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NZ: Mister O‘Leary, wie sind Sie nach Nürnberg gekommen – mit einem Linienflug oder im Privatjet?
Michael O‘Leary: Ich bin mit einer Ryanair-Maschine, einer Boeing 737, gekommen. Wir sind eine Billigairline – wir haben keine Privatmaschinen. Aber im Winter lassen wir einige Maschinen am Boden, das macht es leichter, sich mal für einen Tag ein Flugzeug zu schnappen und verschiedene Termine zu absolvieren.
NZ: Waren Sie angeschnallt?
O‘Leary: Natürlich! Das ist auch bei Ryanair Pflicht.
NZ: Eine Ihrer vielbeachteten Aussagen war, dass Sitzgurte nutzlos sind.
O‘Leary: Ja... nun... Ich sage bestimmte Sachen, um kostenlose Publicity für Ryanair zu bekommen und dann sage ich bestimmte Dinge, die ich ernst meine. Jeder bei Ryanair muss Sitzgurte benutzen, jeder bekommt einen und das kostet auch nichts.
NZ: Noch nicht. Aber das könnte ja eines Tages noch kommen...
O‘Leary: Nein! Das wäre illegal und damit unmöglich.
NZ: Fliegen Sie auch mit anderen Fluggesellschaften als mit Ryanair?
O‘Leary: In Europa nicht. Über den Atlantik gelegentlich. Dann fliege ich meist mit Continental oder United Airlines.
NZ: Fliegen Sie First, Business oder Economy Class?
O‘Leary: Auf Kurzstrecken-Flügen immer Economy, auf Langstreckenflügen Business Class. Ich bin noch nie First Class geflogen.
NZ: Wirklich noch nie?
O‘Leary: Nein, noch nie. Ich sehe keinen Grund dafür. Business reicht mir völlig. Mir geht es vor allem darum, dass ich auf dem Rückflug schlafen kann, damit ich fit bin, um morgens direkt ins Büro fahren zu können.
NZ: Welchen Service erwarten Sie von einer Fluglinie?
O‘Leary: Sicherheit. Pünktlichkeit, Effizienz und niedrige Preise. Flugreisen sind keine Serviceleistung. Es geht lediglich darum, von A nach B zu kommen – und das so sicher, schnell und günstig wie nur möglich.
NZ: Service oder gar besonderer Service interessieren Sie nicht...?
O‘Leary: Es interessiert mich überhaupt nicht, ob ich morgens um sieben auf einem Business-Flug Champagner trinken kann. Es ist mir auch völlig egal, ob ich im Flugzeug etwas essen kann, das zwei Mal gekocht und zwei Mal wieder aufgewärmt wurde. Oder ob ich ein Tuch bekomme, das voll mit Chemikalien ist, nur damit ich mir die Hände abwischen kann. Ich brauche den ganzen Quatsch nicht. Was mich interessiert, sind die wichtigen Aspekte des Airline-Service: Sicherheit, Pünktlichkeit, eine freundliche Crew. Und ich will einen schönen Ledersitz – so wie er in Ryanair-Flugzeugen zu finden ist.
NZ: Auf einer Seite geben Sie viel Geld für neue Flugzeuge aus, auf der anderen Seite sparen Sie so viel Geld wie nur irgendwie möglich am „Drumherum“. Wie passt das zusammen?
O‘Leary: Ja, wir haben eine Menge Geld für neue Flugzeuge ausgegeben. Unsere letzte Bestellung waren 200 Maschinen auf einmal – was uns einen großen Rabatt beschert hat. Unsere Flugzeuge sind größer als die anderer Unternehmen. Viele haben etwa 180 Sitze an Bord, wir haben 189 – das sind neun Extra-Plätze. Und wir versuchen, das Flugzeug so effizient und sicher wie möglich zu betreiben. Und diese Kombination sorgt dafür, dass wir die günstigste Kostensituation aller europäischen Fluglinien haben.
NZ: Neun Extra-Sitze pro Flugzeug: Wieviel Geld mehr erwirtschaften Sie dadurch?
O‘Leary: Neun Sitze multipliziert mit einem Durchschnittspreis von 44 Euro multipliziert mit durchschnittlich sechs Flügen pro Tag macht eine knappe Million Euro extra pro Flugzeug und Jahr. Diese neun Extra-Sitze bezahlen damit fast das Flugzeug, geht man von einer Nutzungsdauer von 25 Jahren aus.
NZ: Wenn Sie sich – auch das ist eine Ihrer Ideen – den Gang zur Toilette auf Kurzstreckenflügen bezahlen lassen, würden weniger Passagiere die Toilette benutzen. Damit bräuchten Sie weniger Toiletten und hätten noch mehr Platz für noch mehr Sitze...
O‘Leary: Ich glaube, das irritiert viele Menschen. Sie denken, Ryanair lässt sich alles extra bezahlen. Das tun wir nicht. Wir erheben all diese Gebühren, um das Verhalten der Passagiere zu ändern. An Bord jedes Flugzeugs sind drei Toiletten. Wir würden gerne die beiden hinteren Toiletten entfernen. Damit wäre Platz für sechs weitere Sitzplätze. Dies würde uns erlauben, die Fluggebühr jedes Passagiers um fünf Prozent zu senken – und zwar das ganze Jahr über.
NZ: Ist das so? Das würde den Passagieren zugute kommen und nicht der Ryanair-Bilanz?
O‘Leary: Es ist gut für unseren Gewinn, wenn wir mehr Passagiere transportieren. Und wir bekommen mehr Passagiere an Bord, wenn wir niedrige Preise anbieten können.
NZ: Viele Airlines schreiben rote Zahlen, andere gehen sogar pleite. Ryanair macht hohe Gewinne. Was machen Sie anders?
O‘Leary: Wir sind sehr diszipliniert. Es gibt viele Beispiele von Airlines, gerade hier in Deutschland, die versucht haben, schnell zu wachsen, indem sie verlustreiche Airlines gekauft haben. Wenn man eine defizitäre Fluglinie kauft, ist es am Ende genau das, was man hat: eine defizitäre Fluglinie. Und dann wird alles mögliche zusammengeführt, was nicht immer zusammenpasst – verschiedene Flugzeugtypen etwa. Was Ryanair in all den 28 Jahren hingegen getan hat, ist, mehr Flugzeuge zu kaufen, um unser eigenes Modell immer weiter auszubauen. Wir wachsen organisch und verlieren dabei das Wichtigste nie aus dem Blick: Kosten, Kosten, Kosten.
NZ: Welche Rolle spielt die Bordverpflegung und anderer Service?
O‘Leary: Sehen Sie, wenn Sie im Flieger Essen gratis anbieten, dann nehmen die Leute das Angebot natürlich an, denn es ist gratis. Aber wenn man ihnen zeigt, dass sie deshalb 100 oder 150 Euro fürs Ticket bezahlen, dann entscheiden sie sich für den 50-Euro-Flug ohne Extras. Die erste Frage, die bei einer Flugbuchung in der Regel kommt, lautet: Was ist der günstigste Preis? Und nicht: Wo bekomme ich das beste Essen oder den meisten Champagner? Die Leute sollten das Geld für gutes Essen oder guten Wein nicht auf ihrem Weg in den Urlaub ausgeben, sondern im Urlaub selbst.
NZ: Es scheint fast, dass mit diesem Aldi-Konzept dem Wachstum von Ryanair in Europa keine Grenzen gesetzt sind...
O‘Leary: Grenzenloses Wachstum... das stimmt sicher für die nächsten fünf bis zehn Jahre. In dieser Zeit können wir leicht wachsen von derzeit rund 80 Millionen Passagiere auf 120 Millionen jährlich. Es wird die Zeit kommen, in der wir Grenzen erreichen werden. Aber ich schätze, bis zu 200 Millionen Passagiere sind machbar für uns.
NZ: Ohne viel Geld für Marketing-Kampagnen ausgeben zu müssen?
O‘Leary: Unsere niedrigen Preise sind für uns fast Marketing genug.
NZ: Ist das auch ein Teil Ihres Konzeptes: Egal, was die Leute sagen – Hauptsache, sie reden über Ryanair?
O‘Leary: Ja. Gerade im Internetzeitalter ist ganz besonders wichtig, dass man Lärm erzeugt. Für die beste Publicity sorgte eine Bemerkung von mir auf einer sehr seriösen Bilanzpräsentation. Ich erwähnte dabei, dass die Passagiere für ihre eigenen Laptops Internetzugang an Bord bekommen sollen, so dass sie sich Spiele oder Pornos herunterladen können. Am Abend flog ich nach New York. Als ich neun Stunden später landete, gab es im Netz schon mehr als 1500 Meldungen über ,Pornos an Bord von Ryanair‘. Unser Buchungssystem wäre in dieser Nacht fast zusammengebrochen.

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