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Vor ein paar Jahren, da hätte Hans Popp (82) aus Wilhermsdorf beinahe ein Fürther Kennzeichen für seinen 13-PS-Traktor der Marke Eicher beantragt. Denn mehrfach wollten ihm die Zerberusse des Kreisabfallzentrums in Langenzenn-Horbach im Landkreis Fürth das Abladen von Reststoffen verwehren. „Du kommst doch nicht aus dem Landkreis“, lautete die Begründung. Mit Mühe und Ausweishilfe konnte Popp die Abfallwerker davon überzeugen, dass er wie auch sein Gefährt im Landkreis Fürth ansässig sind. Und so konnte er darauf verzichten, NEA in FÜ umzutauschen.
Zur Erinnerung: Bis 1972 gehörte Wilhermsdorf zur Kreisstadt Neustadt/Aisch. Im Rahmen der bayerischen Gebietsreform entschieden die Bürger mehrheitlich, in den Landkreis Fürth zu wechseln.
Seither bezeugen FÜ-Kennzeichen an allen neuen Autos, Motorrädern oder Traktoren, wohin die Wilhermsdorfer gehören. In Stein ist es ähnlich: Dort führte man bis 1972 ein „N“ im Nummern-Schilde, was damals auch für den Kreis Nürnberg-Land stand; seit der Reform sind Steiner Fürther Landkreisbürger mit FÜ am Auto.
Nur das Kennzeichen NEA-J-907 an Hans Popps Eicher erinnert an die Zeit, als Wilhermsdorf noch bei Neustadt war. Doch nun setzt sich Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) vehement für die Idee seines Bundes-Amtskollegen Ramsauer (CSU) und des Heilbronner Professors Ralf Borchert ein, die alten Kfz-Kennzeichen wieder auszumotten. Was in Wilhermsdorf einzelne Wünsche nach der verlorenen NEA-Identität auslöst. Denn die 1972er FÜ-Entscheidung verlief in der Marktgemeinde beileibe nicht einstimmig.
Wie die Sache bei Gemeinden zu handhaben ist, die seit 1972 einem anderen Landkreis angehören, ist offenbar unklar. Im Landratsamt Fürth verweist Landratssprecher Bernd Kuch auf eine aktuelle Auskunft aus dem Münchner Verkehrsministerium, die er 1:1 weitergibt: „Die Thematik ist aktuell vom Tisch. Selbst wenn sie aufgegriffen worden wäre, hätte eine Causa Stein oder Wilhermsdorf keine Rolle mehr gespielt, weil diese Kommunen heute jeweils in einem neuem Landkreis angesiedelt sind.“
Gegenüber unserer Redaktion äußert sich dasselbe Ministerium jedoch weniger eindeutig. „Die aktuellen Planungen sehen vor, das Altkennzeichen nur in dem einen Landkreis wieder zuzulassen, in dem die namensgebende Gemeinde liegt. Bei einer Kooperation mehrerer Landkreise wären aber auch andere Modelle denkbar“, schiebt Minister Zeils Sprecherin den Schwarzen Peter bereits jetzt an die Landratsämter weiter. Und das, obwohl sie ausdrücklich betont: „Verkehrsminister Martin Zeil hat die Wiedereinführung der ,alten’ Autokennzeichen von Beginn an konstruktiv begleitet.“
Aus dem Bundesverkehrsministerium heißt es: Man habe „zugesagt, im Frühjahr 2012 eine rechtliche Regelung in den Bundesrat einzubringen, damit Alt-Kennzeichen auf Wunsch der Länder wieder gültig gemacht und von den Zulassungsbehörden mehrere Unterscheidungszeichen ausgegeben werden können.“ Einzelheiten und konkrete Umsetzung würden momentan zwischen Bund und Ländern besprochen. Auch der Umgang mit Kreiswechslern wie aus Wilhermsdorf oder Stein „steht noch nicht fest und wird in den weiteren Verhandlungen geklärt“, so ein Sprecher von Verkehrsminister Ramsauer.
An Hans Popps Eicher jedenfalls hängen weiterhin die Kennzeichen NEA-J-907. Und das bereits seit dem 3. April 1958: An diesem Tag ließ Popp sein 13-PS-Gefährt zu, das seitdem und wohl auch weiterhin ohne Motorprobleme vor sich hin tuckern wird. Egal, welche Vor- oder Rückschritte die Politik bei den Nummernschildern auch veranstaltet.
Anders übrigens als an Gerhard Mitländers Lanz: Der musste vor zwei Jahren die Schilder „NEA-L-727“ gegen welche mit FÜ ersetzen. „Zwangsweise, unter Androhung weiterer Maßnahmen“ bis zum Gefängnis, wie in einem Schreiben der Fürther Kreisverwaltung steht. Was Mitländer bis heute auf die Palme bringt: „Ich bin ein unbescholtener Bürger!“
Info: Die momentan gültige Zulassungsverordnung: www.gesetze-im-internet.de/fzv_2011/
