solarthermie bei Neubauten gestrichen hat. Das zeigt mir, dass man sich auf den Staat nicht verlassen kann“, sagt der Bauherr.

Dass der Staat Wärmepumpen weiterhin stark fördert, „obwohl diese mit Strom beheizt werden und man damit abhängig vom Stromversorger ist“, das bleibt für die Familie ein Rätsel.

Sie würde es sehr begrüßen, wenn mehr Häuser dieser Art auch in Franken gebaut würden – „die Schweiz und Ostdeutschland machen es vor“, sagt Armin V.

Erst einmal müsse das Konzept aber bekannter werden. Deshalb sind die beiden schon ein wenig stolz darauf, dass Sohn Jannick kürzlich in der Schule im Deutschunterricht ein Referat zum Thema „Wie funktioniert ein Energetikhaus?“ gehalten hat. 



Stephanie Rupp

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