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Roth im Wechselbad der Gefühle

Der Bundeswehr-Standort bleibt, aber er schrumpft - 27.10.11

ROTH 

Die Rother Otto-Lilienthal-Kaserne wird nicht geschlossen, aber die Hubschrauber der Heeresflieger werden abgezogen.
Die Rother Otto-Lilienthal-Kaserne wird nicht geschlossen, aber die Hubschrauber der Heeresflieger werden abgezogen.
Foto: Stefan Hippel
Die Rother Otto-Lilienthal-Kaserne wird nicht geschlossen, aber die Hubschrauber der Heeresflieger werden abgezogen.
Die Rother Otto-Lilienthal-Kaserne wird nicht geschlossen, aber die Hubschrauber der Heeresflieger werden abgezogen.
Foto: Stefan Hippel

Wochen und Monate lang war in Roth viel vom 26. Oktober die Rede gewesen. Für die Soldaten, aber auch für die Politiker der Kreisstadt endete an diesem Tag die Zeitrechnung. Erst dann, so hatte der Verteidigungsminister angekündigt, gebe es Klarheit über die Zukunft der Bundeswehrstandorte – also auch über die OttoLilienthal-Kaserne in Roth.

Dass diese Kaserne auf der Streichliste des Ministers ganz oben stand, vermuteten nicht nur notorische Schwarzmaler. In den vergangenen Jahrzehnten hatten hier zehntausende Luftwaffen-Rekruten ihre Grundausbildung absolviert, nach dem Wegfall der Wehrpflicht blieben in Roth viele Betten leer.

Gestern also kam die für Roth erlösende Nachricht aus Berlin: die Bundeswehr gibt den einzigen noch verbliebenen Standort in Mittelfranken nicht auf. Doch der Wermutstropfen folgte gleich hinterher: der Standort wird massiv verkleinert, von 2800 bleiben gerade einmal 540 Dienstposten übrig.



Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, erklärt CSU-Bürgermeister Ralph Edelhäußer, habe er die Entscheidung aufgenommen. In die Freude, dass Roth als Garnisonsstadt erhalten bleibt, mischte sich die Trauer, dass die Heeresflieger hier keine Zukunft mehr haben werden.

Auch Landrat Herbert Eckstein beschreibt sein Wechselbad der Gefühle. „Erst posaunt Seehofer aus, dass Roth gerettet sei, dann stellt sich heraus, dass Roth einer der größten Verlierer dieser Reform ist“, wettert der SPD-Politiker. Mit dem Verlust von über 2200 Dienstposten werde nicht nur der Bundeswehrstandort gewaltig geschwächt, sondern auch die Kreisstadt Roth und die gesamte Region.

Ein wenig Enttäuschung ist auch Oberst Michael Mittelberg anzumerken. Der Kommandeur des Kampfhubschrauberregiments 26, das den schönen Namen „Franken“ trägt, hatte bis zuletzt eine 50-Prozent-Chance gesehen, dass seine Einheit in Roth bleiben kann. Nun hat das hessische Fritzlar das Rennen um die Stationierung der neuen „Tiger“-Kampfhubschrauber gewonnen. Und nicht nur die Investitionen, die bereits in neue Hallen getätigt wurden, schmerzen den Kommandeur, auch das Schicksal von 770 Soldaten und ihren Familien, die sich in der Region niedergelassen haben, macht dem Oberst Sorge. „Wir alle hoffen, dass die Begleitmaßnahmen sie möglichst gut auffangen,“ sagt Mittelberg.

Oberstleutnant Christian Prestele, der stellvertretende Kommandeur des Luftwaffenausbildungsregiments, kann dem 26. Oktober dagegen auch positive Seiten abgewinnen. Dass die Offiziersschule der Luftwaffe von Fürstenfeldbruck nach Roth umziehen wird, ist für ihn eine durchaus positive Nachricht. „Der Standort wird dadurch deutlich aufgewertet“, erklärt er mit Hinweis auf die bundesweit einmalige Ausbildung. Nackte Zahlen sind seiner Ansicht nach wenig aussagekräftig: „Die Offiziersschüler tauchen in keiner Statistik auf.“ Deshalb, so rechnet Prestele vor, kommen zu den offiziellen Posten noch 400 bis 500 Offiziersanwärter und zahlreiche Soldaten aus dem In- und Ausland, die Weiterbildungskurse besuchen. Prestele ist sich sicher: „Der Standort Roth wird durch die Umstrukturierung entscheidend gewinnen.“

Mit dieser Sicht der Dinge steht der Oberstleutnant in Roth derzeit noch ziemlich einsam da. In einem Café in der Innenstadt hat sich die Neuigkeit schon herumgesprochen. Drei ältere Damen, die sich hier zu ihrem täglichen Kaffeeklatsch treffen, unterhalten sich über den Stellenabbau in der Kaserne. „Jetzt gibt es in Roth bald noch weniger Arbeit“, fürchtet eine der Drei. Vor wenigen Wochen hatte Marktkauf überraschend angekündigt, die Filiale in der Rother Innenstadt zu schließen. 60 Arbeitnehmer, vor allem Frauen, werden dann ihren Job verlieren. In der Otto-Lilienthal-Kaserne werden etwa 80 zivile Arbeitsplätze wegfallen.

Und noch etwas wird in Roth in Zukunft fehlen: ein Flugplatz. Mit dem Abzug der Heeresflieger wird er geschlossen, das wiederum trifft auch die Hubschrauberstaffel der Polizei, die bislang hier stationiert war. Gestern wurden in Roth also noch nicht alle Fragen beantwortet. 



Sigrun Eibner

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Zum Thema
Otto-Lilienthal-Kaserne



Kurzbeschreibung:
Die Otto-Lilienthal-Kaserne ist mit 2750 Dienstposten nach München der mit Abstand größte Bundeswehrstandort in Bayern. Roth-Kiliansdorf (Standort seit 1956, ab 1961 Stationierung der Heeresflieger) steht im Rahmen der aktuellen Bundeswehrplanungen zur Disposition.