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Vorher hat er die Öffentlichkeit nicht informiert und räumt nun ein: „Das geht auf meine Kappe. Ich habe das zu keiner Sekunde als berichtenswerte Nachricht eingestuft. Damit lag ich offensichtlich vollkommen falsch“, sagt er angesichts der auf ihn gerichteten Kameras und Mikrophone. Doch kein Mensch sei wirklich gefährdet gewesen, der Gepard habe sich bereits 20 bis 30 Sekunden nach dem beherzten Sprung aus dem Gehege ins Gebüsch verkrochen und habe dauernd unter Beobachtung der Zoomitarbeiter gestanden.
Turbo ist ein ausnehmend schöner Gepard, ein drahtiges Tier. Und: „Er ist extrem aufmerksam, was Dinge außerhalb des Geheges angeht“, meint Encke. Als Turbo am Montagnachmittag Wind von den Ponys bekommt, die mit ihrer Pflegerin routinemäßig durch das Tiergartengelände spazieren, da dominiert bei dem Kater der Jagdtrieb. Er setzt zum Sprung an, stemmt sich an der Sandsteinmauer ab, hievt sich hoch und stürzt sich sofort auf das Shetlandpony Graciella. Doch das vierjährige Pony reagiert prompt, tritt nach ihm und tut ihm weh. Turbo flieht in ein Brombeergebüsch in der Nähe. Dort wird er später von Narkosepfeilen aus dem Gewehr von Zootierärztin Katrin Baumgartner getroffen.
Für die wenigen Zoobesucher, die sich an dem kalten Wintertag so weit hinten im Tiergartengelände befanden, habe keine Gefahr bestanden, so der Zoochef. Es sei nicht möglich und auch gar nicht mehr nötig gewesen, sie zu informieren, weil die Mitarbeiter innerhalb von zwei bis drei Minuten vor Ort waren und das Tier „immer unter Kontrolle hatten“.
Geparde zählen nicht zu den „besonders gefährlichen“ Zootieren. Für ihre Unterbringung ist „ein zwei Meter hoher Zaun mit Überhang“ vorgeschrieben. Die Anlage am Schmausenbuck ist durch eine 2,70 bis 3,10 Meter hohe Sandsteinmauer und einen Elektrozaun gesichert.
Turbo hat sich die niedrigste Stelle ausgesucht. Warum ihn auch der Elektrozaun nicht zurückhalten konnte, darüber kann Encke nur spekulieren: „Er hatte wohl einen solchen Adrenalinstoß, dass er den Zaun ignoriert hat. Oder er ist genau zwischen zwei elektrischen Impulsen gesprungen. Oder er hat den Schlag nicht gespürt, weil das Fell isoliert und kein Hautkontakt stattgefunden hat.“
Der ganze Vorfall war überhaupt nur möglich, weil Turbo vor ein paar Wochen ins Geparden-Hauptgehege umgesetzt wurde. Genauer gesagt, nachdem er seine Partnerin Kelly gedeckt hatte. Das Weibchen sollte im unteren, von der Öffentlichkeit nicht einsehbaren Teil der Anlage bleiben, damit es dort mehr Ruhe hat bis zur Geburt. Nun haben die beiden wieder getauscht. Turbo lag gestern noch im Stall, leckte seine Wunden und schlief sich nach der Betäubung richtig aus. Er hat Hämatome über den Rippen und an der Hinterhand davongetragen. Shetlandpony Graciella dagegen war schnell wieder auf dem Posten, hinkt allerdings noch ein wenig.
Die Geparden-Anlage soll nun sicherer werden, indem eine weitere Steinreihe aufgemauert und eventuell zusätzlich ein überhängendes Gitter angebracht wird – auch wenn das für die Besucher nicht sehr schön aussieht. „Überhänge“ gibt es im Tiergarten bereits bei den richtig gefährlichen Tieren, etwa bei den Tigern und Löwen im Außenbereich des Raubtierhauses. Im Gebäude selbst trennen dicke Panzerglasscheiben Mensch und Tier. Seit dem Umbau gilt „höchste Sicherheitsstufe“ mit doppelten Schließanlagen und einem einbruchsicheren Blockschloss, ebenso bei den Gorillas und den Eisbären. Bei denen wurde eine neue Schließanlage installiert, nachdem im März 2000 Unbekannte vier Bären freigelassen hatten.
Die Besucher brauchen laut Encke also keine Angst zu haben: „Im Tiergarten ist man mindestens so sicher wie in der Innenstadt.“
Mehr zum Tiergarten finden sie im NZ-Blog "Achtung, Wolf!"
