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Die öffentliche Kritik an ihrem Verein „Innocence in Danger“ (Unschuld in Gefahr) sowie an der TV-Show „Tatort Internet“, bei der sie als Moderatorin mitwirkte, haben der Gattin von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg heftig zugesetzt. Deshalb wählt sie öffentliche Termine momentan sehr sorgfältig aus.
Doch dann fährt ihr Wagen tatsächlich am Nürnberger Tierheim vor. Vorsichtig steigt die 34-Jährige aus dem Auto, stöckelt auf ihren schwarzen hohen Stiefeln durch den Schnee in Richtung Eingangsbereich, wo Gastgeberin Dagmar Wöhrl sie in Empfang nimmt. Die CSU-Bundestagsabgeordnete hatte in ihrer Funktion als Bezirksvorsitzende der „Frauen Union“ zum Charity-Empfang geladen.
Bevor sich zu Guttenberg, die wie immer elegant im schwarzen langen Kleid erscheint, gemeinsam mit anderen prominenten Gästen wie FCN-Manager Martin Bader und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke ins Getümmel stürzt, lässt sie sich von Wöhrl bereitwillig durch die Räume des Tierheims führen. Für kleine Hunde und niedliche Katzen kann sie sich mindestens genauso begeistern wie die Tierfreundin Wöhrl. Weniger erfreut ist sie hingegen über die derzeitige Berichterstattung über ihren Verein. Erstaunt sei sie über eine „derart durchsichtige Kampagne“, die da gegen „Innocent in Danger“ geführt werde. Selten sei sie auf so viele Unwahrheiten gestoßen. Gemeint sind vor allem die jüngsten Presseberichte, die der Kinderschutzorganisation, die sich vorrangig mit dem Thema sexueller Missbrauch im Internet beschäftigt, unter anderem mangelnde Transparenz vorwerfen. „Gegen die Berichterstatter haben wir Strafanzeige erstattet“, sagt zu Guttenberg. Es sei, betont sie weiter, keineswegs so, dass „wir unsere Zahlen nicht offenlegen würden“. Wie zum Beweis zieht sie ihr iPhone aus der Tasche und zitiert: „2009 betrug die Summe der Zuwendungen 149605 Euro, im Jahr davor waren es 154936 Euro.“ Bis Ende Oktober dieses Jahres seien etwa 200000 Euro eingegangen.
Auch der Kritikpunkt, ihre Organisation gebe keine Auskünfte über die Verwendung der Spendengelder, sei nicht haltbar. Vielmehr hätten bislang einfach die Anfragen gefehlt. „Wir sind nun mal ein Mini-Verein, es hat sich einfach bisher niemand dafür interessiert, was konkret mit den Geldern passiert.“ Sexueller Missbrauch an Kindern sei außerdem ein sehr schwieriges Thema, von dem bis vor kurzem niemand etwas hören wollte. „Noch vor nicht allzu langer Zeit haben wir ums Überleben gekämpft“, sagt zu Guttenberg und versichert. „Natürlich werden wir unsere Zahlen öffentlich machen.“
Das Interesse an dem Verein scheint aller Kritik zum Trotz nicht abzureißen. 150 Teilnehmer hatten sich für die Veranstaltung der Nürnberger „Frauen Union“ angemeldet. Dass viele dann doch nicht kamen, lag wohl eher am Wetter denn an der kursierenden Kritik.
Einer, der sich erfolgreich durch die Schneemassen gekämpft hat, ist Bundestorwarttrainer Andreas Köpke. Der ehemalige Nationaltorhüter ist selbst seit langer Zeit ehrenamtlich tätig, hat unter anderem die Schirmherrschaft des Vereins „Kinder sind unsere Nummer eins“ inne.
„Ich kann die Kritik an Innocence in Danger nicht nachvollziehen“, sagt Köpke im Gespräch mit der NZ. Es werde der Eindruck erweckt: Wer das Spendensiegel des DZI nicht hat, sei unseriös. Dabei gehe allein durch den Zertifizierungsprozess viel Geld verloren. Köpke zumindest hält die Arbeit von Stephanie zu Guttenberg für extrem wichtig: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass an einer Sache irgendetwas nicht stimmt, wenn sich Dagmar Wöhrl und Stephanie zu Guttenberg für sie stark machen.“
Den Ex-Torwart braucht die adelige Ministergattin vom Sinn ihrer Tätigkeit also nicht mehr zu überzeugen – ebensowenig wie die anderen Gäste des Benefiz-Abends.
Dennoch hält sie bei ihrer Stippvisite in Nürnberg ein eindringliches Plädoyer für den Kampf gegen Kindesmissbrauch. Es ist eine Herzensangelegenheit für sie. Das merkt man, wenn sie leidenschaftlich und auch glaubwürdig über das Thema spricht: Über die perfiden Methoden der Täter, über die Opfer, denen häufig zunächst niemand Glauben schenkt, über die Polizei, die aufgrund chronischer Unterbesetzung oft die schrecklichen Verbrechen nicht effektiv genug ahnden kann – und über das Internet, das Kinderpornos mehr und mehr zur Massenware macht.
Der Schrecken und das Entsetzen über diese Fakten sind zu Guttenberg deutlich anzumerken. Auch nach den vielen Jahren, in denen sie sich damit befasst hat. Auch über ihren Verein redet sie, verteidigt ihn noch einmal leidenschaftlich gegen jegliche Vorwürfe.
Und sie spricht auch über die Arbeit, die Innocence in Danger mit seinen doch überschaubaren Mitteln leistet: Dazu gehören Präventionskampagnen, Kunstwochen für traumatisierte Opfer oder die Ausbildung junger Menschen zu Präventionsberatern für andere Jugendliche. All das erzählt der prominente Gast, bis Moderatorin Evi Kurz sie behutsam unterbricht. „Ich könnte hier stundenlang erklären“, sagt Stephanie zu Guttenberg. Das aber braucht sie eigentlich gar nicht – man versteht sie auch so.
