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Die Leichtigkeit des „Arabischen Frühlings“ aber ist längst einem Herbst der Realitäten gewichen. Die Revolution dauert an, und die Revolutionäre werden ungeduldig. Hilfe von außen ist nötig, um die Umsturzbewegungen aus Sicht der Menschen in Nordafrika, aber auch aus Sicht der Partner im Nordwesten, zu einem guten Ende zu bringen – oder zumindest in die richtigen Bahnen zu lenken. Hilfe, die auch aus Deutschland kommt.
„Die Tunesier sind ganz auf uns fixiert“, schildert Dagmar Wöhrl die Eindrücke ihrer jüngsten Reisen an den Südrand des Mittelmeers. Kein Wunder: Denn während die einstige Kolonialmacht Frankreich Ben Alis Präsidentialdiktatur allzu lange gestützt hatte, bot Berlin zuerst seine Hilfe an, als es darum ging, die Zeitenwende zu fördern.
Doch mit der anfänglichen Unterstützung war es nicht getan. Die Enttäuschung wächst – weil sich die Wünsche nach politischer Freiheit und persönlichem Wohlstand nicht so schnell erfüllen wie erhofft. Die Rückkehr hunderttausender Arbeiter aus dem umkämpften Libyen verschärft die Situation. „Revolutionäre Geduld“ sei da nötig, mahnt die Nürnberger CSU-Abgeordnete, die im Bundestag den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung leitet. Damit es nach dem Sturz der alten Herrscher nicht zu unerwünschten Wendungen kommt, fördert die Bundesrepublik Bildung, Beschäftigung und Demokratisierung in Tunesien und Ägypten jeweils mit millionenschweren Fonds.
Der Mangel an Arbeitsplätzen sei letztlich die Hauptursache für die Unruhen in Nordafrika, sagt Wöhrl nach ihrer Rückkehr von der IWF- und Weltbank-Tagung in Washington im Gespräch mit der NZ-Redaktion. Drei von vier jungen Tunesiern erwerben einen Hochschulabschluss. Und von den 700000 Menschen, die jedes Jahr neu auf den ägyptischen Arbeitsmarkt drängen, sind die Hälfte Akademiker. An gut ausgebildeten Handwerkern und Facharbeitern fehlt es dagegen überall. „Die Ausbildung geht am Arbeitsmarkt vorbei“, diagnostiziert Wöhrl. Aus dem Beschäftigungsfonds fließen daher 20 Millionen Euro in Form von Mikrokrediten nach Nordafrika, damit sich Handwerker und andere selbstständig machen können.
Wöhrl, die frühere Wirtschafts-Staatssekretärin, setzt allerdings auch auf den deutschen Mittelstand, wenn es darum geht, den arabischen Job-Motor anzuschmeißen. 5000 neue Arbeitsplätze entstehen so bereits in Tunesien. „Den Ländern kann nichts Besseres passieren als das Engagement deutscher Firmen“, sagt die Unternehmer-Gattin selbstbewusst. Schließlich heben die deutschen Investoren auch die Sozialstandards. In Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handwerks-Kammern informiert Wöhrl Interessierte über die Chancen des nordafrikanischen Marktes, sie spricht aber auch über Risiken: Etwa, dass die arabischen Arbeiter schon mal das Firmengelände besetzen, wenn sie um ihre Jobs fürchten.
Politischen Sprengstoff gibt es im nachdiktatorischen Nordafrika ohnehin reichlich. Gerade in Ägypten sieht es derzeit eher nach einer Islamisierung denn nach echter Demokratie aus, betont Wöhrl. Die „Freiheits- und Gerechtigkeitspartei“ der umstrittenen Muslimbrüder liegt in Umfragen bereits bei 25 Prozent. Berührungsängste hat die CSU-Frau dennoch nicht. Mohammed Morsy, dem Parteivorsitzenden, reichte Wöhrl bei einer Begegnung in Kairo forsch die Hand. Und Morsy, der sonst keiner Frau die Hand gibt, schlug ein.
Mi. 07.03.12
Fr. 02.03.12
Di. 28.02.12
Mo. 27.02.12
Sa. 25.02.12