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Wieviel Gefahr steckt im Hähnchen?

Antibiotika und Keime - 10.01. 08:00 Uhr

NÜRNBERG  - Der massive Einsatz von Antibiotika in der Geflügelzucht ist gefährlich für Tier und Mensch. Das hat eine neue Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) bestätigt. Von 20 untersuchten Hühnerfleischproben enthielten zehn antibiotikaresistente Bakterien. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.


Nun rächt sich die Massentierhaltung: Weil viele Hähnchen in der Nutztierzucht – vor allem in Großbetrieben – Antibiotika bekommen, wird die Gefahr auch für den Menschen immer größer, dass sich Antibiotika-Resistenzen bilden. Dadurch werden manche Krankheiten bald nicht mehr behandelbar.
Nun rächt sich die Massentierhaltung: Weil viele Hähnchen in der Nutztierzucht – vor allem in Großbetrieben – Antibiotika bekommen, wird die Gefahr auch für den Menschen immer größer, dass sich Antibiotika-Resistenzen bilden. Dadurch werden manche Krankheiten bald nicht mehr behandelbar.
Foto: dpa
Nun rächt sich die Massentierhaltung: Weil viele Hähnchen in der Nutztierzucht – vor allem in Großbetrieben – Antibiotika bekommen, wird die Gefahr auch für den Menschen immer größer, dass sich Antibiotika-Resistenzen bilden. Dadurch werden manche Krankheiten bald nicht mehr behandelbar.
Nun rächt sich die Massentierhaltung: Weil viele Hähnchen in der Nutztierzucht – vor allem in Großbetrieben – Antibiotika bekommen, wird die Gefahr auch für den Menschen immer größer, dass sich Antibiotika-Resistenzen bilden. Dadurch werden manche Krankheiten bald nicht mehr behandelbar.
Foto: dpa

Wie lief die Studie ab?

Die Autoren der BUND-Studie haben in Nürnberg, Hamburg, Berlin, Köln und der Stuttgarter Region insgesamt 20 Hähnchen-Frischfleischproben gekauft – darunter Schenkel, Flügel, Brustfilet und Frikasseehuhn. Eingekauft wurde bei Edeka, Netto (gehört zu Edeka), Rewe, Penny (gehört zu Rewe), Aldi, Lidl (Schwarz-Gruppe), Real (Metro) und Kaufland (Schwarz-Gruppe).

Berücksichtigt wurde dabei mit einer Ausnahme nur Fleisch der größten Hersteller Wiesenhof, Stolle und Sprehe. Getestet wurden die Proben vom Hamburger Labor Fen-Lab GmbH, das unter anderem spezialisiert ist auf Lebensmittelmikrobiologie und auf Krankenhaushygiene. Der BUND räumt ein, dass es sich um keine repräsentative Untersuchung handelt, sondern um eine Stichprobe – deren Belastungsgrad Verbraucher und die Politik allerdings aufrütteln und warnen sollte, wie BUND-Sprecherin Almut Gaude im NZ-Gespräch sagte.

Was genau wurde gefunden – und wie schnitt Nürnberg ab?

In elf der 20 Proben wurden Keime entdeckt, die MRSA- oder ESBL-Bakterien produzieren können, welche bereits gegen viele Antibiotika-Arten resistent sind. Zehnmal wurde ESBL, zweimal MRSA gefunden. In einer der vier Proben aus Nürnberg waren ESBL-Keime nachweisbar. Sie stammte von der Firma Sprehe und wurde unter dem Label „Astenhof“ in einem Edeka-Laden verkauft. In welchem genau, wollte der BUND jedoch nicht sagen. Eine weitere Probe (Astenhof/Sprehe) von Edeka war unbedenklich, ebenso wie die beiden Wiesenhof-Hähnchen, die unter dem Label „geka“ in zwei Nürnberger Aldi-Filialen gekauft wurden.

Was ist ESBL?

Hinter der Abkürzung verbergen sich Enzyme, die so genannten Extended Spectrum Beta-Laktamasen. Wenn Darmkeime wie zum Beispiel E.coli diese Enzyme produzieren, dann sind sie gegenüber bestimmten Antibiotika wie etwa Penicillin resistent.

Was ist daran für den Menschen gefährlich?

Der Verzehr von ESBL-resistenten Keimen kann bedeuten, dass sich diese in der Darmflora des gesunden Menschen einnisten. Wird dieser Mensch krank und benötigt eine Operation, kann es bei ihm schlimmstenfalls zu Entzündungen kommen, die durch gängige Antibiotika nicht mehr behandelbar sind. Laut BUND können sich die Keime auch im Krankenhaus weiterverbreiten. Wohl aus diesem Grund wird die Ansteckung mit ESBL-Bakterien in Deutschland noch meist als reines Krankenhaus-Problem betrachtet. In den Niederlanden hingegen nimmt man die Diskussion darüber, dass die Keime auch durch Lebensmittel übertragen werden können, schon heute viel ernster. Gesunden können die Keime zunächst nichts anhaben, für bereits geschwächte Personen sieht die Lage kritischer aus.

Wie werden ESBL-produzierende Keime über Lebensmittel übertragen?

Zunächst die gute Nachricht: Wer ein Brathähnchen verzehrt, ist in Sachen ESBL auf der sicheren Seite. Denn das Fleisch ist dann durchgebraten. Allerdings kann eine Übertragung erfolgen, wenn in einer Küche nicht peinlich genau hygienisch gearbeitet wird. Fasst etwa der Koch oder die Köchin (zuhause oder im Restaurant oder in der Imbissbude) das rohe, mit ESBL belastete Hühnerfleisch an und bereitet danach einen Salat zu, ohne die Hände gewaschen zu haben, können die Bakterien im Salat landen – und über den Mund aufgenommen werden. Es reicht auch, wenn ein und dasselbe Messer für Fleisch und Salat benutzt wird, ohne zwischendurch richtig gereinigt zu werden.

Kann am Ende gar ein normaler Restaurantbesuch für einen Vegetarier „gefährlich“ werden, der Pasta und Salat bestellt?

Sicher davor wäre man konsequent gedacht laut BUND-Sprecher Rüdiger Rosenthal nur in einem vegetarischen Restaurant. Der bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern verweist hingegen auf die geltenden strengen Hygienevorschriften in Hotels und Gaststätten. Jeder Mitarbeiter in der Gastronomie müsse entsprechend unterrichtet werden, um die Hygiene bei der Zubereitung von Speisen zu gewährleisten, sagte Christina Hübl, Referentin Öffentlichkeitsarbeit beim DEHOGA Bayern, der NZ. Sie verweist auf ein neues Qualitätssiegel in der bayerischen Gastronomie, den GastroManagementPass (GMP), der ein Instrument zur Sicherung der bestehenden Hygiene- und Qualitätsstandards der Branche ist.

Was sind MRSA-Keime?

MRSA (Methicillin resistente Staphylococcus aureus) sind Bakterien, die bei Menschen und Tieren Haut und Schleimhäute besiedeln und dort Wundinfektionen verursachen können. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können sie Blutvergiftungen und Lungenentzündungen hervorrufen. Auch MRSA-Bakterien sind gegen viele Antibiotika resistent.

Warum werden überhaupt so viele Antibiotika in der Massentierhaltung eingesetzt?

Eine immer größere Zahl von Nutztieren auf viel zu wenig Platz zu halten – das ist laut dem BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger nur unter Einsatz großer Mengen von Antibiotika möglich. Erlaubt ist es eigentlich nur, ganze Tiergruppen mit Antibiotika zu behandeln, wenn mindestens ein Tier krank ist. Bei Bio-Hühnern ist die Gabe von Antibiotika strenger reguliert: Nur ein erkranktes Einzeltier darf behandelt werden. In der Massentierhaltung wird viel Missbrauch betrieben – und gesunde Tiere bekommen oft vorbeugend oder als Wachstumsmittel Medikamente, wie andere Studien belegen.

Ein weiteres Problem ist, dass Tierärzte in Deutschland Antibiotika verkaufen dürfen. „Angesichts dieser Umstände erstaunt es kaum noch, dass der Antibiotikaverbrauch in der hiesigen Landwirtschaft weitaus höher liegt als in skandinavischen Ländern, wo Antibiotika von Apotheken abgegeben werden,“ heißt es beim BUND. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten sieht nur einen Weg aus der Misere: „Langfristig ist die Abschaffung der Intensivtierhaltung die einzige Möglichkeit, um Menschen und Umwelt vor resistenten Keimen zu schützen.“ 



Stephanie Rupp

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