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Wen man im Klassenzimmer sitzt, merkt man es kaum. „Da gewöhnt man sich dran“, sagt Patrick Lorber. Doch wer einen Raum neu betritt, in dem gerade Unterricht war, merkt: „Es müffelt ganz schön“, sagt Laurin Seitz. Darum reißen die beiden 13-Jährigen zu Beginn ihres Experiments erst einmal alle Fenster auf, um kräftig zu lüften.
„400 ppm Kohlendioxid sind am Anfang der Stunde in einem gut gelüfteten Klassenzimmer“, erklärt Laurin. Das entspricht 0,04 Prozent und damit dem normalen CO2-Anteil in der Luft. Doch dann beginnen zwölf Schüler- und ein Lehrerhirn im Physiksaal zu arbeiten. „Nach 45 Minuten hat sich der CO2-Gehalt verdreifacht“, sagt Patrick. Die Luft wird stickig, die Konzentration sinkt.
Eine Schulstunde lang haben Patrick und Laurin alle fünf Minuten den Kohlenstoffdioxid-Gehalt im Klassenzimmer erfasst. Das zugehörige Messgerät haben die zwei vom Jugend-forscht-Sponsorenpool finanziert bekommen. Anhand ihrer Mess-Kurve können die Siebtklässler genau ablesen, wann zwischendurch eine Tür geöffnet wurde oder wie anstrengend der Unterricht verlaufen ist.
„Bei einer langweiligen Stunde verdoppelt sich der Wert“, erklärt Laurin.“ Das kommt vor „wenn der Lehrer die ganze Zeit nur redet und die Kinder nichts selber machen dürfen“, sagt Patrick. In einer „normalen“ Schulstunde verdreifacht sich der Wert. „Denn es gibt immer Rambos, die rumzappeln und viel Luft verbrauchen und Streber, die ganz still sitzen und nur bei Klassenarbeiten mehr Luft brauchen“, fasst Laurin die Ergebnisse zusammen.
Insgesamt 20 Schulstunden haben die Jungen untersucht. Am Vormittag und am Nachmittag, in unterschiedlich großen Räumen, bei verschiedenen Lehrern und sogar unter extremsten Bedingungen: „Letzte Woche haben wir eine Geographie-Ex geschrieben“, erzählt Laurin. Sogar währenddessen haben die zwei ihre Messreihe fortgesetzt. „Danach war vier Mal so viel CO2 in der Luft wie vorher.“ Während der Prüfung müssen sich die Schüler besonders konzentrieren, sie sind aufgeregt und atmen mehr. „Dadurch wird mehr Sauerstoff ein- und mehr CO2 ausgeatmet“, sagt Patrick. Auch im Sportunterricht wollten sie ihre Methode testen. „Doch wir hatten Angst, dass ein Ball den Computer trifft“, sagt Laurin.
Am liebsten isst Anne Schüpferling Kren mit Rindfleisch und Preiselbeeren. Darum hat die 18-Jährige aus Höchstadt an der Aisch auch gleich an Meerrettich gedacht als sie das Seminar „Arzneipflanzen im Aischgrund“ in der elften Klasse belegte. „Der Aischgrund ist ein traditionelles Anbaugebiet für Arzneipflanzen“, sagt Jutta Paulini, Annes Biologielehrerin am Gymnasium in Höchstadt. Pfefferminze, Brennessel, Kapuzinerkresse, Schwarze Malve und natürlich Meerrettich werden hier seit mehreren hundert Jahren angebaut und gesammelt. „Dass Meerrettich gesund ist, ist ja allgemein bekannt“, sagt Anne Schüpferling.
Um die antibiotische Wirkung nachzuweisen, musste die Schülerin zunächst Bakterien züchten, deren Wachstum es anschließend zu hemmen galt. „Mit der Zeit hat sich herausgestellt, dass die richtige Meerrettich-Konzentration entscheidend ist“, sagt Schüpferling. Sie testete frische Wurzeln aus dem Aischgrund, eingelegten Kren aus dem Supermarkt und eine hochkonzentrierte Tinktur aus den im Meerrettich enthaltenen Senfölen.
„Dabei stellte sich heraus, dass vor allem die Senföle antibiotisch wirken“, sagt Anne Schüpferling. Um sie herum wuchsen keine Bakterien auf dem Nährboden, der ansonsten dicht davon besiedelt war. „Den Nährboden habe ich in der Mikrowelle im Kollegstufenzimmer erwärmt“, erzählt die Gymnasiastin. „Da haben alle geschrien ,Hilfe, die Anne züchtet Bakterien!‘, dabei waren da noch überhaupt keine drin.“
Zudem verwendete die junge Forscherin nur einen harmlosen Echerichia-coli-Stamm, den sie aus handelsüblichen Darmtabletten gewonnen hatte. „Schließlich forschen wir an einer Schule“, gibt Lehrerin Paulini zu bedenken. Sterilisiert wurde in einem Schnellkochtopf, gelagert im Kühlschrank. Auf ihre Seminararbeit hat Anne Schüpferling bereits die Note 1 erhalten. Nun wartet sie gespannt auf das Urteil der Jugend-forscht-Juroren.
Morgen ab 12.30 Uhr stellen alle Teilnehmer des Regionalentscheids ihre Projekte in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen der Öffentlichkeit vor. Die anschließende Siegerehrung beginnt um 16 Uhr.
